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12.06.2011

09:10 Uhr

Angriff

Syrisches Militär erstürmt Protesthochburg

In der Nacht auf Sonntag sind syrische Sicherheitskräfte mit Panzern die Stadt Dschisr al-Schughur vorgerückt. Die Stadt ist seit Tagen umkämpft. Die meisten der Einwohner sind auf der Flucht.

Syrische Soldaten in der Nähe Jisr al-Shughour. Quelle: dapd

Syrische Soldaten in der Nähe Jisr al-Shughour.

Güvecci/BrüsselSyrische Sicherheitskräfte haben die Stadt Dschisr al-Schughur gestürmt, die ein Brennpunkt der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad ist. Von Assads Bruder Maher befehligte Truppen seien in der Nacht auf Sonntag mit Panzern in die seit
einigen Tagen eingekesselte Stadt vorgerückt und hätten in den Straßen Maschinengewehrsalven abgefeuert, sagten Einwohner. Zuvor sei die Stadt wahllos von Panzern beschossen worden. Flüchtlinge berichteten von getöteten Zivilisten. Zudem hätten Soldaten umliegende Felder zerstört sowie Kühe und Schafe getötet.

Die meisten der 50.000 Einwohner waren bereits in den vergangenen Tagen aus Furcht vor den heranrückenden Truppen geflohen. Ähnlich waren die Sicherheitskräfte auch in anderen Protesthochburgen vorgegangen. Das Militär hatte in der nordwestlichen Region eine Offensive gestartet, nachdem in der vergangenen Woche in Dschisr al-Schughur 120 Soldaten getötet worden waren.

Einwohnern zufolge war es zu einer Meuterei unter den Truppen gekommen, weil einige Soldaten nicht auf demonstrierende Regierungsgegner schießen wollten. Die Führung in Damaskus machte dagegen bewaffnete Banden für den Tod der Soldaten verantwortlich und entsandte neue Truppen. Augenzeugen zufolge flohen inzwischen mehr als 4.000 Syrer über die nahe gelegene Grenze in die Türkei.

Rund zehntausend weitere Flüchtlinge hätten Zeltlager im Grenzgebiet auf syrischer Seite aufgeschlagen. Bei dem seit drei Monaten anhaltenden Volksaufstand in Syrien sind Menschenrechtsgruppen zufolge bereits 1100 Zivilisten getötet worden. Der Opposition zufolge starben allein am Freitag 36 Demonstranten.

EU strebt Sicherheitsrats-Beschluss zu Syrien an

Die EU strebt unterdessen zusammen mit internationalen Partnern einen Sicherheitsrats-Beschluss gegen die Unterdrückung in Syrien an. In dem Nahost-Land müsse auf die legitimen Forderungen der Menschen eingegangen werden, teilte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in der Nacht zum Sonntag in Brüssel mit.

Die Europäer hatten schon beim G8-Gipfel vor gut zwei Wochen in Deauville versucht, die Möglichkeit von Maßnahmen des Sicherheitsrates in der Schlusserklärung zu verankern - sie scheiterten mit diesem Vorhaben aber an Russland.

Ashton sagte: „Ich bedauere, dass die Gewalt gegen Demonstranten in Syrien in den vergangenen Tagen eskaliert ist.“ Die EU versucht seit längerem, das Regime von Machthaber Baschar al-Assad davon abzubringen, sein Volk brutal zu unterdrücken.

Von

rtr

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