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12.06.2011

11:12 Uhr

Angriff

Syrisches Militär rückt mit Panzern vor

Eine ganze Stadt ist auf der Flucht: Dschisr al-Schughur wird wahllos von Soldaten aus Panzern beschossen. Augenzeugen berichten von zivilen Opfern. 5.000 Menschen sind mittlerweile in die Türkei geflüchtet.

Die syrische Fahne. Quelle: dapd

Die syrische Fahne.

GüvecciSyrische Sicherheitskräfte haben die Stadt Dschisr al-Schughur gestürmt, die ein Brennpunkt der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad ist. Von Assads Bruder Maher befehligte Truppen seien in der Nacht auf Sonntag mit Panzern in die seit einigen Tagen eingekesselte Stadt vorgerückt und hätten in den Straßen Maschinengewehrsalven abgefeuert, sagten Einwohner. Zuvor sei die Stadt wahllos von Panzern beschossen worden. Flüchtlinge berichteten von getöteten Zivilisten. Zudem hätten Soldaten umliegende Felder zerstört sowie Kühe und Schafe getötet.

Die meisten der 50.000 Einwohner waren bereits in den vergangenen Tagen aus Furcht vor den heranrückenden Truppen geflohen. Ähnlich waren die Sicherheitskräfte auch in anderen Protesthochburgen vorgegangen. Das Militär hatte in der nordwestlichen Region eine Offensive gestartet, nachdem in der vergangenen Woche in Dschisr al-Schughur 120 Soldaten getötet worden waren.

Einwohnern zufolge war es zu einer Meuterei unter den Truppen gekommen, weil einige Soldaten nicht auf demonstrierende Regierungsgegner schießen wollten. Die Führung in Damaskus machte dagegen bewaffnete Banden für den Tod der Soldaten verantwortlich und entsandte neue Truppen. Augenzeugen zufolge flohen inzwischen mehr als 4.000 Syrer über die nahe gelegene Grenze in die Türkei.

Rund zehntausend weitere Flüchtlinge hätten Zeltlager im Grenzgebiet auf syrischer Seite aufgeschlagen. Bei dem seit drei Monaten anhaltenden Volksaufstand in Syrien sind Menschenrechtsgruppen zufolge bereits 1.100 Zivilisten getötet worden. Der Opposition zufolge starben allein am Freitag 36 Demonstranten.

In der Türkei sind inzwischen mehr als 5.000 syrische Flüchtlinge eingetroffen. Sie werden in Zeltstädten des Türkischen Roten Halbmondes untergebracht. Die türkische Regierung hat mehrfach versichert, dass sie die Grenze zu Syrien nicht schließen wird.


Von

rtr

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