Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.08.2014

12:19 Uhr

Angriffe am Sonntag

Weitere Tote im Gaza-Konflikt

Obwohl israelische Truppen den Gazastreifen verlassen, kommt es auf palästinensischer Seite zu weiteren Toten. Geschosse schlagen nahe einer Schule ein. Der zunächst entführt geglaubte israelische Soldat Goldin ist tot.

Trauer nach einem Angriff in Rafah im südlichen Gaza-Streifen. Auch am Sonntag gingen die Angriffe der israelischen Armee weiter. Reuters

Trauer nach einem Angriff in Rafah im südlichen Gaza-Streifen. Auch am Sonntag gingen die Angriffe der israelischen Armee weiter.

Gaza-StadtBei einem Angriff in der Nähe einer UN-Schule im Gazastreifen sind am Sonntag nach palästinensischen Angaben zehn Menschen getötet worden. Wie der Sprecher der Gesundheitsbehörden, Aschraf al-Kidra, mitteilte, wurden 35 weitere verletzt.

Augenzeugen sagten, die Jungenschule in Rafah habe einen Treffer erhalten, als Menschen für Lebensmittel anstanden. In der Schule der Vereinten Nationen hätten Bürger Zuflucht gesucht, die von dem seit 27 Tagen andauernden Krieg zwischen Hamas und Israel aus ihren Häusern vertrieben worden seien.

Die israelischen Streitkräfte äußerten sich zunächst nicht zu dem Zwischenfall. Die Vereinten Nationen teilten mit, es sei zunächst nicht klar, ob der Einschlag von einem israelischen oder palästinensischen Geschoss stamme.

Bereits am Sonntagmorgen waren bei erneuten israelischen Luftangriffen im südlichen Gazastreifen nach palästinensischen Angaben neun Menschen getötet worden.

Das Tunnelsystem der Hamas

Das Hauptziel Israels

Eines der Hauptziele der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen ist das weit verzweigte Tunnelsystem der Hamas. Die radikal-islamische Organisation hat unter ihrem Herrschaftsgebiet Hunderte dieser unterirdischen Gänge gegraben. Sie verlaufen zumeist im Grenzgebiet zu Israel und Ägypten – vor allem in der Nähe des Rafah-Grenzübergangs – und dienen unterschiedlichen Zwecken. Auch zwischen Häusern im Inneren des Gazastreifens verlaufen Tunnel, die als Fluchtwege für militante Kämpfer dienen. Die gesamte Führung der Hamas versteckt sich nach israelischen Informationen seit Beginn der Offensive am 8. Juli in unterirdischen Betonbunkern.

Zerstörte Tunnel

Ägypten hat bisher nach Militärangaben rund 1400 Tunnel zerstört, die in den Gazastreifen führten. Auch das israelische Militär spürt immer wieder unterirdische Tunnel auf. Israels Armee hat nach eigenen Angaben seit Beginn der Offensive im Gazastreifen am 8. Juli 230 Mal unterirdische Tunnel angegriffen.

Zweck der Tunnel

Die in Richtung des israelischen Staatsgebiets gegrabenen Tunnel dienen vor allem Terrorzwecken. Durch die Gänge, die oft in monatelanger mühsamer Arbeit ausgehoben und mit Zement verstärkt werden, können bewaffnete Kämpfer über die Grenzen geschleust werden, um Anschläge zu verüben. Ein weiteres Ziel ist die Entführung von Israelis, bevorzugt Soldaten. Durch einen solchen Tunnel wurde 2006 auch der Grenzsoldat Gilad Schalit in das Palästinensergebiet verschleppt.

Ägypten und die Tunnel

Die im Grenzgebiet zu Ägypten gegrabenen Tunnel dienten jahrelang als Schmugglerwege und damit als „Lebensader“ des blockierten Palästinensergebiets. Mit der Entmachtung der mit der Hamas verbündeten Muslimbruderschaft vor einem Jahr begann Ägypten jedoch massiv gegen diese Tunnel vorzugehen und sie zu zerstören. Ägypten wirft der Hamas vor, zusammen mit der Muslimbruderschaft das Land zu destabilisieren.

Zerstörungsmöglichkeiten der Tunnel

Die Zerstörungsmöglichkeiten mit Luftangriffen seien begrenzt, betonte Israel vor Beginn der Bodenoffensive immer wieder. Die nach Israel führenden Tunnel würden meist erst im letzten Moment entdeckt, wenn die palästinensischen Kämpfer aus dem Ausgang herauskommen, erklärte der frühere Leiter des Einsatzkommandos der israelischen Streitkräfte, Israel Ziv. Es gebe auch ein ausgeklügeltes System mit Strom und Belüftung um die Tunnel herum. „Sobald man den Boden kontrolliert, kann man die Tunnel effektiv bekämpfen“, sagte er.

Israel hatte zuvor mit einer Umgruppierung seiner Truppen an der Grenze zum Gazastreifen begonnen. Panzer und andere Fahrzeuge verließen das palästinensische Gebiet, nachdem Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Samstag eine Überprüfung der Offensive signalisiert hatte. Deren Dauer hänge davon ab, wie viel Zeit die Truppen zur Zerstörung des Tunnelsystems der Hamas entlang der Grenze benötigten, über das militante Palästinenser für Anschläge nach Israel eindringen könnten.

Aus Sicherheitskreisen verlautete, die Operation gegen die Tunnel nähere sich dem Abschluss. Ein weiterer Grund für intensive israelische Einsätze im Gazastreifen war die seit Freitag befürchtete Entführung eines Soldaten. Am Sonntagmorgen wurde offiziell mitgeteilt, Hadar Goldin sei im Kampf gefallen. Er sollte am Sonntagnachmittag (16.30 MESZ) auf dem Militärfriedhof in Kfar Saba bei Tel Aviv beigesetzt werden. Der 23-Jährige war am Freitag von Israel als im Gazastreifen entführt gemeldet worden. Eine Kommission unter Leitung des Chefrabbiners der Streitkräfte erklärte den Leutnant inzwischen aufgrund der Befunde vor Ort für tot. Die genauen Umstände seines Todes sind jedoch weiter ungeklärt.

Israel: Vermisster Soldat starb im Gefecht

Israel

Vermisster Soldat starb im Gefecht

Der vermisste israelische Leutnant ist bei Kämpfen im Gazastreifen gestorben. Israel war zunächst von einer Entführung ausgegangen. Beide Konfliktparteien kündigten unterdessen an, ihre Kämpfe fortzusetzen.

Netanjahu sagte in seiner Fernsehansprache, die Hamas würde einen „unerträglichen Preis“ zahlen müssen, sollten die Raketenangriffe auf Israel andauern. Er warnte die Hamas vor weiteren Angriffen auf Israel. „Wir akzeptieren keine Fortsetzung des Beschusses“, sagte der Regierungschef. Vor gut drei Wochen hatte Israel seine Offensive begonnen, um nach eigener Darstellung den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu stoppen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

04.08.2014, 09:23 Uhr

Weitere Angriffe auf UN-Schulen
----------
Aber die Luftwaffe und auch die Artillerie und Marine führten ihre Bombardierungen und Beschießungen weiter, wobei am Sonntag erneut eine UN-Schule, diesmal in Rafah am Südende des Gazastreifens, getroffen wurde, in die sich Flüchtlinge in vermeintliche Sicherheit gebracht hatten.

Aber das verwundert auch nicht. Die Hamas und Der islamistische Dschihad verstecken dort ihre Waffen und Raketen, mit denen sie Israel angreifen. Die Zivilbevölkerung wird dabei in Geiselhaft genommen.
Und wenn dann Zivilisten

Aber die Luftwaffe und auch die Artillerie und Marine führten ihre Bombardierungen und Beschießungen weiter, wobei am Sonntag erneut eine UN-Schule, diesmal in Rafah am Südende des Gazastreifens, getroffen wurde, in die sich Flüchtlinge in vermeintliche Sicherheit gebracht hatten.


Aber das verwundert auch nicht. Die Hamas und Der islamistische Dschihad verstecken dort ihre Waffen und Raketen, mit denen sie Israel angreifen. Die Zivilbevölkerung wird dabei in Geiselhaft genommen.
Und wenn dann Zivilisten ums Leben kommen, ist das gut für ihre Propaganda.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×