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17.06.2011

19:33 Uhr

Angriffe auf Ratingagenturen

"Sie treiben Volkswirtschaften in die Krise"

Verramschen Standard & Poor's, Moody's und Fitch mit ihren Bewertungen Griechenland? Ex-Wirtschaftsminister Brüderle meint ja. Selbst US-Ermittler nehmen die Finanzwächter inzwischen genauer unter die Lupe.

Auch die Ratingagenturen haben mit ihren optimistischen Bewertungen von verbrieften US-Hypotheken zum Zusammenbruch von Lehman Brothers beigetragen. Quelle: ap

Auch die Ratingagenturen haben mit ihren optimistischen Bewertungen von verbrieften US-Hypotheken zum Zusammenbruch von Lehman Brothers beigetragen.

Die FDP-Bundestagsfraktion fordert eine neue europäische Ratingagentur. Wenn wenige Institute durch ihre beherrschende Stellung ganze Volkswirtschaften in eine Krise treiben könnten, zeige dies den überfälligen Korrekturbedarf, sagte Fraktionschef Rainer Brüderle der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstagausgabe).

Wegen der sich verschärfenden Griechenland-Krise werde seine Fraktion stärker darauf dringen, dass durch eine neue europäische Ratingagentur die Monopolstellung der angelsächsischen Institute gebrochen wird. Unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten sei das enge Oligopol der großen Ratingagenturen nicht mehr länger vertretbar, sagte Brüderle.

Über die Rolle und den Einfluss der Ratingagenturen bei der Finanzmarktkrise müsse deshalb dringend diskutiert werden, forderte Brüderle. Scharf kritisierte der Liberale das Vorgehen der Agenturen im Fall Griechenlands. „Die aktuelle Abstufung ist fragwürdig und hat erhebliche Folgewirkung“, sagte Brüderle. Auch wenn das Land nicht hinreichend wettbewerbsfähig sei, dürfe es jetzt nicht verramscht werden.

Die Ratingagenturen sind nicht erst seit ihrem aktuellen Verhalten in der griechischen Schuldenkrise in der Kritik. Sie haben bereits in der Finanzkrise komplett versagt, belangt wurden sie bislang jedoch nicht. Das soll sich nach einem Zeitungsbericht nun ändern. Die US-Börsenaufsicht SEC hat sich nach Informationen des „Wall Street Journal“ die großen Spieler der Branche vor die Brust genommen.

Wo die Deutsche Bank verklagt wird

Ackermanns Versprechen

„Kein Geschäft der Welt ist es wert, dafür den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.“ Das hat Vorstandschef Josef Ackermann 2006 gesagt. Ob diese Aussage der Realität entspricht – daran kommen angesichts der Fülle der Verfahren Zweifel auf, auch wenn diese nicht alle während Ackermanns Amtszeit „entstanden“ sind.

Risikovorstand Hugo Bänziger

Am Ende des Tages trägt natürlich Josef Ackermann die Verantwortung, aber „krumme Geschäfte“ sind per se die Aufgabe von Hugo Bänziger. Der Risikovorstand muss den Begriff „Compliance“ mit Leben füllen.

Kirch-Prozesse

Leo Kirch liegt seit Jahren mit der Deutschen Bank im Clinch. Der Medienunternehmer behauptet, dass die Äußerungen des damaligen Chefs Rolf E. Breuer für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich waren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte ihm in einer Vorfrage einst Recht gegeben. Doch unterm Strich ist der Ergebnis der Prozesse noch offen.

Zinswetten werden zum Image-Desaster

Die Deutsche Bank hatte mit Kommunen und mittelständischen Unternehmen komplexe Geschäfte abgeschlossen. Im März fällte der BGH ein wichtiges Urteil: Das Geldhaus durfte diese so genannten CMS-Geschäfte nicht tätigen.

Probleme auch in Mailand

Wegen eines ähnlichen Falles muss sich die Deutsche Bank gemeinsam mit JP Morgan, der Depfa und der UBS in Mailand verantworten. Auch hier geht es um Zinsgeschäfte und die Frage, ob die Risikogestaltung zu Lasten der Anleger ging.

US-Regierung hat Deutsche Bank im Visier

Richtig teuer könnte es für die Deutsche Bank in den USA werden. Besser gesagt: Noch teurer, als es ohnehin schon geworden ist. Denn die US-Regierung hat das Institut Anfang Mai wegen Geschäfte mit Immobilien verklagt. Sie fordert Schadensersatz in Höhe von einer Milliarde Dollar. Die Deutsche Bank soll an Fördermittel herangekommen sein, in dem sie falsche Angaben machte.

Der Untersuchungsbericht des US-Senats

Kurz zuvor, im April, widmete der US-Senat der Deutschen Bank in einem Untersuchungsbericht ein eigenes Kapitel. Das ist kein gutes Zeichen. Der Vorwurf: Das Geldhaus hätte Hypothekenanleihen an Kunden verkauft, obwohl eigene Händler längst auf die Risiken aufmerksam gemacht hätten. Damit steht die Deutsche Bank nicht allein da – ähnliche Vorwürfe gibt es gegen mehrere Banken.

Widerrechtliche Zwangsräumungen in Los Angeles

Die Stadt Los Angeles glaubt, dass die Deutsche Bank ihren Bürgern Unrecht angetan hat. Es geht unter anderem um widerrechtliche Zwangsräumungen. Immerhin ist das Institut als Treuhänder für 2000 Wohnungen verantwortlich. Die Stadt verlangt Schadenersatz im dreistelligen Millionenbereich. Die Deutsche Bank entgegnet, dass nicht sie als Treuhänder, sondern der Kreditdienstleister zuständig gewesen sei.

New Yorker Staatsanwaltschaft prüft

Sorgen machen muss sich die Deutsche Bank unter Umständen auch wegen einer aktuellen Geschichte: Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem gegen einige US-Banken. Es geht um das Bündeln von Trash-Immobilienkrediten. Noch geht es also nicht um die Deutsche Bank, aber nach den bisherigen Erfahrungen könnte sich das durchaus ändern.

Ärger in Südkorea

Von der Summe her war die Zahlung an Behörden in Südkorea eher das, was man gerne auch schon mal als „Peanuts“ bezeichnet hat: Eine Strafe über 640.000 Dollar brummte die dortigen Behörden der Deutschen Bank auf. Sie hat allem Anschein nach gegen Börsenregeln verstoßen.

Parmalat-Skandal in Italien

Auch in Italien waren die Rechtsanwälte der Deutschen Bank lange beschäftigt. Hier gab es aber einen Freispruch. Der Vorwurf lautete, dass sich das Institut wie auch die Citigroup und andere Geldhäuser der Mittäterschaft beim Bilanzbetrug des Molkereikonzerns Parmalat schuldig gemacht haben sollen.

Teure Vergleiche

Üblicherweise werden in den USA Prozesse nicht bis zum bitteren Ende geführt. Oft gibt es einen Vergleich. Das ist in der Regel auch für das betroffene Unternehmen billiger und vor allem schont es die Nerven. So zahlte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 554 Millionen Dollar wegen eines Streits um Produkte zur Steuervermeidung.

Die Behörde erwäge zivilrechtliche Betrugsklagen, hieß es am Freitag unter Berufung auf eingeweihte Personen. Namentlich erwähnte die Zeitung Standard & Poor's sowie Moody's.  Die Ratingagenturen bewerten die Bonität von Staaten und Unternehmen sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit von Wertpapieren. Viele Investoren vertrauen ihrem Urteil nahezu blind.

In der Finanzkrise hatte sich diese Blauäugigkeit gerächt: Die Ratingagenturen hatten auch jenen US-Hypothekenpapieren gute Zeugnisse ausgestellt, die ab dem Jahr 2007 massiv an Wert verloren und damit die Krise des gesamten Finanzsystems auslösten.  

Kommentare (22)

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Prenden

17.06.2011, 20:19 Uhr

Ein Frage nur: Wer verleiht das Geld? Die Ratingagenturen? Erst sinds die Banken, dann die Ratingagenturen und dann wohl die Sparer die mickrige 2% Zinsen für ihr Geld bekommen möchten. Aber wahrscheinlich ist das alles nur das Werk von Alkreide, Talaban oder Gadaffi, die werden auch immer rafinierter diese Terroristen. Danke liebes HB für diesen aufklärenden Artikel, jetzt weiß ich werd Schuld an disem Schlamassel ist. Nachdem Oberstleutnant Senftleben abgetreten ist lese ich jetzt lieber HB-Artikel.

schlaumiener

17.06.2011, 20:33 Uhr

Übeltäter gefunden: Die Ratingagenturen. Die sind Schuld an allem. Wir brauchen eine griechische Ratingagentur für Europa. Nur der Grieche hat durch seine lange geschichtliche Tradition die entsprechende Weisheit. Weise ist er schon
(faul und fordernd). Er "arbeitet" länger als der Deutsche,
nur er schafft leider nichts. Exportprodukte: Uzo, Zaziki,
Herkulesspieß. Grandiose Exportartikel. Da kann er schon kurzfristig seine gesamten Schulden zurückzahlen. In Ernst - 3 Jahre und die Welt ist Pleite (Japan, USA, Europa).

Einsicht

17.06.2011, 20:33 Uhr

Die Überbringer der schlechten Botschaft werden wie immer abgestraft, egal ob die Botschaft zu frueh, oder, wie in diesem Fall viel zu spaet, ueberbracht werden!!!

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