Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2015

21:19 Uhr

Angriffe in Syrien

Israel entzürnt Hisbollah mit Attacken auf Kämpfer

Israel fühlt sich eingekesselt, denn in Syrien und im Irak verbreitet der IS seinen Schrecken. Nun greift Israel durch und tötet libanesische Hisbollah-Kämpfer in Syrien. Die Gruppe warnt Israel vor weiteren Schritten.

Sie stellen sich gegen Israel, etwa hier im Kampf gegen die Unterdrückung der Bevölkerung im Gazastreifen. Deshalb sieht die israelische Politik die Hisbollah-Kämpfer als Gefahr an. dpa

Sie stellen sich gegen Israel, etwa hier im Kampf gegen die Unterdrückung der Bevölkerung im Gazastreifen. Deshalb sieht die israelische Politik die Hisbollah-Kämpfer als Gefahr an.

BeirutIsrael hat nach Darstellung der radikalislamischen Hisbollah-Miliz sechs ihrer Kämpfer im syrischen Teil der Golanhöhen angegriffen und getötet. Dies meldete die schiitische Organisation am Sonntagabend über ihren Sender Al-Manar im Libanon. Der Sender warnte, Israel spiele mit dem Feuer und gefährde die Sicherheit im ganzen Nahen Osten. Hisbollah-Angehörige in Dörfern und Städten entlang der Grenze zu Israel wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Hisbollah-Anführer Hassan Nasrallah hatte am Donnerstag gewarnt, israelische Angriffe auf die Hisbollah würden vom Iran, Syrien und der Hisbollah gemeinsam gerächt.

Unter den Getöteten sind wohl auch drei Kommandeure, nach Angaben eines Hisbollah-Vertreters auch der Anführer Dschihad Mughnijeh, der Sohn des 2008 in Damaskus getöteten Hisbollah-Funktionärs Imad Mughnijeh. Auch hinter dessen Tod vermutet die Hisbollah Israel. Bei dem Angriff am Sonntag soll auch der hohe Hisbollah-Funktionär Mohammed Issa umgekommen sein. Israel kommentierte die Meldungen nicht.

Der Vertreter der Hisbollah sagte, Israel habe in der Region Masrat al-Amal im syrisch kontrollierten Teil der Golanhöhen zwei Fahrzeuge mit Hisbollah-Kämpfern angegriffen. Diese hätten dort Stützpunkte inspiziert. Israelische Hubschrauber sollen Raketen auf sie abgefeuert haben. Die Region liegt nahe der von Israel kontrollierten Grenze. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und staatliche syrische Medien meldeten den israelischen Angriff.

US-Finanzhilfen für Israel und die Palästinensergebiete

USA - Palästinas wichtigste Geldquelle

Die USA gehören seit Jahren zu den wichtigsten Geldgebern der Palästinenser. Wegen der Gefahr, dass die Mittel in die Hände von Terroristen fallen, wird die Freigabe der Mittel streng geprüft. Israel wird jedes Jahr mit noch kräftigeren Finanzhilfen aus Washington unterstützt. Eine Übersicht:

Wie viel Geld fließt nach Gaza?

Seit 2008 betrugen die Finanzhilfen der USA für den Gazastreifen und das Westjordanland jedes Jahr durchschnittlich 400 Millionen Dollar. Im laufenden Haushaltsjahr stellte Washington 440 Millionen Dollar (330 Mio Euro) bereit. Das Geld fließt an die Hilfsorganisation USAID und als direkte Budgethilfe an die Palästinensische Autonomiebehörde.

Wer bekommt die Hilfe?

USAID nutzt ihren Anteil nach Angaben des US-Rechnungshofes, um die Palästinenser mit Trinkwasser zu versorgen und Krankenhäuser zu modernisieren. Außerdem werden damit Schulen gebaut oder renoviert und mit Material ausgestattet. Auch der Privatsektor wird unterstützt. 70 Millionen Dollar der Finanzhilfen sind nach Angaben des US-Außenministeriums für die Unterstützung palästinensischer Sicherheitskräfte und

Helfen die USA der Zivilbevölkerung?

Die USA sind zudem der größte Geldgeber für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten UNRWA. Für das laufende Haushaltsjahr wurden 250 Millionen Dollar (187 Mio. Euro) bereitgestellt. Das Hilfswerk versorgt Flüchtlinge unter anderem mit Essen, Unterkünften und Medikamenten.

Wie unterstützen USA Israel?

Israel ist der größte Empfänger von US-Finanzhilfen seit dem Zweiten Weltkrieg. Fast das gesamte Geld dient der Unterstützung des Militärs. Dank der Hilfe der USA gehören die israelischen Streitkräfte zu den höchstentwickelten der Welt.

Wie viel Geld bekommt Israel?

Bisher haben die USA das Land mit 121 Milliarden Dollar (90,6 Mrd. Euro) unterstützt. Für das laufende Haushaltsjahr sind 3,1 Milliarden Dollar vorgesehen sowie 502 Millionen Dollar (376 Mio. Euro) für die israelische Raketenabwehr. Für das kommende Jahr soll diese Summe noch aufgestockt werden.

Warum bekommt Israel so viel Hilfe?

Dank einer breiten Unterstützung im Kongress genießt Israel beim Empfang dieser Mittel einmalige Vorteile. So wird das Geld seit Jahren bereits in den ersten 30 Tagen des in den USA am 1. Oktober beginnenden Haushaltsjahres zur Verfügung gestellt. Außerdem kann das Land einen bedeutenden Teil der Finanzhilfen - derzeit rund ein Viertel - zur Beschaffung von Waffensystemen und anderen militärischen Mitteln im Inland verwenden, was sonst unüblich ist.

Die Hisbollah kämpft an der Seite der Regierungstruppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, den Rebellen seit 2011 zu stürzen versuchen. Dschihad Mughnijeh soll der höchstrangige Hisbollah-Kämpfer sein, der in Syrien umkam.

Israel und die Hisbollah hatten 2006 einen verheerenden Krieg gegeneinander geführt, seither eine direkte Konfrontation aber vermieden. Am Donnerstag betonte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah jedoch, die Raketen der Gruppe könnten jede Region Israels erreichen. Zudem drohte Nasrallah mit einer Invasion Nordisraels im Falle eines weiteren bewaffneten Konflikts.

Seit Beginn des Kriegs in Syrien hat Israel mehrfach Ziele dort angegriffen, darunter Waffenlieferungen an die Hisbollah. Zuletzt attackierten israelische Kampfjets im Dezember Ziele nahe dem Flughafen von Damaskus sowie nahe einer Stadt an der Grenze zum Libanon.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×