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16.04.2006

16:34 Uhr

Angriffsszenarien

USA und Iran rüsten verbal auf

Die USA haben sich nach Angaben eines Ex-Geheimdienstexperten bereits seit 2002 mit der Planung eines möglichen Militärschlags gegen Iran befasst. Der Iran zweifelt zwar an der Fähigkeit der USA, einen weiteren Krieg anzuzetteln, soll aber angeblich für diesen Fall 40 000 Selbstmordattentäter rekrutiert haben.

Irans Außenminister Manuchehr Mottaki zweifelt an der Kriegsfähigkeit der USA. Foto: dpa dpa

Irans Außenminister Manuchehr Mottaki zweifelt an der Kriegsfähigkeit der USA. Foto: dpa

HB WASHINGTON/TEHERAN. Der Ex-Geheimdienstexperte des US-Militärs William Arkin berichtete in einem Gastbeitrag für die „Washington Post“ am Sonntag über verschiedene Angriffsszenarien. Der Iran äußerte indes Zweifel, dass die USA wirklich einen Militärschlag gegen das Land führen könnten.

Arkin schreibt, einer der Pläne sei bereits 2002 - ein Jahr vor dem Irakkrieg - von US-General John Abizaid, der heute Chef des US- Zentralkommandos Centcom ist, in Auftrag gegeben worden. In den Planspielen würden sowohl der Einmarsch von Bodentruppen als auch Raketenangriffe konzipiert. Die Pläne für einen Irankrieg seien im Pentagon unter dem Namen Tirannt bekannt, so Arkin. Es habe bereits eine gemeinsame Übung der Streitkräfte Großbritanniens und der USA im Kaspischen Meer gegeben. Auch die US-Marine habe Angriffspläne für einen imaginären Staat namens „Karona“ vorbeitet, in dem radikale Religionsführer und Revolutionsgarden herrschten - laut Arkin sei damit zweifellos der Iran gemeint.

Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki und der einflussreiche iranische Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani bezweifelten, dass die USA ihre Drohung wirklich in die Tat umsetzen könnten. Die USA seien wegen ihres problematischen Engagements in Afghanistan und dem Irak „nicht in der Lage eine weitere regionale Krise anzuzetteln“, sagte Mottaki in Teheran. Der Iran setze in dem Konflikt um sein Atomprogramm weiter auf eine Verhandlungslösung, so der Minister laut der Nachrichtenagentur IRNA.

Im Fall eines Angriffs auf iranische Atomanlagen will Teheran laut einem britischen Zeitungsbericht Selbstmordattentäter britische und US-Ziele angreifen lassen. Die Attentäter gehörten einer Sondereinheit der Revolutionären Garde an, die im März während einer Militärparade erstmals zu sehen gewesen sei, schrieb die Zeitung „The Sunday Times“. Die Mitglieder der Einheit hätten Sprengstoff an ihren Uniformen getragen und Zünder in die Höhe gehalten.

Der Leiter des iranischen Zentrums für Doktrin-Strategische Studien der Revolutionären Garde sagte dem Blatt zufolge, 29 westliche Ziele seien ausgemacht worden. „Wir sind bereit, sensible Punkte der Amerikaner und Briten anzugreifen, wenn sie die Atomanlagen des Irans angreifen“, zitierte die „Sunday Times“ aus einer Rede Hassan Abbassis, deren Tonbandaufzeichnung dem Blatt nach eigenen Angaben vorlag. Unter Berufung auf nicht näher bezeichnete iranische Regierungsvertreter hieß es, 40 000 Selbstmordattentäter seien ausgebildet worden und stünden bereit.

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