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10.02.2005

17:30 Uhr

Angst vor Atomwaffen neu geschürt

Nordkorea provoziert die USA

Nordkorea hat erstmals den Besitz von Atomwaffen eingeräumt. Damit schwenkt das isolierte Land geradewegs auf einen Konfrontationskurs mit den USA.

Ein Satellitenbild der Nuklearanlage Yongbyon in Nordkorea. Foto: dpa

Ein Satellitenbild der Nuklearanlage Yongbyon in Nordkorea. Foto: dpa

HB SEOUL. Zugleich setzte Nordkorea seine Teilnahme an den internationalen Gesprächen über eine Beendigung seines Atomprogramms auf unbestimmte Zeit aus. Dabei hatte Nordkorea in den vergangenen Wochen Signale ausgesandt, die Südkorea und die USA durchaus zu der Annahme berechtigten, die Sechs-Länder-Gespräche könnten schon bald wieder aufgenommen werden. Doch die überraschende Doppelankündigung aus Nordkorea versetzte den Voraussagen und Hoffnungen einen schweren Dämpfer.

Eine Delegation von US-Abgeordneten hatte erst im Januar nach einem Besuch in Pjöngjang mitgeteilt, dass die Fortsetzung der Sechsergespräche eine Frage von Wochen sei. Auch Südkoreas Außenminister Ban Ki Moon äußerte sich zuletzt ähnlich zuversichtlich. Die Hoffnungen wurden noch dadurch genährt, dass US-Präsident George W. Bush in seiner jüngsten Rede an die Nation Nordkorea von direkter Kritik aussparte und lediglich erklärte, die US-Regierung wolle mit anderen Ländern in der Region Nordkorea davon zu überzeugen versuchen, auf sein Atomprogramm zu verzichten.

Doch Nordkorea blieb weiter konsequent bei seiner Forderung, dass Washington seine nach Pjöngjangs Ansicht „feindselige Politik“ aufgeben müsse; eine Unterstellung, die die USA ebenso konsequent zurückweisen. Nordkorea reagierte jedoch jetzt verärgert auf eine Äußerung der neuen US-Außenministerin Condoleezza Rice, die das Land zusammen mit fünf anderen autoritären Staaten als „Vorposten der Tyrannei“ gebrandmarkt hatte. Dies hat das Außenministerium in Pjöngjang am Donnerstag unmissverständlich als Grund dafür genannt, dass es vorerst nicht an den Verhandlungstisch zurückkommen werde. Die Bemerkungen von Rice erinnerten an die „Achse des Bösen“, in die Bush Nordkorea vor drei Jahren eingereiht hatte.

Hatte Nordkorea in der Vergangenheit bewusst mit absichtlich zweideutigen Erklärungen über den Status seines Atomprogramms für Verwirrung gesorgt, so war die Erklärung über den Besitz eigener Atomwaffen dieses Mal eindeutig. Ohne internationale Inspektionen ist allerdings eine unabhängige Bestätigung dieser Aussagen nicht möglich. Doch Nordkoreas Drohungen mit dem Ausbau seines Nuklearwaffenarsenals zur Selbstverteidigung gehören zur Diplomatie des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il.

Die jüngste Erklärung aus Nordkorea legten in Seoul die Vermutung nahe, dass das Land die Atomwaffen im diplomatischen Pokerspiel nutzen will, um Washington zu Zugeständnissen zu zwingen. Dabei gehe es nicht nur um wirtschaftliche Hilfen und Sicherheitsgarantien, sondern auch um eine versöhnliche Geste von Seiten der USA, wie etwa die Entsendung eines hochrangigen Gesandten, meinen Beobachter.

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