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28.03.2013

04:51 Uhr

Angst vor Chaos

Zyprer dürfen heute höchstens 300 Euro abheben

Heute öffnen Zyperns Banken wieder. Doch wer sich in die Schlangen einreiht, darf nur einen Bruchteil des Ersparten abheben. Zyperns Notenbank setzt ein strenges Limit. Zahlreiche Sicherheitskräfte sind im Einsatz.

Zyprische Banken öffnen wieder

Video: Zyprische Banken öffnen wieder

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NikosiaEs ist ein heiß ersehnter Moment für die Menschen auf Zypern: Am Donnerstagmittag sollen die Banken des Inselstaats nach mehr als zehn Tagen Schließung wieder ihre Schalter öffnen. Sicherheitskräfte wollen Chaos und Kriminalität verhindern. Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf. Zwischen 12 und 18 Uhr Ortszeit (ab 11 Uhr MESZ) könnten die Kunden Geld vom Konto abheben – allerdings mit gravierenden Einschränkungen, wie die Zentralbank Zyperns und das Finanzministerium in Nikosia mitteilten.

Pro Person und Konto sollen die Zyprer maximal 300 Euro pro Tag abheben dürfen - weniger als zunächst angenommen. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen über das Online-Bankingsystem werden wieder erlaubt. Damit sollen alle Angestellten ihre Gehälter erhalten.

Zudem sollen Einschränkungen des Zahlungsverkehrs den Abfluss von Kapital nach einer Öffnung der Banken verhindern. Der Beschluss der Zentralbank sieht Grenzen für Auslandsüberweisungen sowie Auflagen für Immobilienverkäufe und für die Abwicklung von Exportgeschäften vor. Wie lange die Beschränkungen gelten sollen, wurde nicht mitgeteilt.

Zyperns Banken sind seit dem 16. März geschlossen. Seitdem können sich die Menschen im griechischen Teil der Insel nur noch aus Geldautomaten mit Bargeld versorgen. Hintergrund war der Beschluss eines Rettungspakets, mit dem ein Zusammenbruch des Bankensystems und der Staatsfinanzen verhindert werden sollte.

Das Hilfspaket in Kürze

Anlegerschutz

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

Endgültige Abmachung

Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

Umfang

Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

Zyprische Banken

Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.

Die Sicherheitskräfte seien vor der Öffnung der Banken in Bereitschaft, auch um kriminelle Überfalle zu verhindern, sagte der zyprische Polizeisprecher Andreas Angelides. „Wir haben alle nötigen Maßnahmen getroffen, damit die Leute geschützt werden. Wir fordern alle Leute auf, auch selbst aufmerksamer zu sein, wenn sie die Bank verlassen“, sagte Angelides. Ein Sprecher des Genossenschaftsbanken rief die Menschen am Abend zur Ruhe auf: „Ich sage den Leuten: Keine Panik, keine Panik. Jeder wird das bekommen, was ihm zusteht.“

Zypern-Krise

Essensausgabe in Zypern

Zypern-Krise: Essensausgabe in Zypern

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Die zyprische Zentralbank ist einem Zeitungsbericht zufolge am Mittwoch mit fünf Milliarden Euro Bargeld ausgestattet worden. Das Geld sei am Abend in einem schwer bewachten Konvoi vom Flughafen Larnaka aus zur Zentralbank in Nikosia gefahren worden, berichtete die Tageszeitung „Kathimerini“. Das von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitgestellte Bargeld werde an die Bankfilialen auf Zypern verteilt. Die Lieferung sei von Hubschraubereinheiten in der Luft gesichert worden.

Im einzelnen sollen nun Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland pro Person und Bank zunächst auf 5000 Euro beschränkt werden. Für Beträge bis zu 200 000 Euro ist eine Genehmigung der Zentralbank notwendig. Zyprer sollen zudem pro Auslandsreise maximal 1000 Euro Bargeld mit sich führen dürfen. Festgeldanlagen dürfen nicht vorzeitig gekündigt werden. Dies soll verhindern, dass Kapital in großem Umfang aus Zypern abgezogen wird.

Die Regeln sollen zunächst für vier Tage gelten. Die Kapitalverkehrskontrollen stehen eigentlich dem EU-Prinzip eines freien Geld- und Warenverkehrs entgegen. Ein Vertreter der Notenbank sagte, die Maßnahmen würden täglich überprüft und wenn möglich gelockert.


Kommentare (49)

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Account gelöscht!

27.03.2013, 20:10 Uhr

"Zyperns Außenminister Ioannis Kasoulidis kritisierte die Eurozone wegen der Bedingungen für das Hilfspaket. „Um es ganz offen zu sagen: Wir haben dieses Vorgehen nicht als europäische Solidarität empfunden“,

Frechheit ! Die internationale Gebergemeinschaft wirft jedem Zyprioten mehr als 10.000 EUR hinterher. Was glaubt dieser Affe eigentlich wer er ist. Zypern soll sich gefälligst seinen Mist selber in den Rachen stecken und nach Hilfe krächzen. Dann schauen wir nochmal wie das "Empfinden" des Herrn Außenminister in dieser Situation dann ist.

Zahlmeister

27.03.2013, 20:11 Uhr

Das Abheben von Bargeld ist ab jetzt eine kriminelle Tat und die private britische Mini-SS soll für Ordnung sorgen.
Wir haben die Gelegenheit, nach Zypern wie durch ein Zeitfenster in unsere eigene nahe Zukunft zu blicken.

StolzerGermane

27.03.2013, 20:22 Uhr

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