Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.08.2013

13:57 Uhr

Angst vor neuen Unruhen

Touristen wollen nicht mehr nach Ägypten

Ägypten droht eine wichtige Einnahmequelle zu verlieren. Wegen der bürgerkriegs-ähnlichen Unruhen im gesamten Land bleiben die ausländischen Touristen aus. Nun droht also auch noch eine ökonomische Krise.

Unterwasser-Protest in den Tourismuszentren am Roten Meer: Die Moslem-Brüder sollen verschwinden. Inzwischen geht auch die Zahl der Touristen zurück. Reuters

Unterwasser-Protest in den Tourismuszentren am Roten Meer: Die Moslem-Brüder sollen verschwinden. Inzwischen geht auch die Zahl der Touristen zurück.

KairoDie Schiffe von Heschmat Jussef sind verwaist. Seit Wochen hatte er keinen Touristen mehr an Bord. Normalerweise bietet er Segelausflüge auf dem Nil für Urlauber an, damit verdiente er bislang gutes Geld. Ägypten war jahrzehntelang eines der beliebtesten Reiseziele von Europäern und Amerikanern. Der Aufstand gegen den damaligen Staatschef Husni Mubarak Anfang 2011 führte dazu, dass US-Reiseveranstalter das Land am Roten Meer aus dem Programm nahmen. Die jüngsten Unruhen am Nil schrecken jetzt auch die Europäer ab.

Die Zahl der Einreisen an ägyptischen Flughäfen Anfang der Woche sei im Vergleich zur Vorwoche um 40 Prozent zurückgegangen, sagt der Chef der Flughafengesellschaft, Gad al-Karim Nasr: Nur 3000 Ankünfte seien gezählt worden, gleichzeitig hätten 13.000 Urlauber überwiegend aus Deutschland und Italien das Land verlassen. Eine Sprecherin des Reisekonzerns TUI, Anja Braun, sagt, TUI habe alle Fahrten nach Ägypten bis zum 15. September abgesagt. Kunden sei eine kostenlose Umbuchung oder eine Rückerstattung des Reisepreises angeboten worden.

Fragen und Antworten zur Reise nach Ägypten

Was sagt das Auswärtige Amt?

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten entschärft. Es rät seit Ende September nicht mehr grundsätzlich von Reisen dorthin ab. Touristen sollten aber im ganzen Land – ausdrücklich auch in den Badeorten am Roten Meer – besonders vorsichtig sein, rät das Ministerium.

Von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nil-Kreuzfahrten) und in das Nildelta wird abgeraten. Auch in die anderen Gebiete wie die Touristen-Hochburgen am Roten Meer sollten Deutsche derzeit aber nicht fahren. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten sollten unbedingt gemieden werden.

Das Auswärtige Amt rät außerdem von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara eindringlich ab. Dies gilt insbesondere für die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan.

Kann ich meine Reise jetzt kostenlos stornieren?

Da unterscheiden sich die Meinungen. Zahlreiche Reiseveranstalter akzeptieren kostenlose Stornierungen nur bei einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, wie sie für den Nordsinai und das Grenzgebiet zu Israel gilt. Der Reiserechtler Paul Degott sagt aber, eine Kündigung sei immer in einer Situation höherer Gewalt möglich, wenn diese die Reise konkret betreffe und so zum Beispiel „der planmäßige Erholungsurlaub nicht mehr möglich ist“. Dies sei in Ägypten mittlerweile der Fall. Die Anbieter müssten bei Stornierung also den gesamten Reisepreis zurückzahlen. Bei vorzeitiger Abreise müsse vom Verbraucher nur der erbrachte Teil der Reise und die Rückreise bezahlt werden.

Wie reagieren die Anbieter in der aktuellen Situation?

Zahlreiche Anbieter haben ihre Reisen für die kommenden Wochen komplett abgesagt. Andere bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen, wollen aber keine Stornierungen akzeptieren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass Verbraucher eine Umbuchung durch ihren Reiseveranstalter nicht akzeptieren müssen.

Was sollten Touristen tun, die schon vor Ort sind?

Das Auswärtige Amt hält die Lage in den Touristenorten am Roten Meer noch für „ruhig“. Nach Angaben von TUI und Thomas Cook können Urlauber, die bereits in Ägypten sind, ihre Reise fortsetzen. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten und wie gebucht zurückfliegen. In Hurghada ist das Auswärtige Amt bereits durch einen Honorarkonsul vertreten, auch in andere Reiseorte soll Botschaftspersonal entsandt werden, das für Fragen zur Verfügung steht.

Hilft mir eine Reiserücktritt-Versicherung?

Selbst wer eine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen hat, ist bei Streit mit dem Reiseveranstalter nicht auf der sicheren Seite. Die Police schließt Ereignisse höherer Gewalt wie Anschläge oder Naturkatastrophen regelmäßig aus. Sie deckt nur persönliche Risiken ab, etwa eine schwere Krankheit oder der Tod eines Angehörigen vor Reiseantritt. Sollte der Anbieter eine kostenlose Stornierung verweigern und wollen Verbraucher dagegen vorgehen, wären sie also auf eine Rechtsschutz-Versicherung angewiesen.

Andere europäische Reiseunternehmen haben ähnlich entschieden. Der italienische Kreuzfahrtanbieter Costa Crociere hat für die bevorstehende Saison alle Reisen im Roten Meer gestrichen sowie alle Haltepunkte in Ägypten. „Ägypten ist das beliebteste Reiseziel der Italiener“, sagt der Direktor des Reiseveranstalters Veratour, Massimo Broccoli. „Selbstverständlich hat das wirtschaftliche Auswirkungen.“ Auch in Frankreich strichen Veranstalter bis auf weiteres Reisen nach Ägypten. In Moskau starten zwar weiterhin voll besetzte Maschinen Richtung Kairo oder Rotes Meer. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um Urlauber, die ihre Reise schon gebucht hatten und denen keine kostenlose Stornierung oder Umbuchung angeboten wurde.

Verhältnismäßig wenige der Urlauber, die sich derzeit in Ägypten befinden, wollen vorzeitig nach Hause gebracht werden: In den Tourismushochburgen am Roten Meer, in Hurghada oder Scharm-el-Scheich, ist es bisher ruhig geblieben. Tui habe individuelle Lösungen angeboten, sagte Braun. Insgesamt hätten aber weniger als hundert Kunden eine vorzeitige Abreise gewünscht. Reiseveranstalter aus Slowenien, Tschechien, Dänemark, Schweden und Norwegen flogen Hunderte Urlauber vorzeitig aus - oft gegen deren Protest.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

senfra@nefkom.net

25.08.2013, 14:16 Uhr

Man sieht was Salafisten zu Wege bringen.
Nun zieht man, wenn auch spät die Notbremse.
Bei uns werden sie gehegt, gepflegt, sind ein Teil der Gesellschaft. Werden mit Harz 4 gefüttert.

Wann wachen wir auf?

Wolfsfreund

25.08.2013, 14:26 Uhr

"Wann wachen wir auf?"
---
Wenn's zu spät ist? Wenn's den GrünInnen nach ginge, kämen ja noch viel mehr hierher, um uns zu "bereichern".

Was Ägypten angeht, wer will schon Urlaub machen in einem Land, in dem scharf geschossen wird und Frauen Freiwild für durchgeknallte Salafisten sind. Wer Abenteuerurlaub will, den zieht's eher in die Bergregionen des Hohen Nordens. Ist zwar auch gefährlich, aber kalkulierbar, und die Luft ist rein und frisch und nicht bleihaltig.

Account gelöscht!

25.08.2013, 14:34 Uhr

Einen Vorteil hat das Ganze: die durch massiven Tauchtourismus bis zur totalen Zerstörung geschädigten Riffe erhalten so die Möglichkeit, sich zu erholen.

Die ägypt. Politik hat wg der massiven Rifferzstörung in den vergangenen Jahren viel versprochen - aber wenig gehalten. Vlt bedarf es erst einer durch Unruhen ausgelösten touristischen Stille - und unsere Nachkommen können die Riffe in einigen Jahren dann wieder in einer Anmut und Vielfalt geniessen, von der heutige Ägyptentaucher nur noch zu träumen wagen...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×