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05.04.2012

20:56 Uhr

Angst vor Rezession

IWF warnt Portugal vor übertriebenem Sparkurs

Der IWF sorgt sich um das portugiesische Wachstum. Die Wirtschaft des Landes schrumpft dieses Jahr um drei Prozent. Im Falle einer anhaltenden Rezession solle Portugal seinen Sparkurs nicht verschärfen, riet der IWF.

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfond. Im Falle einer Rezession sei das vereinbarte Defizit möglicherweise nicht zielführend, deutete die Organisation an. Reuters

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfond. Im Falle einer Rezession sei das vereinbarte Defizit möglicherweise nicht zielführend, deutete die Organisation an.

LissabonBei einer unerwartet heftigen Rezession sollte Portugal nach Einschätzung des IWF den Sparkurs nicht noch weiter verschärfen. In diesem Fall sei die Verfolgung der mit EU und IWF vereinbarten Defizitziele möglicherweise nicht ratsam, warnte der Internationale Währungsfonds am Donnerstag. Der IWF ging zwar nicht so weit, eine Lockerung der Sparziele für das Land unter dem Rettungsschirm zu fordern. Die Experten zeigten sich jedoch besorgt über den Rückgang der Nachfrage aus dem Ausland sowie die wirtschaftlichen Folgen der Einsparungen. Die Geldgeber aus der EU hatten bislang eine strikte Einhaltung der Ziele gefordert.

Portugal steckt derzeit in der schwersten Rezession seit den 70-er Jahren. Sowohl die Regierung als auch die EU-Gläubiger gehen davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um mehr als drei Prozent schrumpfen wird und auch 2013 kaum wachsen wird. In dem IWF-Bericht zu Portugal heißt es weiter, dass die in diesem Jahr angepeilten Defizitziele grundsätzlich weiter erreichbar seien. Zudem sei das Rettungsprogramm im Gesamtvolumen von 78 Milliarden Euro ausreichend, weil sich das Land wie geplant voraussichtlich 2013 wieder voll auf dem Finanzmarkt finanzieren könne.

Der IWF hatte erst am Mittwoch die Auszahlung von mehr als fünf Milliarden Euro aus dem Rettungsprogramm für Portugal freigegeben und dem Land dabei Fortschritte bei Haushaltsreformen wie dem Umbau staatlicher Unternehmen attestiert.

Portugal war nach Griechenland und Irland das dritte Land, das in der europäischen Schuldenkrise internationale Finanzhilfe beantragen musste. Das Land soll seinen Finanzbedarf bis zum September 2013 mit Notkrediten in Höhe von 78 Milliarden Euro decken. Die Regierung in Lissabon beschloss im Gegenzug Sparmaßnahmen, die zu einem starken Rückgang der Wirtschaftskraft führten. Für 2012 wird mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 3,25 Prozent gerechnet, die Arbeitslosenquote liegt bei 14,5 Prozent.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

05.04.2012, 21:27 Uhr

Der ESM steckt in den Startlöchern und schon warnt man vor "übertriebenem Sparkurs". Wäre hätte es gedacht.

KHD

05.04.2012, 22:12 Uhr

Der Zickzackkurs des IWF zeigt die extreme Inkompetenz, die da zu Werke geht. Es erstaunt nur, dass es keine Stimmen in den Medien gibt, die diesen Unsinn thematisieren. Der Schaden wird zunehmend grösser. Weder Sparen noch das Einstellen der Sparbemühungen wird Portugal nutzen. Wachstum bekommt man nicht einfach so, weil IWF und Politiker das so wollen. Dazu braucht es Konsum und Investitionen im Inland und die gibt es nur wenn für den Konsum Geld verfügbar ist und sich Investitionen rechnen.

so-what

06.04.2012, 03:33 Uhr

Tja, Portugal war eifrigst bemüht, alle Forderungen zu erfüllen, hat gar sein Tafelsilber verscherbelt, tolle Fortschritte, nur Wachstum, wie gefordert, produziert sowas nicht, wie auch.
Tfelsilber ist weg,wie geht's weiter?

Das gesamte EURO Rettungspaket steht mit den angedachten Vorschriften auf tönernden Füßen, weil alles zu kurz gedacht ist.

Das wird uns alle noch große "Freude" machen.

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