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26.03.2011

17:26 Uhr

Angst vor Strahlung

Reedereien meiden japanische Häfen

Beim Kampf gegen die Strahlung setzt Japan auf Süßwasser-Importe. Die Bevölkerung ist aufgrund des Hin und Her in der Berichterstattung verunsichert. Internationale Reedereien reagieren - und stoppen den Frachtverkehr.

Blick auf den Hafen in Tokio: Mehrere große Reedereien haben ihren Frachtverkehr gestoppt. Quelle: dpa

Blick auf den Hafen in Tokio: Mehrere große Reedereien haben ihren Frachtverkehr gestoppt.

Washington/Hamburg/TokioDie Angst vor der Strahlenbelastung wächst: Internationale Reedereien vermeiden das Anlaufen der Häfen von Tokio und Yokohama. Wie die Zeitung „New York Times“ am Samstag berichtete, hätten mehrere große Reedereien den Frachtverkehr gestoppt oder eingeschränkt. Dagegen würden die von Fukushima weiter entfernten Häfen wie Osaka und Kobe weiterhin angelaufen.

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd bedient die Häfen Tokio, Yokohama und Nagoya bereits seit zehn Tagen nicht mehr, sie leitet den Verkehr nach Kobe um. Bis jetzt betrifft das rund ein Dutzend Schiffe. Bei den meisten ist das bereits so geschehen, bei anderen geplant. Das Unternehmen beobachtet nach eigenen Angaben die Situation in Japan kontinuierlich und entscheidet von Tag zu Tag, welche Häfen angelaufen werden.

Anders hat sich die Reederei Hamburg Süd entschieden, die weiterhin Tokio anläuft, das nächste Mal planmäßig am 1. April. Die japanische Containerreederei NYK stellt fest, dass alle Dienste nach den gewohnten Fahrplänen abgewickelt werden. Daran werde sich erst
etwas ändern, wenn offizielle Messwerte etwas anderes nahelegen.

Die „NYT“ berichtete weiter, chinesische Häfen würden Strahlentests für Schiffe aus Japan verlangen. Zuvor seien an einem Schiff, das in weniger als 120 Kilometer Entfernung Fukushima passiert habe, eine erhöhte Strahlenbelastungen gemessen worden. Das Schiff sei unter Quarantäne gestellt worden. Auch im kalifornischen Hafen von Long Beach habe die US-Küstenwache ein erstes Schiff aus Japan überprüft.

Indes hat die radioaktive Verseuchung des Meerwassers vor dem japanischen Katastrophen-Kraftwerk Fukushima neue Höchstwerte erreicht. Untersuchungen ergaben eine um das 1.250-fache erhöhte Belastung durch radioaktives Jod. Dies teilte die japanische Atomaufsicht am Samstag mit. Zugleich versuchte die Behörde, die wachsenden Sorgen der Menschen zu dämpfen: Die Verstrahlung stelle nur ein geringes Risiko für das Leben im Ozean dar, hieß es. Durch die Meeresströmung würden die strahlenden Partikel weggeschwemmt und verdünnt, bevor Fische und Algen sie aufnehmen könnten. Dennoch dürften die Messergebnisse Ängste in Japan und darüber hinaus schüren – vor radioaktiv verseuchten Lebensmitteln und unkontrollierbaren Folgen der Atomkraft generell. Zwei Wochen nach dem Unfall durch Erdbeben und Tsunami ist Japans schwerbeschädigtes AKW noch weitgehend außer Kontrolle. Am Samstag versuchten Ingenieure, radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Atomkomplex abzupumpen.

Verstrahltes Wasser wurde in drei der sechs Reaktoren gefunden. Das Wasser müsse unbedingt aus den Turbinengehäusen entfernt werden, bevor die Radioaktivität noch weiter steige, teilte die Atomaufsicht mit. Man suche nach Wegen, um das kontaminierte Wasser sicher zu bergen und dabei nicht die Umwelt zu verschmutzen. Temperatur und Druck hätten sich in allen Reaktoren stabilisiert.  

Das Hin und Her in der Berichterstattung geht auch heute weiter: Wie die Atomaufsicht heute betonte, gebe es keine Hinweise auf Risse am Reaktor drei. Dies hatte sie am Vortag noch als möglich bezeichnet. Der Verdacht kam der Atomaufsichtsbehörde NISA zufolge auf, als drei Arbeiter, die sich um die Kühlung des heißgelaufenen Reaktors bemühten, Hautverbrennungen erlitten. Diese waren mit Wasser in Berührung gekommen, dessen Radioaktivität 10.000 mal höher war als sonst in der Anlage üblich. Sollte tatsächlich der Reaktorkern betroffen sein, könnte die Radioaktivität in der Umgebung des Kraftwerks deutlich ansteigen. Die wahrscheinlichste Folge wäre eine Kontamination des Grundwassers. Nun hat die Behörde erklärt, die erhöhte Radioaktivität im Inneren von Reaktor drei könne auch auf die Kühlungsarbeiten oder auf Lecks in Rohren oder Ventilen zurückgeführt werden. 

Verstrahltes Meerwasser

Video-News: Verstrahltes Meerwasser

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Reaktor drei ist der einzige der Fukushima-Reaktor, der auch das besonders giftige Plutonium als Brennstoff verwendet. Nicht zuletzt deshalb macht dieser Reaktor den Behörden besonders große Sorgen. Insgesamt scheint die Lage in vier der sechs Reaktorblöcken weiter außer Kontrolle. Immer wieder steigt Dampf und Rauch auf. Allein zwei der Reaktoren gelten als sicher. Die havarierte Nuklearanlage liegt 240 Kilometer nördlich der japanischen Hauptstadt Tokio. Im Großraum dieser Metropole leben rund 35 Millionen Menschen.

Die japanische Regierung betonte unterdessen, dass sich die Lage in Fukushima nicht verschlechtere. Allerdings sei weiterhin höchste Wachsamkeit nötig, sagte ein Regierungssprecher am Samstag. Ministerpräsident Naoto Kan räumte am Vortag ein, die Krise sei noch längst nicht bewältigt. Mehr als 700 Techniker arbeiten im Schichtdienst daran, das Kraftwerk zu stabilisieren und die Kühlanlagen der Reaktoren wieder in Gang zu setzen – und so eine Kernschmelze mit verheerenden Folgen zu verhindern.

Als eine Reaktion auf Fukushima wollen die EU-Staaten künftig nicht nur Kernkraftwerke in der Union überprüfen, sondern auch Reaktoren der Nachbarstaaten der Gemeinschaft. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon stellte sich hinter Forderungen, weltweit die Reaktorsicherheit unter die Lupe zu nehmen.

Kommentare (11)

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26.03.2011, 10:24 Uhr

Das ist ja beinahe so überraschend wie der Rauch von einer Verbrennung .
Natürlich ist bereits eine Kernschmelze eingetreten , und das nicht nur in einem Reaktor.
Es dürfte so sicher wie das Amen in der Kirche sein , das es bei allen Anlagen bei denen die "Normale"Kühlung ausgefallen ist eine solche Unkontrollierbare Kernschmelze stattfinden wird !
Wer was anderes sagt ist ein Blender .
Aber Japan kann damit umgehen (Im Gegensatz zu Deutschland )
Das beweisen uns die Bilder von Nagasaki und Hiroschima aus den vergangenen 50 Jahren .

Account gelöscht!

26.03.2011, 10:31 Uhr

http://www.rihga.com/hiroshima/images/img_hiroshima01.jpg

Account gelöscht!

26.03.2011, 11:38 Uhr

Ja, das kann man an dem Bild erkennen , das Sie verlinkt hat. Wer soviel Energie verschwendet, alleine für Reklame, der hat natürlich Schwierigkeiten ohne AKW`s auszukommen.

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