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28.07.2014

14:00 Uhr

Anhaltende Gefahr

Deutschland zieht Diplomaten aus Libyen ab

Die USA haben es vorgemacht: Wegen ständiger Kämpfe und der Gefahr von Entführungen bringt auch das deutsche Auswärtige Amt seine Diplomaten in Libyen in Sicherheit. Andere Länder ziehen nach.

Libyen kommt nicht zur Ruhe: Offenbar ist die Lage inzwischen so gefährlich, dass das Auswärtige Amt seine Mitarbeiter aus dem Land evakuiert. dpa

Libyen kommt nicht zur Ruhe: Offenbar ist die Lage inzwischen so gefährlich, dass das Auswärtige Amt seine Mitarbeiter aus dem Land evakuiert.

BerlinNach der Eskalation der Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen in Libyen verlassen die meisten Ausländer das nordafrikanische Land. Nachdem am Wochenende die USA ihre Botschaftsmitarbeiter aus der Hauptstadt Tripolis gebracht hatten, ziehen nun immer mehr europäische Länder nach. Inzwischen hat auch das Auswärtige Amt in Berlin seine Diplomaten aus der Botschaft in Tripolis abgezogen. Neben Deutschland riefen unter anderem Frankreich, Spanien, Großbritannien, Polen und die Niederlande ihre Staatsbürger zur sofortigen Ausreise auf.

„Wir haben evakuiert“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. Die deutsche Botschaft sei jedoch nicht geschlossen worden. Mehrere Ortskräfte sind dort nach wie vor tätig. Das Außenministerium wollte keine Auskunft darüber geben, wie viele deutsche Diplomaten außer Landes gebracht wurden und auf welchem Weg dies geschah. Die Botschaft war seit längerem nur noch spärlich besetzt. Wegen der Kämpfe und der Gefahr von Entführungen hatte das Auswärtige Amt schon am Wochenende alle Deutschen aufgerufen, Libyen sofort zu verlassen.

Das französische Außenministerium in Paris teilte mit, wer noch in Libyen sei, solle so schnell wie möglich Kontakt zur Botschaft in Tripolis aufnehmen. Als Grund für den Ausreiseaufruf wurde die Verschlechterung der Sicherheitslage genannt. Das polnische Außenministerium erklärte, wegen der angespannten Sicherheitslage solle Libyen bis zur Normalisierung der Lage gemieden werden.

Libyen nach Gaddafi

20. Oktober 2011

Gaddafi wird in Sirte von Rebellen getötet.

27. Oktober

Die Vereinten Nationen beschließen das Ende des Militäreinsatzes; die Luftangriffe werden zum Monatsende beendet.

31. Oktober

Abdel Rahim al-Kib wird Chef der Übergangsregierung. Der Geschäftsmann löst Mahmud Dschibril ab, der zurückgetreten war.

3. November

Die Nato fordert von Libyens Regierung, im Land kursierende Waffen unter Kontrolle zu bringen. Im Bürgerkrieg kamen Tausende Waffen wie Boden-Luft-Raketen in die Hände von Milizen. 11. November: Rivalisierende Rebellengruppen liefern sich heftige Kämpfe um einen Militärstützpunkt westlich der Hauptstadt Tripolis.

11. November

Rivalisierende Rebellengruppen liefern sich heftige Kämpfe um einen Militärstützpunkt westlich der Hauptstadt Tripolis.

19. November

Gaddafis mit internatonalem Haftbefehl gesuchter Sohn Saif al-Islam wird im Süden des Landes festgenommen.

22. November

Al-Kib vergibt die Schlüsselressorts wie Verteidigung und Inneres an ehemalige Rebellenkommandeure. Die Übergangsregierung soll den demokratischen Aufbau in Libyen in Angriff nehmen.

6. Dezember

Die Übergangregierung setzt nach Gesprächen mit Regionalpolitikern eine Frist für die Entwaffnung der Rebellen in Tripolis. Bis Jahresende soll die Hauptstadt frei von Waffen sein.

17. Dezember

Der UN-Sicherheitsrat hebt die Sanktionen gegen die libysche Banken auf. Damit können seit dem Februar blockierte Auslands-Milliarden des Gaddafi-Regimes ins Land zurückfließen.

3. Januar 2012

Bei einem Gefecht zwischen Angehörigen verschiedener Revolutionstruppen in Tripolis kommen sechs Kämpfer ums Leben.

8. Januar

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagt in Tripolis weitere Wiederaufbauhilfe zu. Das Auswärtige Amt hat bereits acht Millionen Euro humanitäre Soforthilfe und einen Kredit von 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

23. Januar

Gaddafi-Anhänger erobern Bani Walid zurück. Bei der Erstürmung der Wüstenstadt sollen mindestens fünf Menschen getötet worden sein.

Situation heute

Libyen kommt nicht zur Ruhe: Auch rund 100 Tage nach dem Tod des Diktators Muammar al-Gaddafi wird noch geschossen. Kämpfe von Rebellen untereinander oder gegen Anhänger des alten Regimes behindern den Wiederaufbau des zerstörten Landes.

Thailand ordnete am Montag an, insgesamt 1500 Staatsbürger aus Libyen in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben des Staatsfernsehens sollten sie zunächst nach Tunesien ausreisen und dann in einem gecharterten Flugzeug nach Thailand zurückgeholt werden.

Die Regierung in Rom hat in den vergangenen Tagen bereits mehr als 100 Italiener auf dem Landweg aus Libyen in Sicherheit bringen lassen. Mit Konvois seien jene Italiener, die wegen der gefährlichen Entwicklung in Libyen das Land verlassen wollten, in das benachbarte Tunesien gefahren worden, teilte das Außenministerium mit. Sie kehrten dann per Flugzeug nach Italien zurück. Auf Bitten mehrerer Regierungen hin habe Italien sich auch um den Transfer von Personen anderer Nationalitäten gekümmert, heißt es ohne nähere Einzelheiten.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

28.07.2014, 19:58 Uhr

Diplomaten verschwinden? Ich denke Sie sollen für Deutsche Bürger da sein. So sieht also die Betreuung durch unsere Diplomaten aus. Wofür bezahlen unsere Politiker diese Leute???

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