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08.06.2017

01:19 Uhr

Anhörung wird zum nationalen Phänomen

Die große Comey-Show

VonAxel Postinett

Das hat es noch nie gegeben. Eine Anhörung vor einem Senatsausschuss wird zum nationalen Medienphänomen mit Public-Viewing. Amerika fiebert der „James-Comey-Show“ entgegen.

Die Anhörung des früheren FBI-Director James Comey wird mit Spannung erwartet. AFP

Krimi in Washington

Die Anhörung des früheren FBI-Director James Comey wird mit Spannung erwartet.

San FranciscoGanz Amerika ist im Comey-Fieber. Nicht nur die notorischen TV-Kabel-Nachrichtensender wie CNN werden am heutigen Donnerstag ab zehn Uhr New Yorker Zeit (16 Uhr MESZ) die Anhörung des früheren FBI-Chefs James Comey live übertragen. Auch die großen Publikumssender wie ABC, CBS, NBC oder Fox unterbrechen ihre Frühstücksprogramme.

Statt „Good Morning America“ gibt es „Good Morning Mr. Comey“. Dabei wird sogar teilweise ganz auf Werbeeinblendungen verzichtet. Das könnte das größte TV-Event neben dem Superbowl mit 120 Millionen Zuschauern werden.

In vielen Bars oder Pubs, vornehmlich an der Ostküste der USA, werden zudem Überstunden geschoben, ganz wie bei großen Sportevents. So wie im Union Pub in Washington, der um 9.30 Uhr öffnet und alle Bildschirme für die Anhörung einschalten will - mit nur einer Ausnahme: Ein Bildschirm zeigt den Twitter-Account von Donald Trump. Denn jedes Mal wenn Trump zu der Anhörung twittert, gibt es eine Lokalrunde aufs Haus.

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In Shaw’s Taverne in Washington wiederum gibt es ab 9.30 Uhr russischen Wodka für fünf Dollar das Glas und ein FBI-Sandwich für zehn Dollar. Rob Heim, Manager des Shaw’s, erklärte gegenüber CBS News: „Wir haben Partys zu TV-Debatten und zur Wahlnacht, aber das ist das erste Mal, dass wir eine Kongressanhörung übertragen“.

Im Duffy’s gibt es zur Feier des Tages einen „Cofveve“-Cocktail, in Anlehnung an einen Tippfehler Trumps in einem seiner Tweets, und auch freies WLAN damit alle so tun können, als würden sie arbeiten, während sie in der Bar den Politthriller des Jahres verfolgen.

Das plötzliche Interesse der Öffentlichkeit an den üblicherweise knochentrockenen Kongress-Anhörungen ist ungewöhnlich. Seit 1973, als in einem sogenannten „Hearing“ zur Watergate-Affäre urplötzlich Präsident Richard Nixon in den Mittelpunkt rückte, hat es keine Anhörung gegeben, die im Vorfeld einen ähnlich großen Wirbel erzeugt hat.

Dabei geht es im Prinzip um zwei große Themenstränge: Die Öffentlichkeit erwartet Aussagen zu den Russland-Ermittlungen gegen das Trump-Wahlkampfteam. Und zu den Vorwürfen, Trump habe vom damaligen FBI-Chef gefordert, die Ermittlungen gegen den gefeuerten Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Letzteres könnte als Behinderung der Justiz ausgelegt werden, etwas, das Richard Nixon 1973 zum Verhängnis wurde. Denn wer „Justizbehinderung“ sagt, sagt auch „Impeachment“: Amtsenthebung.

Ex-FBI-Chef vs. US-Präsident: Comey belastet Trump schwer

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Comey belastet Trump schwer

Ex-FBI-Direktor Comey hat seine Vorwürfe gegen den US-Präsidenten kurz vor seiner Anhörung bekräftigt: Trump habe Einfluss auf die Ermittlungen gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Flynn nehmen wollen.

Am Mittwochnachmittag wurde die Spannung weiter angeheizt, als der Senat das Eröffnungsstatement von Comey veröffentlichte. Darin betätigte Comey die versuchte Einflussnahme auf die Ermittlungen gegen Flynn. Trump habe ihn bei einem Treffen im Weißen Haus am 14. Februar gebeten, die Sache fallenzulassen. Zeugen dafür gibt es keine, Trump habe vorher alle anderen aus dem Raum geschickt.

Comey räumt aber auch ein, er habe Trump bestätigt, das FBI ermittle nicht persönlich gegen Trump. Der Bitte, das auch öffentlich zu verkünden, kam er wiederum nicht nach. Zum Teil, weil es im Fall von späteren Ermittlungen sonst öffentlichen Korrekturbedarf gegeben hätte.

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