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22.01.2010

12:12 Uhr

Ankündigung der Tories

Auch Großbritanniens Banken droht Zerschlagung

VonMichael Maisch

Nicht nur in New York, auch in London könnte den Banken bald Ärger ins Haus stehen. Spätestens bis Juni muss in Großbritannien ein neues Parlament gewählt werden, und anders als die Labour-Regierung von Premierminister Gordon Brown lässt die als Favorit ins Rennen gehende konservative Opposition eindeutige Sympathien für die radikalen Reformpläne von US-Präsident Barack Obama erkennen.

George Osborne der Finanzexperte der Tories kündigte bereits ähnlich drastische Einschnitte für die Finanzindustrie an, sollte seine Partei tatsächlich gewählt werden. Am Londoner Aktienmarkt gerieten die Banken nach Osbornes Aussagen erneut unter Verkaufsdruck. Der Kurs von Barclays sackte im frühen Handel noch einmal um 3,9 Prozent ab. Die Anteile der Royal Bank of Scotland brachen sogar um sechs Prozent ein. Aber auch Europaweit standen Finanzwerte auf der Verliererseite. US-Präsident Obama hatte sich am Donnerstag nach langem Zögern hinter einen Vorschlag des früheren Notenbankchefs Paul Volcker gestellt, nach dem das klassische Kundengeschäft vom Investmentbanking getrennt werden soll. Obama will de facto risikoreiche Geschäfte der Banken verbieten. Auf der Verbotsliste steht der Wertpapierhandel auf eigene Rechnung sowie das Betreiben von hauseigenen Hedge-Fonds und Beteiligungsgesellschaften. „Sollte Obama seine Reform durchbringen, würde das den Gewinnen der Banken heftig zusetzen“, warnte ein Händler.

Londoner Großinvestoren gingen mit den Obama-Plänen hart ins Gericht: „Ein Angriff auf das Herz der Wall Street kann nicht die Lösung sein, und wird künftige Krisen nicht verhindern“, meint Tim Roberts von der Fondsgesellschaft Cavendish Asset Management. „Der Vorstoß der USA läuft de facto auf einen Komplettumbau der Finanzindustrie hinaus, und das wird in der ohnehin angeschlagenen Branche für enorme Unsicherheit sorgen“, warnen die Analysten der Royal Bank of Scotland.

Aber es gibt auch Spieler in der Finanzindustrie, die sich über die radikalen Reformpläne der USA zu freuen scheinen, zum Beispiel die Hedge-Fonds. Antonio Borges, Chef des Londoner Lobbyverbandes Hedge Fund Standards Board begrüßte den Vorstoß der Amerikaner: „Hedge-Fonds bieten Investoren, die sich bewusst dafür entscheiden riskante Handelsstrategien, bei Banken ist das eine ganz andere Sache, sie setzen im Eigenhandel die Einlagen ihrer Kunden aufs Spiel“, betonte Borges. Die Banken hatten mit ihren Eigenhandelsabteilungen den Hedge-Fonds vor allem in den Boomjahren vor Ausbruch der Finanzkrise heftig Konkurrenz gemacht.

Am kommenden Montag findet in London eine Konferenz der G-7 Staaten mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds statt. Dabei soll es um eine bessere internationale Koordinierung der nationalen Maßnahmen zur Reform der Finanzmärkte gehen. Die G-20 Staaten hatten bei Ihrem Gipfel im Herbst in Pittsburgh den IIWF damit beauftragt Vorschläge zu entwickeln, wie die Banken an den Kosten für die Rettung des Finanzsystems beteiligt werden können. Beim nächsten Treffen des Fonds im April in Washington sollen diese Vorschläge präsentiert werden.

„Die Agenda des Londoner Treffens ist ergebnisoffen“, hieß es gestern aus Kreisen der Labour-Regierung. Allerdings hat Premierminister Brown bereits mehrfach klar gemacht, dass er von einer Aufspaltung der Großbanken wenig hält. Brown setzt vielmehr auf Regeln die sicherstellen sollen, dass die Banken die Spargelder ihrer Kunden nicht für riskante Geschäfte wie den Wertpapierhandel auf eigene Rechnung aufs Spiel setzen. Nur Institute, die diese Bedingung nicht erfüllen können, sollen zu einer Restrukturierung gezwungen werden.

Auch eine Sondersteuer für Banken, wie sie von der US-Regierung Anfang des Jahres verhängt wurde, lehnen die Briten bislang ab. Dafür hat Brown zuletzt eine Art Zwangsversicherung für Großbanken ins Spiel gebracht, die einspringen soll, falls die Pleite eines großen Geldhauses droht.

Kommentare (2)

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Denkerist

22.01.2010, 20:13 Uhr

Die Macht der banken zu brechen ist die einzige Möglichkeit, die Marktwirtschaft zu retten. Aber es ist sehr fraglich, ob es gelingen wird.
ihr Einfluß ist viel zu groß geworden.

Widerstand10

22.01.2010, 20:52 Uhr

Die Ratenzahlungschwemme der Verführer in Deutschland wird viele Kunden in den Ruin treiben. Kunden
die einen der supergünstigen Kredite in Anspruch nehmen, gehören dann schon zu Hälfte einer bank.Gibt es Zahlungsverzögerungen haben sie ihre Freiheit ganz verloren. Dem Staat geht es nicht anders, er
gehört auf Grund der Verschuldung den Kapitalgebern.
Das sollte man nicht übersehen. Auch Obama wird einsehen müssen, dass es eine Weltregierung gibt und
die nennt sich Kapital. Diese Leute brauchen kein
Nationalstaat keine Heimat ihnen gehört dieser Planet. Sie sind nicht interessiert ob ein Land
sozial eingestellt ist ,sie fragen.. was kann ich aus diesen Land rausholen.Die einzige Möglichkeit
das zu ändern, ist die banken zu verstaatlichen.

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