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03.01.2011

14:27 Uhr

Anleihekäufe

China greift auch Spanien unter die Arme

China setzt seine Einkaufstour in den schuldengeplagten Ländern der Euro-Zone fort. Geplant ist der weitere Kauf spanischer Staatsanleihen. Peking sei bereit, alle denkbaren Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu prüfen, schrieb der chinesische Vize-Ministerpräsident Li Keqiang vor seinem Spanien-Besuch in der Zeitung "El País".

Spaniens Premierminister Zapatero: China hilft - und will Staatsanleihen kaufen dpa

Spaniens Premierminister Zapatero: China hilft - und will Staatsanleihen kaufen

HB MADRID. China hat dem schuldengeplagten Spanien seine Unterstützung zugesagt. Die Reformpläne der Madrider Regierung würden positiv bewertet, so Li Keqiang in seinem Beitrag für "El País". Man werde deshalb auch weiterhin in spanische Staatsanleihen investieren. "Wir haben Vertrauen in Spaniens Finanzmarkt", betonte Li, der am Dienstag in Madrid erwartet wird. Bei dem Besuch sollen diverse Wirtschaftsabkommen unterzeichnet werden.

China hat in den vergangenen Jahren massiv ausländische Staatsanleihen aufgekauft und ist auch aus diesem Grund immer einflussreicher geworden. Peking hatte im vergangenen Jahr bereits den kriselnden EU-Staaten Griechenland und Portugal finanziellen Beistand zugesagt. Einem Zeitungsbericht zufolge ist die Volksrepublik bereit, portugiesische Anleihen im Volumen von vier bis fünf Milliarden Euro zu kaufen. Beide Regierungen hätten eine Einigung erzielt, wonach China die Papiere im ersten Quartal bei Auktionen oder am Sekundärmarkt erwerben wolle, berichtete die Zeitung "Jornal de Negocios" kurz vor Weihnachten, ohne Quellen zu nennen.

Hinter der Europafreundlichkeit der Chinesen steckt freilich Kalkül - und Eigeninteresse. Chinas Außenhandel wirft Monat für Monat Überschüsse in Milliardenhöhe ab. Derzeit verfügt das Land über Fremdwährungsreserven im Wert von rund 2,6 Billionen Dollar, für die Peking dringend Anlagemöglichkeiten sucht. Ein nicht bezifferter Anteil davon ist in Euro-Anlagen investiert. Um den Wert dieser Anleihen zu sichern, hatte China wiederholt seine Unterstützung für die Euro-Zone bekräftigt.

An einer Krise in Europa kann den Chinesen auch deshalb nicht gelegen sein, weil die EU ihr wichtigster Handelspartner ist. Das bilaterale Volumen lag in den ersten elf Monaten 2010 um ein Drittel über dem Vorjahresniveau bei 330 Milliarden Euro. Das Defizit Europas bei den gehandelten Waren ist jedoch enorm; 2009 lag es bei rund 133 Milliarden Euro.

Der zweite und in den Augen von Landeskennern wohl ähnlich wichtige Grund für das Bemühen um Stabilität in der EU-Wirtschaft besteht darin, dass sich Peking durch Investitionen offenbar Rückendeckung aus Europa verschaffen will, wenn es darum geht, seine Politik des billigen Yuan zu sichern. Darüber gibt es seit geraumer Zeit massiven Streit auf internationaler Ebene. Vor allem den USA ist Chinas Währungspolitik ein Dorn im Auge, verbilligt sie doch chinesische Produkte auf dem Weltmarkt.

Kommentare (1)

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China ante Porta oder in Porta?

04.01.2011, 07:15 Uhr

ich bin überzeugt dass die meisten europäische Regierungschefs erkannt haben dass bei der Euroeinführung Fehler gemacht wurden, sie wissen aber auch dass ein Aufgeben des EURO jetzt ein noch größerer Fehler wäre. Es wurde, nicht zuletzt wegen der Wiedervereinigung, zu schnell gehandelt. Die heutige Regeln degradieren die Peripherieländer zu billiglohnländer. Das Großkapital landet hauptsächlich in Deutschland und auch, aber weniger, in Frankreich.
Sinnvoll wäre jetzt die EU-Regeln so zu ändern, dass auch die Wirtschaftsschwache Länder eine Chance haben eine Wettbewerbsfähige Wirtschaft zu entwickeln.
Dies wäre auch im interesse Deutschland und der europäischen integration.
Auch der Gerechtigkeitswegen und um die Gefahr einer Einflussnahme nicht-europäischer Wirtschaftsnationen zu vermeiden ist es jetzt unerlässlich und dringend.
Das größte Hindernis dazu ist der immer stärker werdender National-Egoismus. besonders in Deutschland, wegen der prekären Lage der Koalition, wird uns aber den Mut dazu fehlen.

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