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25.10.2011

15:46 Uhr

Anleihekäufe

EZB-Spitzenbanker fordert "Bazooka"

EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi will die Euro-Schuldenkrise mit der größtmöglichen finanziellen Feuerkraft löschen. Derzeit ringen die EU-Staaten noch um eine gemeinsame Position zu Anleihekäufen der EZB.

EZB-Direktoriumsmitglied Bini Smaghi. Reuters

EZB-Direktoriumsmitglied Bini Smaghi.

Frankfurt / BerlinEZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hat im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise große finanzielle „Feuerkraft“ gefordert. Der beste Weg mit einer Ansteckungsgefahr umzugehen, sei es, schnell mit enormer Feuerkraft zu handeln - notwendig sei eine Abwehrwaffe, eine „Bazooka“, sagte Bini Smaghi laut einem am Dienstag veröffentlichten Redemanuskript. Das bedeute aber auch den Einsatz von Steuergeldern.

Die Instrumente der EZB

Veränderung des Leitzinses

Mit der Veränderung des Leitzinses reagiert die EZB in erster Linie auf die Inflation im Euro-Raum. Steigen die Preise deutlich, zieht die Notenbank die geldpolitischen Zügel in der Regel an. Höhere Zinsen verteuern aber auch Kredite. Daher können sie Gift sein für die lahmende Wirtschaft von Krisenländern wie Griechenland oder Portugal. Die EZB muss also die Inflation bekämpfen, ohne die Konjunktur in den 17 Mitgliedstaaten des Euro-Raums abzuwürgen. Die Zinspolitik ist normalerweise das herausragende Instrument der Notenbank. In Krisenzeiten greift sie aber auch zu unkonventionellen Maßnahmen.

Ankauf von Wertpapieren

Nach dem Ausbruch der Euro-Schuldenkrise 2010 hat die EZB die Notenpresse angeworfen, um im großen Stil Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen. Die Währungshüter reagieren damit auf steigende Renditen für Anleihen der Schuldensünder. Für Portugal, Irland, Griechenland und zuletzt auch für Spanien und Italien war es dadurch teurer geworden, sich frisches Geld zu besorgen. Nach dem Einschreiten der EZB sanken die Renditen. Die Notenbank hat derzeit Anleihen von Problemstaaten im Volumen von 156,5 Milliarden Euro in ihren Büchern stehen, die sie auf dem sogenannten Sekundärmarkt gekauft hat, also beispielsweise bei Banken. Die EZB lässt sich ihr Engagement verzinsen. Gehen die Länder pleite, bleibt sie aber zumindest auf Teilen ihrer Forderungen sitzen.

Liquidität

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor drei Jahren versorgt die EZB die Banken großzügiger mit Geld als sonst. Sie stellt ihnen Kredite mit verschiedenen Laufzeiten zur Verfügung. Zuletzt drehte die EZB den Geldhahn wieder weit auf, weil die Kreditinstitute zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen. Banken konnten sich für sechs Monate zum Leitzins von 1,5 Prozent so viel Geld borgen wie sie wollten (Vollzuteilung). In „normalen Zeiten“ sind die Laufzeiten kürzer und es wird nur eine festgelegte Summe versteigert. Daneben vergibt die EZB Darlehen mit kürzerer Laufzeit und mit begrenzter oder voller Zuteilung. Kritiker werfen der Notenbank vor, den Markt mit Geld zu fluten und damit neuen Finanzspekulationen Vorschub zu leisten.

Intervention an Devisenmärkten

Starken Wechselkursschwankungen können die Notenbanken mit dem Kauf oder Verkauf von Devisen begegnen. Die EZB setzte dieses Instrument im Jahr 2000 ein, als der Euro gegenüber dem Dollar einen Schwächeanfall erlitt. Im Kampf gegen einen zu starken Franken, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie belastet, hatte die Schweizer Nationalbank SNB erstmals seit mehr als 30 Jahren eine Obergrenze für den Frankenkurs eingeführt, die sie unter allen Umständen verteidigen will, indem sie Franken auf den Markt wirft und damit Euro kauft. Bei massiven Attacken gegen eine Währung können allerdings auch Notenbanken in die Defensive geraten. So wettete der legendäre Hedge-Fonds-Gründer George Soros im Jahr 1992 erfolgreich gegen das britische Pfund und zwang die Bank of England in die Knie.

Kommunikation

EZB-Präsident Mario Draghi ist äußerste Aufmerksamkeit gewiss, wann immer er sich äußert. Manchmal reicht schon die Andeutung, dass die Notenbank aktiv werden könnte, um Spekulationen beispielsweise auf den Devisenmärkten zu beenden. Zugleich ist die EZB bemüht, die Märkte mit ihren Zinsentscheidungen nicht unnötig zu überraschen. Die EZB will - zumindest für Finanzprofis - berechenbar bleiben, damit nicht starke Wechselkurs- oder Aktienkursschwankungen das Vertrauen der Bürger in die Gemeinschaftswährung Euro erschüttern.

Zugleich kritisierte er die geplante Beteiligung privater Investoren an der Griechenland-Rettung. Die finanzielle Beteiligung der Banken durch einen freiwilligen Schuldenschnitt gefalle möglicherweise Wählern, werde den Steuerzahler aber mehr kosten, warnte Bini Smaghi bei einer nicht öffentlichen Veranstaltung in der vergangenen Woche in Frankfurt.

Bini Smaghi selbst steht derzeit unter Druck. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi forderte kürzlich, sein Landsmann solle seinen Posten im EZB-Direktorium freiwillig zugunsten eines Franzosen aufgeben. Mit dem Führungswechsel an der EZB-Spitze Ende des Monats wird der Italiener Mario Draghi auf den Franzosen Jean-Claude Trichet als EZB-Präsident folgen. Dann sitzen nach jetzigem Stand zwei Italiener im Direktorium, während Frankreich nach dem Ausscheiden von Trichet nicht mehr vertreten ist.


Kommentare (2)

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Account gelöscht!

25.10.2011, 15:51 Uhr

Die Italiener sollen mal ihre Staatsfinanzen in Ordnung bringen! Alternativ könnte Deutschland seine Staatsverschuldung auch sehr schnell auf 120% heben und mit dem Kapital die Infrastruktur vor dem fälligen Crash in Ordnung bringen!

Arminius

25.10.2011, 16:47 Uhr

Mag schon sein dass der Herr Bini Smaghi recht hat.
Es wäre auf jeden Fall besser als das was wir vom Merkel-Sarkozy-tandem, beide ohne Überblick und nur nach Bauchgefühl handelnd, angeboten bekommen.

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