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10.06.2013

07:19 Uhr

Annäherungsversuch

Kim Jong Un billigt Gespräche mit Südkorea

Nach seinem Atomtest reagierte Nordkorea auf einen neuen UN-Sanktionsbeschluss mit Kriegsdrohungen. Die Lage galt als extrem angespannt. Doch nun stimmt das Regime in Pjöngjang hochrangigen Entspannungsgesprächen zu.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat genug vom Säbelrasseln. ap

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat genug vom Säbelrasseln.

SeoulNach den heftigen Spannungen in den vergangenen Monaten haben sich Süd- und Nordkorea auf Annäherungsgespräche zwischen hochrangigen Regierungsvertretern geeinigt. Das Treffen werde am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche in Seoul stattfinden, teilte des südkoreanische Vereinigungsministerium am Montag mit. Es soll unter anderem um die Normalisierung gemeinsamer Wirtschaftsprojekte und humanitäre Fragen gehen. Auf das Treffen einigten sich beide Länder nach 17-stündigen Marathonverhandlungen auf Arbeitsebene im Grenzort Panmunjom.

Unklar war jedoch zunächst noch, wen Nordkorea schicken werde, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Seoul werde voraussichtlich durch Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae vertreten sein. Südkorea hatte ursprünglich Gespräche auf Ministerebene vorgeschlagen. Die bisher letzten Gespräche zwischen Ministern beider Länder liegen schon sechs Jahre zurück.

Auch habe es Differenzen bei der Abstimmung der spezifischen Themen für das hochrangige Treffen gegeben, sagte die Sprecherin in Seoul. Die nordkoreanische Seite wolle unter anderem auch gemeinsame Feierlichkeiten zum Jahrestag der Erklärung des ersten Gipfeltreffens zwischen beiden Staaten am 15. Juni 2000 in Pjöngjang besprechen. „Weitere Einzelheiten sollen vor dem Treffen am Mittwoch noch ausgehandelt werden.“

Nach Angaben von KCNA soll es bei den Gesprächen vor allem um die Zukunft von Kaesong gehen. Der Norden hatte die in seinem Staatsgebiet liegende Sonderwirtschaftszone im April geschlossen und die 53.000 südkoreanischen Manager und Arbeiter ausgewiesen. In dem Industriekomplex nahe der Grenze zum Süden sind seit dem Jahr 2004 mehr als 120 südkoreanische Firmen angesiedelt. Der Komplex ist eine wichtige Devisen-Einnahmequelle für das verarmte Nordkorea.

Weitere Themen der Gespräche in Seoul sollen laut Berichten der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA die Wiedervereinigung von im Krieg getrennten Familien sowie die Wiederaufnahme von Reisen südkoreanischer Touristen ins Kumgang-Gebirge sein. Südkoreaner meiden das auch als Diamantgebirge bekannte Ziel, seit dort Mitte 2008 ein südkoreanischer Tourist von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen wurde.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Das kommunistische Regime in Pjöngjang war am Donnerstag überraschend auf Südkoreas Forderung nach offiziellen Gesprächen eingegangen. Beide Länder hatten erklärt, über die Normalisierung gemeinsamer Wirtschaftsprojekte einschließlich des grenznahen Industrieparks im nordkoreanischen Kaesong sprechen zu wollen. Dort steht der Betrieb seit zwei Monaten still. Auch neue Treffen zwischen getrennt lebenden Angehörigen koreanischer Familien sollen erörtert werden.

Nach dem dritten nordkoreanischen Nukleartest im Februar hatte sich der Streit um das nordkoreanische Atomprogramm zugespitzt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und gemeinsamer Militärübungen Südkoreas und der USA mehrfach Kriegsdrohungen gegen die beiden Länder ausgestoßen. Die Drohungen waren aber schon in den vergangen Wochen spürbar abgeflaut.

Von

dpa

Kommentare (1)

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hanji

10.06.2013, 18:47 Uhr

Eine Geschichte entspricht nicht exakt den Fakten: "Südkoreaner meiden das auch als Diamantgebirge bekannte Ziel, seit dort Mitte 2008 ein südkoreanischer Tourist von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen wurde." heißt es im Text. Aus Sicht der Südkoreaner liest sich die Story ganz anders: Nach dem Amtsantritt des US-freundlichen MB Lee 2008 bucht eine Südkoreanerin (angeblich Lehrerin aus Seoul) eine kurze Sommerreise nach Geumgangsan. Sie reist im Juli alleine (kein Südkoreaner macht das sonst), schleicht sich gegen 5 Uhr (jeder Geheimdienst weiß, das ist die beste Zeit, um nicht entdeckt zu werden) am dösenden Hotelportier nach draußen und dringt im Morgen-Dunkel allen Ernstes in die den Strand trennende DMZ mit ihren eindeutigen Warnschildern ein (keiner der 1 Mio. Südkoreaner war bis dato auf diese verrückte Idee gekommen). Sie wird ertappt vom Nordkoreanischen Wachposten, und rennt weg, anstatt der Aufforderung "Halt" zu folgen. Sie wird - im Dunkeln - unbeabsichtigt tödlich getroffen. Wenige Tage nach diesem beispiellosen und nebulösen Ereignis ist das 10 Jahre lang extrem erfolgreiche, sichere und friedliche Projekt geschlossen. CIA und MB Lee haben ihr erstes Etappenziel zur Revision der Entspannungspolitik des Nobelpreisträgers DJ Kim erreicht: Das verhasste, weil devisen-bringende Tourismus-Projekt ist zerstört. D.h. die Südkoreaner "meiden die Gegend" nicht, sondern können seit Juli 2008 einfach nicht mehr hinreisen, auch wenn es Mio. Bürger gerne wollten. Anm.: Auch ich und viele Ausländer waren in der Entspannungsperiode dort.

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