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24.03.2014

22:02 Uhr

Annexion der Krim

G7 sagen den Gipfel in Sotschi ab

Russland ist offiziell ausgeschlossen aus der G8. Die führenden Industrienationen sagten den geplanten Gipfel im russischen Sotschi ab und wollen in Brüssel tagen. Außerdem drohten sie mit weiteren Strafmaßnahmen.

US-Präsident Barack Obama und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Treffen der G7 in Den Haag. Reuters

US-Präsident Barack Obama und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Treffen der G7 in Den Haag.

Den HaagDie Gruppe der führenden Industrienationen hat Russland wegen der Annexion der Krim vorerst ausgeschlossen und den für Juni geplanten Gipfel der G8 in Sotschi offiziell abgesagt.

„Unsere Gruppe kam wegen gemeinsamer Überzeugungen und gemeinsamer Verantwortlichkeiten zusammen“, hieß es nach einem Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7 in Den Haag.

„Die Aktionen Russlands in den letzten Wochen sind damit nicht vereinbar.“ Weitere G8-Treffen solle es erst dann wieder geben, wenn Russland seinen Kurs geändert habe und das Umfeld wieder für eine sinnvolle Diskussion der G8 bereit sei.

Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

Gas

Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

Gastransport

Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

Gaseinsatz und -preis

Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

Öl

Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen ein Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

Transport

Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Ein zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

Öleinsatz und -preis

Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Die Staats- und Regierungschefs der G7 und der Europäischen Union drohten Russland zudem eine Verschärfung ihrer Strafmaßnahmen an. Man sei bereit, die Sanktionen gegen Russland „einschließlich koordinierter sektoraler Sanktionen“ zu verschärfen. Dies werde „zunehmend bedeutsame Folgen für die russische Wirtschaft“ haben.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gibt es statt Sotschi im Juni den nächsten G7-Gipfel in Brüssel. Vor der Runde am Abend hatte US-Präsident Barack Obama erklärt: „Wir sind einig darin, dass Russland für sein bisheriges Handeln bezahlen muss.“ Weiterreichende Sanktionen hätten enorme Folgen für die russische Wirtschaft. Der Ukraine sicherte er nach der russischen Annexion ihrer Halbinsel Krim Unterstützung durch Europa und Amerika zu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, das politische Umfeld für das G8-Format sei derzeit nicht gegeben. „Im Augenblick gibt es G8 nicht - weder als konkreten Gipfel noch als Format.“

Kommentare (27)

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25.03.2014, 08:02 Uhr

Ja! Strafe muß sein.Volksabstimmungen gehen garnicht.
Da sind die Schweizer noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen.Mit denen reden wir noch.Falls sie es aber nochmal wagen,ihre Volksabstimmung durchzuziehen,sollten wir auch gegen die ernsthafte Sanktionen verhängen.Oder die Politiker austauschen,wie wir es in Griechenland gemacht haben.Die Griechen wollte ja auch,aber da waren wir schneller.Hihihi

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25.03.2014, 08:19 Uhr

Interessant wäre gewesen, wenn man mal neue Wege beschreitet und den Pfad von vorhersehbarer Aktion und Reaktion, die sowieso nur Hilf- und Ideenlosigkeit kommuniziert, verlässt.
Man hätte das Meeting wie geplant stattfinden lassen sollen. Da hätte man Putin und sich selbst dann direkt und ohne mediale Filter konfrontieren können.
Wer weiss, vielleicht hätte ja sogar Putin gekniffen und nicht teilgenommen, dann wäre er das beleidigte Kind gewesen und nicht der zahnlose Westen.

Danach hätte man immer noch Schritte unternehmen können, aber das westliche Bündnis würde wesentlich reifer, klüger und lösungsorientierter dastehen und hätte wahrscheinlich mehr Plan als jetzt.

Unsere Politiker sind unkreativ, geistig unbeweglich und leiden unter selektiver Wahrnehmung.

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25.03.2014, 08:44 Uhr

Und wer hat die USA ausgeladen als sie die versammelte Weltgemeinschaft in der UNO belogen haben und illegal den Irak überfallen haben und in Grund und Boden gebombt haben, die Infrastruktur zerstört haben, Menschen gefoltert und gezielt erschossen haben - ach nein, das war ja bloss collateral damage!

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