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17.11.2015

04:24 Uhr

Anschläge in Paris

Frankreich will Hausarrest für Syrien-Rückkehrer

Aktuelle Spuren von Paris führen nach Belgien. Eine Allianz der Weltmächte soll den IS vernichten. Die Extremisten drohen Europa und den USA. Frankreich setzt im Kampf gegen die Terroristen alle Hebel in Bewegung.

Französische Soldatinnen bewachen den Arc de Triomphe in Paris. AFP

Terrorgefahr in Europa

Französische Soldatinnen bewachen den Arc de Triomphe in Paris.

Paris/BrüsselNach den Terroranschlägen von Paris warnen die französische Regierung und der US-Geheimdienst CIA vor neuen Attentaten islamischer Extremisten. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bereite weitere Attacken gegen europäische Länder vor, sagte der französische Premierminister Manuel Valls am Montag. Der IS drohte in einer neuen Videobotschaft mit weiteren Anschlägen.

CIA-Chef John Brennan nimmt das bitterernst: „Ich gehe davon aus, dass dies nicht die einzige Operation ist, die der IS in der Pipeline hat.“ In Deutschland überprüfen Sicherheitsbehörden den Schutz von Großereignissen wie Fußballspiele und Weihnachtsmärkte.

Frankreichs Präsident François Hollande will eine weltweite Koalition gegen den IS ins Leben rufen - unter Einschluss von Russland. Der Staatschef kündigte an, den UN-Sicherheitsrat anzurufen und bald mit US-Präsident Barack Obama und Kremlchef Wladimir Putin über eine einheitliche Strategie in Syrien zu sprechen. „Was wir brauchen, ist eine gemeinsame Bewegung all jener, die gegen den Terrorismus kämpfen“, sagte der Präsident.

Abdelhamid Abaaoud: Der meistgesuchte Islamist Belgiens

Abdelhamid Abaaoud

Der meistgesuchte Islamist Belgiens

Sechs Tatorte, schwere Waffen und fast 130 Tote – die Terrorserie von Paris war bis ins Detail geplant. Als mutmaßlicher Drahtzieher gilt Abdelhamid Abaaoud. Er gilt als meistgesuchter Terrorist Belgiens.

Ein Drahtzieher der Attacken von Paris könnte laut Medien der gesuchte belgische Islamist Abdelhamid Abaaoud sein. Die Polizei fahndete zudem nach weiteren flüchtigen Komplizen. In Frankreich durchsuchte die Polizei landesweit rund 170 Wohnungen und nahm 23 Verdächtige fest. Dabei wurden 31 Waffen beschlagnahmt, darunter in Lyon ein Raketenwerfer. Ziel der Razzien war nach Regierungsangaben vor allem, weitere Anschlagspläne zu vereiteln. Innenminister Bernard Cazeneuve kündigte an, auch Moscheen zu schließen, in denen radikales Gedankengut verbreitet werde.

Auch in Belgien gab es neue Razzien. Spezialeinsatzkräfte suchten am Montag in Brüssel vor allem nach dem flüchtigen Belgier Salah Abdeslam - allerdings erfolglos. Der 26-Jährige ist der Bruder eines Selbstmordattentäters von Paris und zur Fahndung ausgeschrieben.

Die Schauplätze nach dem Terror

Paris

Frankreichs Hauptstadt trägt nach der brutalen Terrorserie vom Freitag, den 13. November, immer noch Trauer. Zur Erinnerung an die mindestens 129 Todesopfer stand am Montag um 12.00 Uhr mittags das öffentliche Leben fast völlig still. In der Konzerthalle „Bataclan“, wo die meisten Menschen starben, wird weiter nach Spuren gesucht. Die Cafés und Restaurants, in denen es weitere Opfer gab, sind ebenfalls noch geschlossen.

Molenbeek

Der Stadtteil von Brüssel mit seinen vielen muslimischen Einwanderern ist schon länger als Islamistenhochburg bekannt. Hier lebte Abdelhamid Abaaoud, ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln, der als Drahtzieher der Anschläge gilt. Heute wird der 28-Jährige in Syrien vermutet. Auch einer der Selbstmord-Attentäter hatte hier sein Zuhause. So war es für niemanden in Molenbeek eine Überraschung, dass es auch am Montag wieder Razzien gab.

Al-Rakka

Vor Beginn des Syrien-Kriegs zählte die Stadt am Euphrat 200 000 Einwohner. Heute hat sich Al-Rakka in eine der wichtigsten IS-Hochburgen verwandelt. Sie gilt als heimliche Hauptstadt des Islamischen Staats (IS) in Syrien. Die Extremisten kontrollieren offenbar das gesamte öffentliche Leben. In den Straßen patrouillieren IS-Polizisten. Frauen dürfen nur verschleiert auf die Straße gehen. So war Al-Rakka nach den Anschlägen nun das erste Ziel von massiven französischen Luftangriffen.

Belek

Der Ort an der türkischen Riviera, etwa 45 Kilometer entfernt von Antalya, lebt normalerweise fast ausschließlich von Urlaubern. In den Tagen nach den Anschlägen waren dort, wie schon länger geplant, die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) zu Gast. Frankreichs Präsident Francois Hollande blieb allerdings in Paris. Die anderen sagten dem Terrorismus den Kampf an. Dazu gehört, dass dem IS die Geldversorgung abgeschnitten werden soll.

Gegen zwei Männer, die mit Salah Abdeslam Samstagabend in einem Auto im nordfranzösischen Cambrai gestoppt wurden, erging nun Haftbefehl. Die Staatsanwaltschaft Brüssel wirft ihnen vor, an einem Terroranschlag und einer terroristischen Vereinigung beteiligt gewesen zu sein. Die Beamten hatten die drei Männer zunächst unbehelligt weiterfahren lassen, die beiden Verdächtigen wurden später in Brüssel festgenommen.

Abaaoud, einer der mutmaßlichen Drahtzieher, gilt als meistgesuchter Islamist Belgiens. Der 28-jährige Belgier mit marokkanischen Wurzeln soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten und dort für den IS gekämpft haben. Früher lebte er ebenfalls in dem Brüsseler Stadtbezirk Molenbeek, der für seine Islamistenszene bekannt ist. Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien seine Freunde gewesen, berichteten belgische Zeitungen.

Über die sieben getöteten Angreifer werden immer mehr Details bekannt. Gegen einen Attentäter aus dem Musikclub „Bataclan“, den in Paris geborenen Samy Amimour, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Oktober 2012 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Der 28-Jährige habe sich dann vor etwa zwei Jahren nach einer Phase der Radikalisierung in Syrien aufgehalten, berichtete AFP unter Berufung auf Familienmitglieder.

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