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31.12.2013

16:29 Uhr

Anschläge in Wolgograd

Putin droht Terroristen mit „totaler Vernichtung“

Der Kremlchef zeigt Stärke: Russland werde „entschieden und unnachgiebig“ gegen Terroristen vorgehen. Tausende Sicherheitskräfte durchkämmen die Region Wolgograd. Putins Prestigeprojekt soll nicht in Gefahr geraten.

Russlands Präsident Wladimir Putin außer sich: Terroristen haben bei Anschlägen in Wolgograd mindestens 34 Menschen getötet. ap

Russlands Präsident Wladimir Putin außer sich: Terroristen haben bei Anschlägen in Wolgograd mindestens 34 Menschen getötet.

MoskauNach den beiden Selbstmordanschlägen in Wolgograd hat Russland Tausende zusätzliche Sicherheitskräfte in die Region entsandt. Etwa 5200 Polizisten und Soldaten sollten nach möglichen Komplizen der Attentäter suchen und das öffentliche Leben an den Neujahrstagen sichern, teilte das Innenministerium am Dienstag der Agentur Interfax zufolge mit. Präsident Wladimir Putin sicherte den Angehörigen der mindestens 34 Toten und 72 Verletzten der beiden Anschläge schnelle Hilfe zu.

Der Kremlchef drohte den Drahtziehern der Anschläge mit Vergeltung. „Wir werden den Kampf gegen Terroristen konsequent bis zu ihrer totalen Vernichtung fortsetzen“, sagte Putin in seiner Neujahrsansprache. Es waren die ersten öffentlichen Äußerungen des Präsidenten zu den Anschlägen.

Wolgograd und einige andere Städte sagten Silvesterfeiern aus Sicherheitsgründen und als Zeichen der Trauer ab. In Moskau wollten aber Tausende auf dem Roten Platz im Zentrum das neue Jahr begrüßen - unter drastisch verschärften Sicherheitsmaßnahmen.

Terror in Russland – Bomben und Geiselnahmen

Oktober 2002

Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musical-Theater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle 41 Terroristen sterben.

August 2004

Nahezu gleichzeitig stürzen zwei russische Passagiermaschinen ab. Alle 90 Menschen an Bord kommen ums Leben. In beiden Maschinen hatten Selbstmordattentäterinnen aus Tschetschenien Bomben gezündet.

September 2004

Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan (Nordossetien) und nehmen 1.100 Kinder, Eltern und Lehrer als Geiseln. Das Terrordrama endet mit 360 Toten. Als einer der Drahtzieher gilt der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew.

November 2009

Bei einem Sprengstoffanschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg kommen mindestens 26 Menschen ums Leben. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich zu dem Anschlag und kündigt einen „Sabotagekrieg“ gegen die „blutige Besatzungspolitik“ Moskaus im Kaukasus an.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Drahtzieher der Sprengstoffattacke ist wieder Doku Umarow, der der russischen Regierung per Video mit weiteren Anschlägen droht.

Oktober 2013

Mit einer Bombe in einem Linienbus in Wolgograd tötet eine Selbstmordattentäterin sechs Insassen und sich selbst. Mehr als 30 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Fahnder vermuten, dass Islamisten aus dem Nordkaukasus der Frau die Bombe übergeben haben.

Dezember 2013

Im Bahnhof der Millionenstadt Wolgograd zünden Terroristen am 29.12. eine mit Nägeln und Schrauben gefüllte Bombe. Bei dem Selbstmordanschlag sterben mindestens 17 Menschen. Nur einen Tag später sterben bei einer Explosion in einem Bus in Wolgograd weitere 14 Menschen. Auch hier gehen die Ermittler von einem Selbstmordanschlag aus.

Die Zahl der Toten bei den Terroranschlägen war zuletzt auf insgesamt 34 gestiegen. Drei Schwerverletzte seien im Krankenhaus gestorben, teilte das Zivilschutzministerium mit. Damit kamen beim Bombenanschlag auf einen Linienbus am Vortag 16 Passagiere und beim Attentat im Hauptbahnhof der Industriestadt am Sonntag 18 Menschen ums Leben, darunter auch Sicherheitskräfte. Sie sollen posthum staatliche Auszeichnungen erhalten. Die russische Regierung stellte auch umgerechnet 2,2 Millionen Euro Soforthilfe für Hinterbliebene bereit.

„Wir werden alle Betroffenen dieser unmenschlichen Akte unterstützen und alles wieder aufbauen“, kündigte Putin an. Er hielt sich zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Rede in Chabarowsk im Fernen Osten des Landes auf. Die Ansprache wurde um Mitternacht Ortszeit in Fernost (1400 MEZ) im Fernsehen gezeigt.

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