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04.03.2004

07:50 Uhr

Anschläge offenbaren Sicherheitsdefizite

Mullahs gewinnen in Pakistan an Macht

VonOliver Müller

Nach dem blutigen Selbstmordanschlag auf eine Prozession in Quetta kann Pakistans Regierung die massiven Defizite beim Kampf gegen den Terror nicht mehr leugnen. Der Tod der meisten der 41 Opfer sei auf Kreuzfeuer zwischen Terroristen und der Polizei zurückzuführen, räumte Innenminister Faisal Saleh Hayat ein. Wie fast zeitgleich im Irak waren schiitische Gläubige das Ziel des Anschlags.

ISLAMABAD. Auch wenn die Verhältnisse mit denen im Irak nicht zu vergleichen sind, kommt es auch in Pakistan immer wieder zu Ausschreitungen zwischen der schiitischen Minderheit und der sunnitischen Mehrheit. Zwar hat die Armee seit dem Putsch 1999 das Steuer fest im Griff. Der Präsident, General Pervez Musharraf, präsentiert sich als Garant der Sicherheit, der als einziger die Moslemextremisten in Schach halten kann. Doch auch er kann die Schraube nicht zu weit andrehen, ohne die innere Balance des Staates zu gefährden.

Die Fundamentalisten werden als politische Kraft beständig stärker. Bei den letzten Wahlen erlangten die Hardliner erstmals spürbare parlamentarische Macht. Abdul Ghafoor Haidery, Generalsekretär der größten Fundamentalistenpartei Jamia-Ulama-e-Islam (JUI) ist einer der wichtigsten Repräsentanten der Hardliner, die Musharraf wegen seiner Westorientierung hart kritisieren, gleichzeitig aber Bündnisse mit ihm eingehen.

Der Mullah gibt sich im Gespräch moderat, verhehlt aber nicht, wes Geistes Kind er ist. „Frauen gehen in ihrer Mutterrolle auf, das ist der echte Geist des Islam“, rechtfertigt er ihre Unterdrückung in der von seiner Partei regierten North West Frontier Province. Dort hat die JUI islamisches Recht, die Sharia, eingeführt. Für Männer wie Haidery leistet die islamische Welt zu Recht Widerstand gegen einen von den USA geführten Westen, der ihr seine Werte aufzwingt. „El Kaida ist keine Terrororganisation“, beteuert Haidery, der seinen Sohn nach dem Drahtzieher der Anschläge vom 11. September Osama genannt hat.

Zwar geißelt Haidery Musharraf als Marionette der USA, doch in der Praxis arbeitet er mit ihm zusammen. Im vergangenen Jahr schlossen beide einen Pakt, der die Herrschaft des Generals per Parlamentsmehrheit bis 2007 legitimiert. Für Musharrafs Kritiker ein weiterer Beleg, dass der Präsident den Kampf gegen moslemische Extremisten nicht wirklich ernst nimmt. Sein Regime hat sich zwar 2001 von den Taliban abgewendet, hunderte Terroristen gefasst und 500 an die USA ausgeliefert. Und spätestens seit er im Dezember haarscharf zwei Attentaten entkam, hat Musharraf ein persönliches Interesse, den Sumpf gewaltbereiter Extremisten in seinem Land trocken zu legen. Andererseits macht es die unheilige Allianz von Militär und Mullahs schwer, der religiösen Rechten den Boden zu entziehen.

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