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26.03.2016

15:35 Uhr

Anschläge von Brüssel nutzen Trump

Auf der Terrorwelle ins Weiße Haus

VonAxel Postinett

Werden die Terroristen des Islamischen Staats Donald Trump zur Präsidentschaft führen? Die Chancen sind da. Eine neue Wahlkampfdynamik bringt Hillary Clinton in die Defensive. Trumps Trumpf: pure Angst.

Radikal und laut. AP

US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump

Radikal und laut.

San FranciscoDer Termin war lange geplant, aber das Thema dann doch hastig überarbeitet. Am Mittwoch kannte Hillary Clinton bei ihrem Auftritt an der kalifornischen Stanford-Universität nur ein Thema: Terror. Sie war in der Defensive. Die republikanischen Gegner hatten die politische Lufthoheit übernommen. Präsident Barack Obama besuchte am Dienstag in Kuba ein Baseballspiel, während Brüssel im Chaos versank. Ganz 51 Sekunden hatte er in einer Ansprache dem Thema gewidmet, bevor er mit Sonnenbrille und guter Laune zum Sportnachmittag aufbrach, kritisierten nicht nur konservative Kommentatoren.

Clinton musste eine Gratwanderung wagen. Es war der Versuch, gleichzeitig für internationale Allianzen, Offenheit und Toleranz zu werben, während sie mehr Härte im Kampf gegen den Terror versprach. Vorschläge der Gegenseite, die Zusammenarbeit mit der Nato einzuschränken, kommentierte sie mit der Bemerkung, dass dann im Kreml in Moskau „die Sektkorken knallen“ würden. Sie hofft darauf, dass ihre langjährige außenpolitische Erfahrung die Wähler in Krisenzeiten überzeugt.

Argumente zählen nicht mehr

Doch viele Amerikaner hören nicht mehr zu. Nach einer CNN/ORC-Umfrage, vom 20. März, kurz vor Brüssel, zeigten sich zwar noch 56 Prozent der Befragten sicher, Clinton werde letztlich einen Zweikampf mit dem republikanischen Außenseiter Donald Trump gewinnen. Immerhin 42 Prozent halten den Einzug des Immobilienmilliardärs als Präsident in das Weiße Haus für möglich, den vor acht Monaten gestandene Politiker noch für einen „Witz“ gehalten hatten. Selbst der Fraktionsführer der demokratischen Minderheit im Kongress, Harry Reid, warnt übermütige Parteifreunde mittlerweile eindringlich: „Man darf Trump niemals unterschätzen. Niemals“. Im Interview mit Politico.com fügte er hinzu: „Ich habe ihn unterschätzt, andere haben es. Der Mann ist kaum berechenbar. Das ist einer der unorthodoxesten Kandidaten in der modernen Geschichte.“

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Die Zeiten, als Demokraten hofften, Clinton werde gegen Trump antreten, weil sie dann garantiert leicht gewönne, sind vorbei. Donald Trump hatte am Dienstag erst unerwartet souverän die Nominierung in Arizona hauptsächlich mit einer Anti-Immigrationspolitik und dem Versprechen, Muslime aus den USA zu verbannen, gewonnen. Denn seit der Terrornacht in Paris Ende 2015 ist alles anders. Die politischen Themen der Vergangenheit sind auf einmal Makulatur.

Wirtschaftsfragen, Gleichberechtigung, Abtreibung, Obamacare, Einkommensungleichheit: alles mediale Randaktivitäten. Für Kandidaten wie Jeb Bush oder Marco Rubio kam die Erkenntnis zu spät. Sie führten den falschen Wahlkampf, dachten Argumente zählen. Doch „Amerika ist in der Mitte eines politischen Tsunami“, wie Rubio sichtlich emotional bei seiner Abschiedsrede in Miami konstatierte. Und: „Wir hätten es sehen müssen. Die Menschen sind unzufrieden und frustriert.“ An diesem Abend verlor er in Florida und gab den Wahlkampf auf. Anderen fehlen passende Antworten, so wie John Kasich oder Bernie Sanders bei den Demokraten. Ihm werden in Umfragen wenig Kompetenz in der Terrorbekämpfung zugebilligt.

„Und dann kam Paris“

Andere hingegen hatten sofort verstanden. Trump, das politische Raubein mit dem feinen Gespür für die Massen, sieht mittlerweile das furchterregende Massaker in der französischen Hauptstadt als Wendepunkt seiner Wahlkampagne: „Und dann kam Paris“, so Trump in seiner Ansprache nach dem Sieg in Florida vergangene Woche, und „der Wahlkampf bekam für mich eine ganz neue Wendung“.

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Urplötzlich seien die Umfragewerte in die Höhe geschnellt. Er ahnte, dass er an etwas ganz Großem dran war. Das zeigte sich am Ex-Konkurrenten Ben Carson. Vor den November-Anschlägen in Paris lag er noch gut im Rennen, weit moderater und zurückhaltender in Sicherheitsfragen als Trump. Aber nach dem folgenden Anschlag im kalifornischen San Bernardino gab es nur noch einen Favoriten: Trump.

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