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12.04.2016

13:35 Uhr

Anschläge von Brüssel

Terrorvorwürfe gegen weitere Verdächtige

Die belgische Polizei hat offenbar zwei weitere Komplizen der Attentäter vom 22. März festgesetzt. Die beiden jungen Männer sollen ein Versteck im Brüsseler Stadtteil Etterbeek für einen der Angreifer angemietet haben.

Eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Etterbeek wurde als Versteck für einen der Attentäter und dessen mutmaßlichen Komplizen genutzt. Reuters

Belgische Polizisten in Etterbeek

Eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Etterbeek wurde als Versteck für einen der Attentäter und dessen mutmaßlichen Komplizen genutzt.

BrüsselBelgische Ermittler haben im Zusammenhang mit den Brüsseler Anschlägen gegen zwei weitere Personen offiziell Terrorvorwürfe erhoben. Die beiden Festgenommenen seien in die Anmietung einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Etterbeek verwickelt, die als Versteck für einen der Attentäter und dessen mutmaßlichen Komplizen genutzt worden sei, teilte die belgische Bundesstaatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Den 1984 und 1988 geborenen Männern werde vorgeworfen, an Aktivitäten einer Terrorgruppe sowie an Mord und versuchtem Mord mit terroristischem Hintergrund beteiligt gewesen zu sein.

Bei Selbstmordattentaten am Flughafen und in der U-Bahn von Brüssel hatten drei Angreifer am 22. März 32 Menschen mit in den Tod gerissen. Weitere 270 Menschen wurden verletzt. Zu den Anschlägen bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat.

Die belgischen Bundesermittler gaben zunächst keine weiteren Informationen zu den jüngsten Erkenntnissen. Die Untersuchung sei noch in vollem Gange, hieß es. Die Ermittler hatten bis zum Wochenende sechs weitere Verdächtige festgenommen. Zwei wurden wieder freigelassen. Gegen die vier anderen wurden Terrorvorwürfe erhoben.

Die Anschläge in Brüssel: Was wir wissen – und was nicht

Was genau ist passiert?

Die Terrorserie begann gegen 08.00 Uhr morgens auf dem Brüsseler Flughafen. In der Abflughalle gab es in kurzer Folge zwei Explosionen – vermutlich gab zwei Selbstmord-Attentäter. Ein dritter Verdächtiger soll kehrtgemacht haben und ist zur Fahndung ausgeschrieben. Die Täter sollen drei Bomben in Koffern zum Flughafen gebracht haben. Erste Bilanz: mindestens 14 Tote, mindestens 100 Verletzte. Kurz darauf, um 09:11 Uhr, gab es in der Metro-Station Maelbeek im EU-Viertel einen weiteren Anschlag mit mindestens 20 Toten und 130 Verletzten. Unklar ist, ob es sich bei dem Anschlag in der Metro um ein Selbstmordattentat handelte oder um eine Bombenexplosion mit Zeitzünder. Stundenlang gab es immer wieder Gerüchte über weitere Anschläge an anderen Orten - glücklicherweise alles Fehlanzeige.

Wie reagieren die belgischen Behörden?

Für das ganze Land gilt die höchste Terrorwarnstufe - zum ersten Mal seit November 2015. Der Flughafen Brüssel wurde von Polizisten und Soldaten sofort geräumt und dann geschlossen. In der Hauptstadt standen alle U-Bahnen, alle Straßenbahnen, alle Busse still. Die Hochgeschwindigkeitszüge in Richtung Köln, Paris und London fuhren ebenfalls nicht mehr. Auch die Sicherheitsmaßnahmen für Belgiens beide Atomkraftwerke wurden verstärkt. Das belgische Krisenzentrum empfahl allen: „Bleiben Sie, wo sie gerade sind!“ Erst um 16.30 Uhr gibt es Entwarnung.

Wer steckt hinter den Anschlägen?

Hinter den Bombenanschlägen in Brüssel steckt laut einer islamistischen Website die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS). IS-Kämpfer hätten die Taten am Dienstag mit Sprengstoffgürteln und anderen Mitteln begangen, berichtete die dem IS nahestehende Online-Nachrichtenagentur Aamak am späten Nachmittag. In Belgien lief die Suche nach potenziellen Tätern und Hintermännern. Zur Fahndung wurde am Dienstagabend ein junger Mann ausgeschrieben, den eine Überwachungskamera auf dem Flughafen Zaventem aufgenommen hatte. Bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek wurden am Abend in einer Wohnung eine Nagelbombe und eine Fahne der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) entdeckt. Erst am Freitag war in Brüssel einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom November in Paris festgenommen worden, der 26 Jahre alte Salah Abdeslam. Experten rechneten seither mit Vergeltungsaktionen. Ob tatsächlich die Terrorzelle um Abdeslam hinter den Anschlägen in Brüssel steckt, ist noch nicht bekannt „Für den Augenblick ist es nicht möglich, eine formale Verbindung zu den Anschlägen von Paris herzustellen“, sagte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz.

Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Nach den Terroranschlägen wurden die Kontrollen an Deutschlands Grenzen zu Belgien und Frankreich gleich wieder verschärft. Auch an den großen Flughäfen und Bahnhöfen wurden die Sicherheitsmaßnahmen wieder in die Höhe gefahren. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte in Berlin, es gebe bislang keine Hinweise auf einen „Deutschland-Bezug“ der Täter. Und fügte hinzu: „Klar ist, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus lange dauert.“

Sind Deutsche unter den Opfern?

Unter den Verletzten ist auch mindestens eine Deutsche. Die Frau erleidet eine leichte Rauchvergiftung. Hinweise auf deutsche Todesopfer gibt es zunächst nicht.

Warum immer wieder Brüssel?

Die belgische Hauptstadt gilt als Zentrum des islamistischen Terrorismus in Europa. Vor allem der Stadtteil Molenbeek mit seinen vielen Einwanderern aus der arabischen Welt hat einen schlechten Ruf. Von dort kamen außer Abdelslam auch andere Islamisten, die an Terrorabschlägen beteiligt waren. Bereits eine Woche nach den Anschlägen in Paris hatte es konkrete Gefahrenhinweise für die Region Brüssel gegeben. Das öffentliche Leben kam damals für fünf Tage zum Erliegen, ohne dass etwas geschah. Belgien beteiligt sich mit Kampfjets an Einsätzen gegen den IS, der in Syrien und im Irak großen Landesteile kontrolliert. Brüssel ist Sitz der EU und des Nato-Hauptquartiers.

Zwei von ihnen, Mohamed Abrini und Osama K., sollen an den Brüsseler Tatorten gewesen sein. Die Ermittler gehen zudem von Verbindungen zwischen der Gruppe, die hinter den Brüsseler Anschlägen steckt, und den Terroristen von Paris aus, die am 13. November 130 Personen getötet hatten.

Die mutmaßlichen Attentäter von Brüssel hatten nach offiziellen Angaben ursprünglich auch ein anderes Ziel: Sie wollten ein zweites Mal in Frankreich zuschlagen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gaben sie diesen Plan auf, weil ihnen Fahnder immer näher kamen. Stattdessen griffen sie in Brüssel an.

Von

ap

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