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23.12.2015

18:28 Uhr

Anschläge von Paris

Griechische Polizei versäumte Passabgleich

Bei den Anschlägen von Paris wurden 130 Menschen getötet. Zwei der Täter wurden als Flüchtlinge in Griechenland registriert. Laut einem Bericht hätten Behörden leicht erkennen können, dass sie mit falschen Pässen reisen.

Die beiden Männer waren am 3. Oktober als syrische Flüchtlinge auf der griechischen Insel Leros registriert worden; ihnen wurden auch Fingerabdrücke abgenommen. AFP

Gefälschte Pässe

Die beiden Männer waren am 3. Oktober als syrische Flüchtlinge auf der griechischen Insel Leros registriert worden; ihnen wurden auch Fingerabdrücke abgenommen.

BerlinDie griechische Polizei hätte nach Informationen des „Spiegels“ mit einer einfachen Abfrage erkennen können, dass zwei der späteren Attentäter von Paris mit falschen Pässen nach Europa eingereist waren. Die beiden Männer waren am 3. Oktober als syrische Flüchtlinge auf der griechischen Insel Leros registriert worden; ihnen wurden auch Fingerabdrücke abgenommen.

Die deutsche Bundespolizei habe bereits vor einem Jahr die Nummern von 4000 syrischen Blanko-Reisepässen in das Schengener Informationssystem eingepflegt, die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erbeutet worden waren, schreibt das Magazin. Darunter seien 3800 Pässe aus der syrischen IS-Hochburg Rakka und etwa 200 aus dem irakischen Mossul gewesen. Zwei dieser Reisepässe seien von den beiden Islamisten, die sich später bei Paris vor dem Fußballstadium Stade de France in die Luft sprengten, zur Reise durch Europa benutzt worden.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Die Behörden von Leros hätten es versäumt, die Nummern der Pässe im Schengen-System abzufragen, schreibt der „Spiegel“. Bei einem weiteren mutmaßlichen IS-Kämpfer habe es eine Abfrage gegeben. Er sei wegen Passdeliktes festgenommen, aber später freigelassen worden und nach Österreich weitergereist, wo er erneut festgenommen worden sei.

Bei den Anschlägen vor dem Stade de France und in Paris waren insgesamt 130 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Bei zwei Selbstmordattentätern wurden die besagten Reisepässe gefunden. Die griechischen Behörden übermittelten nach den Anschlägen die Fingerabdrücke der beiden nach Frankreich und ermöglichten damit deren Identifizierung.

Von

dpa

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