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09.01.2011

11:45 Uhr

Anschlag auf US-Abgeordnete

Attentäter wegen Mehrfachmord angeklagt

Kopfschuss auf eine US-Kongressabgeordnete des Staates Arizona: Nach dem Attentat auf die Demokratin Gabrielle Giffords sind die Ärzte optimistisch, dass die Politikerin überlebt. Sechs andere Menschen kamen bei der Tat ums Leben. Präsident Obama spricht von einer "nationalen Tragödie".

Die Demokratin Gabrielle Gifford bei ihrer Vereidigung. DAPD

Die Demokratin Gabrielle Gifford bei ihrer Vereidigung.

HB TUCSON/USA. Nach dem Attentat auf eine Kongressabgeordnete im US-Staat Arizona hat die Staatsanwaltschaft am Sonntag Anklage gegen den mutmaßlichen Schützen in fünf Punkten erhoben. Der 22-Jährige muss sich wegen dreifachen Mordversuchs unter anderem an der Politikerin Gabrielle Giffords verantworten und ist außdem wegen Mordes in zwei Fällen angeklagt. Der offenbar psychisch labile Mann wurde nach dem Blutbad vor einem Einkaufszentrum in Tucson am Samstag festgenommen, wo sechs Menschen getötet und 14 weitere verletzt wurden. Über sein Motiv war weiterhin nichts bekannt.

Giffords wurde während eines Bürgertreffens aus kurzer Entfernung in den Kopf geschossen. Die Ärzte zeigten sich aber optimistisch, dass die demokratische Politikerin überlebe. Sie reagierte am Sonntag nach einer Operation auf die Ansprache der Ärzte und wurde später in ein künstliches Koma versetzt. Die Abgeordnete ist als mögliche Bewerberin für einen Senatssitz im Gespräch, außerdem für das Amt des Gouverneurs von Arizona, der im Jahr 2014 neu gewählt wird.

Unter den sechs Getöteten waren nach Behördenangaben ein neunjähriges Mädchen, der wichtigste Bundesrichter des Staates Arizona sowie ein Mitarbeiter Giffords, der das Attentat offenbar galt. Fünf der 13 Verletzten waren nach Krankenhausangaben in kritischem Zustand. Sheriff Clarence Dupnik erklärte, das Blutbad habe erst geendet, als der Täter von zwei Personen überwältigt werden konnte. Der 22-jährige Jared L. sei „psychisch instabil“. Vor der Tat soll er einen Abschiedsgruß im Internet veröffentlicht haben.

Ein zweiter Mann, der zusammen mit L. in der Nähe des Tatorts gesehen und von den Ermittlern als möglicher Komplize gesucht wurde, wurde von der Polizei am Sonntag entlastet. Es handele sich um einen Taxifahrer, der den 22-Jährigen gefahren und offenbar kein Geld dafür bekommen habe. Ob der Bewaffnete allein gehandelt hatte, sei aber noch nicht klar.

US-Präsident Barack Obama nannte den Anschlag eine „Tragödie für das gesamte Land“. Ermittler sehen die Bluttat vor dem Hintergrund einer zunehmend „hasserfüllten politischen Rhetorik“ in den USA.

Kommentare (6)

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Gerd Kintzel

09.01.2011, 13:01 Uhr

Die jahrzehntelange (mediale) Arbeit der neokonservativen Think Tanks und der in großen Teilen verdummende (Kreationismus usw.) und mega-rechtslastige Fundamentalismus vieler evangelikalen Kirchen beginnen immer größere Früchte zu tragen.
Aber verbietet ruhig auch Huck Finn, weil darin ja das "N" Wort 200 mal auftaucht. Das ist der Extremismus, den die andere Seite durch vermeintliche PC beginnt aufzubauen. Wer dieses Stück amarikanischer Zeit-, Gesellschafts- und Sittengeschichte verdammt, versucht gleichzeitig, die Geschichte des Werdens dieses Landes umzudeuten.
beide Seiten betreiben den Zerfall der Gesellschaft. Wir erleben ihn bereits. Die Saat geht auf. Es ist eine Tragödie mit diesem eigentlich großartigen Land.

Nebelkerze

09.01.2011, 13:28 Uhr

Die Polarisierung innerhalb der US-Gesellschaft nimmt beängstigende Ausmaße an.
Dauerkriegszustand, Überschuldung, Staatsbankrott, Finanzkrise, überfüllte Gefängnisse,
40 Millionen Lebensmittelkartenabhängige, politische Arroganz und Dominanz.

Der geistige, finanzielle und strukturelle Zustand der USA entwickelt sich zunehmend zu einer Herausforderung an die globale Welt.

Die Amerikaner werden einen bitteren Weg der Erkenntnis durchschreiten müssen.
Wünschen wir ihnen, dass er friedlich bleibt.

Die US-bürger müssen selbst entscheiden, ob sie diesen American way of life weiter prolongieren wollen.

nur konsequent

09.01.2011, 15:16 Uhr

wer ideologischen wind sät braucht sich um realen sturm keinerlei gedanken machen: eine bis in den wohnzimmerschrank aufgerüstete nation, die unschuld reklamiert beim töten.

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