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02.06.2011

17:21 Uhr

Anschlag in Afghanistan

Gefallener Soldat kommt aus Nordrhein-Westfalen

Erneut ist die Bundeswehr in Afghanistan Ziel einer Attacke geworden. Ein Soldat kam dabei ums Leben, fünf weitere wurden verwundet. Der Verteidigungsminister äußerte Trauer - will aber am Kurs des Einsatzes festhalten.

Marder-Panzer der Bundeswehr in Kundus. Quelle: Reuters

Marder-Panzer der Bundeswehr in Kundus.

KundusFünf Tage nach dem verheerenden Anschlag in Nordafghanistan ist in der Region erneut ein deutscher Soldat getötet worden. Die Bundeswehr bestätigte den Tod des Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag in der Provinz Baghlan am Donnerstag. Demnach wurden außerdem zwei Bundeswehr-Soldaten schwer und drei weitere leicht verletzt. In der Unterrichtung des Einsatzführungskommandos ans Parlament heißt es: „Bei dem Anschlag wurde ein Schützenpanzer Marder angesprengt, dabei ist ein deutscher Soldat gefallen.“

Der Soldat ist der vierte getötete Deutsche in Nordafghanistan in nicht einmal zehn Tagen. Zu dem Anschlag kam es um 9.54 Uhr Ortszeit (07:24 Uhr MESZ) 36 Kilometer südlich von Kundus. Die Verletzten seien per Hubschrauber ins Feldlazarett ins Bundeswehr-Camp nach Kundus gebracht worden. Der getötete Soldat sei noch „am Anschlagsort gefallen“, heißt es in der Unterrichtung für die Abgeordneten.

Der Tote stammt aus einer Einheit in Nordrhein-Westfalen. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, handelt es sich um einen 23-jährigen Oberstabsgefreiten der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ aus Augustdorf. Auch die die fünf Verwundeten gehören dieser Einheit an: ein 30-jähriger Hauptfeldwebel, ein 27-jähriger Stabsunteroffizier, zwei Hauptgefreite im Alter von 24 und 21 Jahren sowie ein 46-jähriger Feldwebel der Reserve, der als Sprachmittler eingesetzt war. Die zum Teil schwer verwundeten Soldaten befinden sich demnach in Rettungszentren in Kundus und Masar-e-Sharif.

Erst am vergangenen Samstag waren bei einem Anschlag am Sitz des Gouverneurs der Provinz Tachar zwei deutsche Soldaten getötet und sechs weitere verletzt worden. Unter den Verletzten des Anschlags von Talokan ist der deutsche Regionalkommandeur der Internationalen Schutztruppe für Nordafghanistan, General Markus Kneip. Eine Soldatin wurde schwer verwundet und befindet sich weiter in einem kritischen Zustand, aber nicht mehr in akuter Lebensgefahr.

Am Mittwoch vergangener Woche war außerdem bei einem Sprengstoffanschlag auf eine deutsche Patrouille in der Provinz Kundus ein Bundeswehrsoldat getötet worden. Ein weiterer Soldat und ein afghanischer Übersetzer waren bei der Attacke verletzt worden.

Baghlans Gouverneur Munschi Abdul Madschid sagte am Donnerstag, ein Sprengsatz am Straßenrand habe in dem Ort Anarchel im Distrikt Baghlan-e-Markasi ein gepanzertes Fahrzeug ausländischer Truppen zerstört. Zu möglichen Opfern konnte der Gouverneur keine Angaben machen. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Von der Provinz Kundus aus gesehen - wo die Bundeswehr ein Feldlager unterhält - liegt Baghlan südlich und Tachar östlich.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will unterdessen am bisherigen Kurs des Bundeswehreinsatzes festhalten. „Unsere Strategie ist richtig, sie greift, die Taliban verlieren an Boden“, sagte de Maizière am Donnerstag in Dresden. „Vor Gewalt darf man nicht weichen. Wenn wir jetzt gingen, würde das Vertrauen der Afghanen erschüttert.“ Die deutschen Soldaten würden weiter auf Patrouille gehen, kündigte er an. „Wir wollen Sicherheit und Entwicklung, nicht Terror und Unterdrückung.“

„Wir trauern um den gefallenen Soldaten“, sagte der Minister. „In unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei dem Gefallenen und seinen Angehörigen.“ Bei dem Anschlag in Nordafghanistan waren am Donnerstag
ein Soldat getötet und fünf verwundet worden. Einer davon befinde sich in einem kritischen Zustand, meinte de Maizière. Zu welcher Einheit und welchem Heimatstützpunkt in Deutschland die Soldaten gehören, wollte er mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht sagen.

Kommentare (12)

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Hansi

02.06.2011, 10:30 Uhr

Kriegsparteien schlagen sich nicht an, sondern greifen sich an. Wenn man dem Feind ohne eigene Verluste schwere Schäden zufügen kann, hat man alles richtig gemacht.
Warum heißt es immer, die ISAF "greift an", aber die Taliban "schlagen an"?
Ist doch Unsinn, das so bereits zu werten. Sehr unsachlich.

Peter

02.06.2011, 11:09 Uhr

Ein Blick auf die Karte (oder eben auf Google Earth) offenbart recht schnell die eigentlichen Hintergründe für die fortdauernde Besetzung Afghanistans durch die USA, an der die Bundeswehr mehr aus Fragen der internationalen Legitimation und zum Beweis der Bündnistreue teilnimmt. Afghanistan und Pakistan sind die beiden Pufferstaaten zwischen dem Iran und China. Mit der Besetzung Afghanistans wird verhindert, dass die Chinesen Erdöl- oder Erdgasleitungen durch dieses Land führen.
China hat sich nach einigen Meldungen mit Pakistan soweit verständigt, dass die chinesische Kriegsflotte in Gwadar einen regionalen Stützpunkt ausbauen darf. Damit tritt die wachsende Seemacht China an einer überaus empfindlichen Stelle in den angestammten Herrschaftsbereich der Seemächte Großbritannien und USA ein, und zwar nicht einfach nur im Indischen Ozean, aus dem man sie bislang heraushalten konnte, sondern direkt am Eingang zum Persischen Golf, d e m Nadelöhr für den Abtransport des arabischen Öls, also an einer ganz besonders empfindlichen Stelle.
Die Aktion gegen OBL interpretiere ich deshalb als Testlauf und Drohung, im Ernstfall die pakistanische Regierung zu entmachten und die pakistanischen Atomwaffen unter amerikanische Kontrolle zu bringen.
Um die Chinesen dauerhaft aus dem Indischen Ozean herauszuhalten müssten unsere amerikanischen Freunde einen Weg finden, Pakistan als Staat zu zerschlagen und die Bruchstücke von ergebenen Vasallen regieren zu lassen.

Nordwind

02.06.2011, 11:29 Uhr

Die Bundeswehr dient der Landesverteidigung.Was hat sie in Afghanistan zu suchen? Der Einsatz als Vasallentruppe des US Imperialismus dient jedenfalls nicht hierzu.Diese Aktion erfolgt gegen den ausdrücklichen Willen des deutschen Volkes.Man wird sich der Verantwortlichen erinnern.

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