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12.01.2010

09:36 Uhr

Anschlag in Angola

Dunkle Schatten auf dem „Kuwait von Afrika“

VonWolfgang Drechsler

Schlimmer hätte es für Angola nicht kommen können. Ausgerechnet der Afrika-Cup, der dem ölreichen Staat als Aushängeschild dienen sollte, hat nach dem blutigen Anschlag auf die Nationalmannschaft von Togo einen dunklen Schatten auf das Wirtschaftswunderland im Südwesten Afrikas geworfen.

Die angolanische Polizei hat die Sicherheitsmaßnahmen nach dem blutigen Anschlag deutlich verschärft. ap

Die angolanische Polizei hat die Sicherheitsmaßnahmen nach dem blutigen Anschlag deutlich verschärft.

KAPSTADT. Fast drei Mrd. Euro hatte Angola zuvor in seine marode Infrastruktur gepumpt, um dem Sportereignis einen würdigen Rahmen zu verleihen. Doch nun hat der blutige Anschlag auf das togolesische Fußballteam das Gastgeberland gleich zu Turnierbeginn in eine tiefe Krise gestürzt.

Für Angola ist das Attentat in seiner Ölexklave Cabinda ein herber Rückschlag. Erst vor acht Jahren ging in der früheren portugiesischen Kolonie ein langer und blutiger Bürgerkrieg zu Ende, der dort seit der Unabhängigkeit 1975 fast ohne Unterbrechung getobt hatte. In den letzten sechs Jahren ist Angola nach großen Ölfunden vor der Küste und fast durchweg zweistelligen Wachstumsraten zu einem der wenigen Boomländer in Afrika geworden – und hinter Südafrika und Nigeria nun die drittgrößte Volkswirtschaft südlich der Sahara.

Doch nach dem Anschlag der angolanischen Separatistengruppe Flec auf den Mannschaftsbus aus Togo, bei dem am Samstag drei Menschen starben, wird klar, dass Angola auch ohne die rund acht Millionen Landminen, die noch in seinem Boden liegen, ein gefährliches Terrain bleibt.

Die Bluttat ereignete sich in der vom Kernland abgetrennten Öl-Provinz Cabinda an der Atlantikküste, die in Angolas Geschichte schon immer eine Sonderrolle spielte. Eine 13 Kilometer lange Brücke über die Mündung des Kongo-Flusses soll künftig für eine bessere Anbindung der Exklave sorgen. Die Motive für das Megaprojekt sind vor allem im Ölreichtum Cabindas zu suchen, das unter Experten als „Kuwait von Afrika“ gilt. 1968 nahm der US-Konzern Chevron hier die Förderung auf. Vor der Küste der Provinz werden täglich rund eine Million Barrel Öl gefördert – 60 Prozent der gesamten Produktion Angolas, die rund 80 Prozent zu den Deviseneinnahmen des Landes beiträgt.

Zwar ist Cabinda mit seinen knapp 300 000 Einwohnern seit langem als Unruheherd bekannt, doch war es mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags 2006 nur noch sehr vereinzelt zu Angriffen der dort aktiven Guerillagruppen gekommen, die für die Unabhängigkeit kämpfen. Ein anderer Grund dürfte sein, dass Angola hier einen Großteil seiner schlagkräftigen Armee zum Schutz der lebenswichtigen Ölquellen stationiert hat. Derzeit befinden sich nach Expertenangaben rund 50 000 Soldaten in Cabinda. Doch der jüngste Angriff zeigt auch, dass die Behauptung des Regimes, die Rebellengruppe Flec völlig zerschlagen zu haben, offenbar nicht zutrifft.

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