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23.10.2015

17:25 Uhr

Anschlag in Ankara

Innenminister soll Hinweise ignoriert haben

Bei einem Anschlag in Ankara starben 102 Menschen, laut Ermittlern wurde er vom IS begangen. Nun nimmt die Staatsanwaltschaft den türkischen Innenminister ins Visier. Er soll Hinweise auf die Tat ignoriert haben.

Türkischer Staatschef auf Gedenkfeier

Kritikern zum Trotz: Erdogan gedenkt der Anschlagsopfer von Ankara

Türkischer Staatschef auf Gedenkfeier: Kritikern zum Trotz: Erdogan gedenkt der Anschlagsopfer von Ankara

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IstanbulIm Zusammenhang mit dem Anschlag von Ankara mit mehr als hundert Toten ermittelt die türkische Staatsanwaltschaft gegen Innenminister Selami Altinok. Wie die Zeitung „Hürriyet“ am Freitag meldete, beziehen sich die Vorermittlungen auf Vorwürfe, Altinok habe vor der Tat mehrere Hinweise auf den geplanten Anschlag ignoriert. Die Anwaltskammer Ankara hatte Strafanzeige gegen Altinok sowie andere Politiker und Beamte wegen mutmaßlicher Dienstvergehen im Zusammenhang mit dem schlimmsten Anschlag in der türkischen Geschichte erstattet.

Ernste Folgen für den Minister dürften die Vorermittlungen nicht haben, da die Regierung vor weitergehenden Schritten der Justiz einer Aufhebung der Immunität des Ministers zustimmen müsste. Der Anschlag von Ankara, bei dem 102 Menschen getötet wurden, wurde laut Ermittlern von türkischen Anhängern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) begangen. Vier mutmaßliche Komplizen der beiden Selbstmordattentäter wurden inzwischen festgenommen. Die Behörden sind in die Kritik geraten, weil die Namen der mutmaßlichen Täter auf einer Polizeiliste potenzieller IS-Gewalttäter standen.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

Oktober 2016

Am 6. Oktober begeht die TAK einen Bombenanschlag in Istanbul. Auch die PKK attackiert türkische Polizisten in Hakkari. Am 14. Oktober kommt es zu einem Raketenangriff auf die Touristenprovinz Antalya. Der letzte Anschlag ist bisher ungeklärt.

September 2016

Auch im folgenden Monat schlägt die PKK mehrmals zu: mit einer Autobombe in der türkischen Stadt Van sowie mehreren weiteren Bombenanschlägen in der Südosttürkei sowie in Mardin.

August 2016

Am 17. August begeht die kurdische Terrororganisation PKK einen Anschlag auf ein Polizeihauptquartier in Elazig. Wenige Tage später kommt es zu einer Attacke ebenfalls auf eine Polizeistation in Cizre, für die auch die PKK verantwortlich gemacht wird.

Februar 2016

Die kurdisch-sozialistische Terrororganisation TAK (deutsch: Freiheitsfalken Kurdistans) begeht einen Bombenanschlag auf ein Militärfahrzeug in Ankara. In den folgenden Monaten tritt die Gruppe mehrfach in Erscheinung: Sowohl im März als auch im Juni und Oktober 2016 legen die Terroristen erneut Bomben in Istanbul, Ankara und Midyat.

Oktober 2015

Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze mehr als 100 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Quelle: dpa

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Drei ranghohe Polizeibeamte in Ankara wurden nach dem Anschlag gefeuert. Einen Rücktritt Altinoks lehnen Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und Präsident Recep Tayyip Erdogab aber ab.

Von

afp

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