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19.06.2017

13:27 Uhr

Anschlag in London

„Das passiert viel zu häufig, das ist einfach zu viel”

VonKatharina Slodczyk

Gut zwei Wochen nach dem Terroranschlag im Zentrum Londons ist die britische Hauptstadt erneut in heller Aufregung. Wieder ist ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast, ein Mensch kam ums Leben. Ein Ortsbericht.

Anschlag in London

Aufnahmen des mutmaßlichen Täters aufgetaucht

Anschlag in London: Aufnahmen des mutmaßlichen Täters aufgetaucht

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LondonAtif Badeer war am späten Sonntagabend in der Moschee, als ganz in der Nähe ein Transporter in die Besucher raste. Wenige Stunden später ist er wieder am Unglücksort: „Etwas muss passieren. Menschen sterben für nichts und wieder nichts“, sagt Badeer im Interview mit der „BBC“, „das passiert viel zu häufig, das ist einfach zu viel.“

Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Wut reagieren Londoner am Montagmorgen auf den jüngsten Vorfall auf der Insel, bei dem Ermittler einen terroristischen Hintergrund vermuten. Ein Mensch ist dabei im Londoner Stadtteil Finsbury Park ums Leben gekommen, zehn wurden verletzt. Die Polizei sprach von einem Anschlag auf London und hat einen 48-jährigen Mann festgenommen. Es werde untersucht, ob er geistig zurechnungsfähig gewesen sei. Londons Bürgermeister Sadiq Khan nannte es einen „Angriff auf unschuldige Londoner, von denen viele gerade die Gebete während des heiligen Monats Ramadan beendeten“.

Es war das dritte Mal in knapp mal drei Monaten in der britischen Hauptstadt, dass ein Auto Passanten rammte. Ende März starben bei einem ähnlichen Vorfall im Londoner Regierungsviertel sechs Menschen. Vor zwei Wochen raste ebenfalls ein Transporter in Passanten auf der London Bridge. Die Angreifer gingen danach mit Messern auf die Besucher von Bars und Restaurants los. Acht Menschen sind bei diesem Anschlag ums Leben gekommen.

Terrorverdacht: Zehn verletzte Muslime bei Anschlag mit Lieferwagen in London

Terrorverdacht

Zehn verletzte Muslime bei Anschlag mit Lieferwagen in London

Im Norden von London ist ein Minivan nahe einer Moschee in eine Menschenmenge gerast. Gegen den Fahrer wird nun auch wegen Terrorverdachts ermittelt. Zuvor war er wegen versuchten Mordes festgenommen worden.

Am Montag kreisen Hubschrauber über den Unglücksort im Londoner Norden, den die Polizei weitläufig abgesperrt hat. Polizisten stehen an Kreuzungen und patrouillieren durch die Straßen im Norden Londons. Anwohner und Augenzeugen berichten, was sie gesehen und gehört haben. So soll der Fahrer des Transporters, der die Menschen gerammt habe, geschrien haben: „Ich will Moslems töten.“ Eine Gruppe von Menschen habe ihn festgehalten, bis die Polizei kam. „Ich habe ihm einen Schlag in die Magengruppe versetzt, er wollte fliehen“, erzählt Abdul Rahman vor einer Kamera, „ich und andere haben ihn zu Boden gedrückt, so dass er sich nicht bewegen konnte.“

Ein anderer Augenzeuge schildert den Vorfall im Gespräch mit britischen Medien etwas anders: „Menschen hielten den Fahrer fest und begannen, ihn zu schlagen.“ Der Imam der benachbarten Moschee sei dazugekommen und habe dem Angreifer quasi das Leben gerettet, bis die Polizei gekommen sei.

Augenzeuge in London

„Er fuhr auf den Bürgersteig, ich glaube einer war sofort tot“

Augenzeuge in London: „Er fuhr auf den Bürgersteig, ich glaube einer war sofort tot“

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Ein weiterer Augenzeuge berichtet: „Es war wie in einem Horrorfilm, ich war schockiert.“ Und ein anderer erzählt: „Der Mann, der festgenommen wurde, hat den Umstehenden zugewinkt, er wirkte glücklich und stolz auf das, was er getan hatte.“

Die islamische Gemeinde nannte den Vorfall „den gewaltsamsten Ausdruck von Islamfeindlichkeit“ und macht sich für verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in der Nähe von Moscheen stark. Man haben sich bereits seit geraumer Zeit dafür eingesetzt, dass etwas im Kampf gegen die zunehmende Tendenz bei Hasskriminalität passieren müsste, teilte der Muslimische Rat von Großbritannien mit. Es müsste jetzt endlich gehandelt werden, nicht nur mit Blick auf den Vorfall in der Nähe von Finsbury, sondern insgesamt mit Blick auf Islamfeindlichkeit und die zunehmende Zahl besorgniserregender Vorfälle.

Terrorattacken in Europa

17. August 2017

In Barcelona rast ein Lieferwagen in eine Menschenmenge. Es gibt mehrere Tote und Verletzte.

09. August 2017

In einem Vorort von Paris attackiert ein Algerier Soldaten mit einem Pkw. Es gibt sechs Verletzte.

28. Juli 2017

In Hamburg attackiert ein Mann mehrere Menschen in einem Supermarkt. Dabei wird ein Mann getötet, fünf weitere Menschen werden verletzt.

20. Juni 2017

Bei einem versuchten Anschlag auf den Zentralbahnhof in Brüssel wird der Angreifer getötet.

19. Juni 2017

Als Racheakt für Terroranschläge in Großbritannien fährt Darren Osborne mit einem Minivan in London in eine Gruppe Muslime. Es gibt einen Toten und zehn Verletzte.

19. Juni 2017

Bei einem versuchten Anschlag auf dem Champs-Elysées wird ein Attentäter getötet. Er hatte sein Auto mit Sprengstoff beladen.

06. Juni 2017

Bei einer Hammer-Attacke vor dem Notre-Dame wird ein Polizist verletzt. Der Anschlag war islamistisch motiviert.

03. Juni 2017

Bei einem Anschlag in London mit einem Kleinlaster sterben elf Menschen, weitere 48 werden verletzt.

22. Mai 2017

Ein Selbstmordattentäter zündet bei einem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande in der Manchester Arena im Norden Großbritanniens einen Sprengsatz. Er reißt 22 Menschen mit in den Tod.

07. April 2017

Ein Mann fährt mit einem gestohlenen Lkw durch die Fußgängerzone der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Vier Menschen kommen ums Leben.

22. März 2017

Ein Angreifer fährt mit einem gemieteten Geländewagen Fußgänger auf der Westminster Bridge in London nieder, vier von ihnen sterben. Anschließend ersticht der Mann einen Polizisten.

19. Dezember 2016

Mit einem gestohlenen Lkw fährt der mutmaßliche Attentäter Anis Amri über einen Weihnachtsmarkt in Berlin. Dabei kommen zwölf Menschen ums Leben.

14. Juli 2016

In Nizza lenkt ein Mann während der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag einen Lkw in die Menschenmenge auf der Promenade der Stadt. 86 Menschen sterben.

22. März 2016

Bei Selbstmordanschlägen am Brüsseler Flughafen und in einer U-Bahn-Station im Zentrum der Stadt kommen 32 Menschen ums Leben. Ermittlungen ergeben, dass die Attentäter enge Verbindungen zu einer Gruppe hatten, die zuvor Anschläge in Paris verübt hatte.

13. November 2015

Extremisten, die mit der Terrormiliz Islamischer Staat in Verbindung stehen, töten bei einem Attentat im Pariser Konzertsaal Bataclan und weiteren Orten in der französischen Hauptstadt 130 Menschen. Ein Hauptverdächtiger im Zusammenhang mit dem Anschlag, der 26 Jahre alte Salah Abdeslam, wird am 18. März 2016 in Brüssel festgenommen.

14. Februar 2015

Ein Bewaffneter tötet den dänischen Filmemacher Finn Nørgaard und verletzt drei Polizisten in Kopenhagen. Einen Tag später greift er eine Synagoge in der dänischen Hauptstadt an. Er tötet einen jüdischen Wachmann und verletzt zwei Polizisten, bevor er erschossen wird.

07. bis 09. Januar 2015

Attentäter greifen das Büro der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt in Paris an. Bei den beiden Attacken kommen 17 Menschen ums Leben. Das Terrornetzwerk Al-Kaida reklamiert die Tat für sich und erklärt, „Charlie Hebdo“ habe den Propheten Mohammed beleidigt. Bereits 2011 war ein Anschlag mit Brandbomben auf das Büro der Zeitschrift verübt worden, bei dem niemand verletzt wurde.

Quelle: AP

Mohammed Kozbar, ein Vertreter der Moschee im Stadtteil Finsbury rief die Menschen zum Zusammenhalt auf: „Wir leben hier in Harmonie. Wer auch immer dies getan hat, er war nicht aus dieser Gegend“, sagte Kozbar.

Einige Meter von dem Unglücksort entfernt am Bahnhof Finsbury Park versucht ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe, den Menschen Mut zu machen: „Harte Zeiten währen nicht ewig“, hat er auf eine Tafel am Eingang zur U-Bahn geschrieben, „widerstandsfähige Menschen halten zusammen. Wir alle.“

Die Bundesregierung hat die Lieferwagen-Attacke auf Menschen in der Nähe einer Moschee in London verurteilt. Zwar seien die Hintergründe noch nicht geklärt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Es spreche aber einiges dafür, dass es eine „Tat aus blindem Hass“ sei. „Das würde es einreihen in die terroristischen Taten der letzten Wochen und Monate.“ Die Regierung sprach den Opfern ihr Beileid aus. „Unser tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und Angehörigen, den Menschen in dieser Moscheegemeinde und überhaupt allen unseren Freunden in London und Großbritannien, denen es derzeit kaum vergönnt ist, Ruhe zu finden.“

Kommentare (11)

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Herr Günther Schemutat

19.06.2017, 11:54 Uhr

Die betroffene Mosche soll Treffpunkt von radikalen Islamisten sein was kein Grund für einen Anschlag ist. Aber der Muslimische Bürgermeister muss sich fragen
wann werden diese Moscheen geschlossen und ihre radikalen Imane abgesetzt ausgewiesen. Wenn nicht wird es weitere Anschläge auf beiden Seiten geben, wie die Islamisten es sich wünschen.

Herr Peter Spiegel

19.06.2017, 12:35 Uhr

Der Bürgerkrieg ist offenbat der politische Wille und der ist in Gange. Alles vorhersehbar von daher also gewollt.

Herr Hans Mayer

19.06.2017, 12:39 Uhr

Natürlich wird es weitere Anschläge geben, nicht nur in England, auch bei uns.
So ist es eben wenn man dieser angeblichen Friedensreligion freie Hand läßt.
Das beste Beispiel war doch am 17 Juni das beschämend wenige Moslems es überhaupt für nötig hielten an der Demo teilzunehmen,
Für uns und unseren Staat setzen diese Leute sich nicht ein, wenn der Sultan ruft, dann kommt Wallung in die deutschen Städte

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