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28.03.2016

13:20 Uhr

Anschlag von Brüssel

Opferzahl wohl noch höher als bekannt

Die Zahl der Opfer ist nach den Attentaten in der belgischen Hauptstadt auf 31 nach oben korrigiert worden. Unterdessen geraten europaweit immer mehr Verdächtige ins Visier der Ermittler, es gab weitere Festnahmen.

Gedenkstätte an der Metro-Station Maelbeek, wo Attentäter mehrere Menscheh mit in den Tod nahmen. AP

Blumen und Kerzen

Gedenkstätte an der Metro-Station Maelbeek, wo Attentäter mehrere Menscheh mit in den Tod nahmen.

Brüssel, Den HaagSelbst knapp eine Woche nach den Brüsseler Terroranschlägen stiften die belgischen Behörden mit ihren Angaben zur Opferzahl weiterhin Verwirrung. Das nationale Krisenzentrum korrigierte nun frühere Informationen und spricht nunmehr von mindestens 31 Terroropfern, deren Leichen an den Tatorten geborgen worden seien. Hinzu kommen demnach die drei Selbstmordattentäter. Allerdings kursieren innerhalb des belgischen Verwaltungsapparats anscheinend Informationen zu noch mehr Todesopfern, über die noch nicht alle Stellen im Bilde sind. Ein Sprecher des Krisenzentrums wies darauf hin, dass die Zahl der Toten eigentlich noch höher sei, weil die Lage nach wie vor unübersichtlich sei.

Ein Sprecher des Krisenzentrums wies überraschend darauf hin, dass die Zahl der Toten eigentlich noch höher sei, weil weitere Menschen in Krankenhäusern verstorben seien. Angaben dazu, wie hoch die Opferbilanz am Ende ausfallen könnte, konnte er nicht machen. 28 der Getöteten sind den Angaben zufolge mittlerweile identifiziert, drei Familien warten hingegen noch auf die Ergebnisse der DNA-Analyse.

Die Verwirrung sei der sich entwickelnden Situation geschuldet, sagte der Sprecher. Außerdem seien für die Zählung der Leichen am Tatort und der in den Krankenhäusern verstorbenen Menschen unterschiedliche Stellen verantwortlich. Für letztere ist demnach letztlich das Gesundheitsministerium und nicht das Krisenzentrum zuständig. „Der Informationsfluss braucht Zeit“, sagte der Sprecher.

Zuvor hatte das Krisenzentrum mitgeteilt, die drei toten Attentäter seien Teil der bereits bekannten Opferbilanz mit 31 Toten – damit wären 28 Unschuldige bei den Explosionen am Brüsseler Flughafen und in einer Metrostation der belgischen Hauptstadt ums Leben gekommen. Nun ist aber die Rede von 31 unschuldig Getöteten, deren sterbliche Überreste geborgen worden seien.

Belgien und der Islamismus

Anschlag auf Jüdisches Museum

Am 24. Mai 2014 erschießt der Islamist Mehdi Nemmouche bei einem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel vier Menschen. Der Täter ist Franzose. Er wird später im südfranzösischen Marseille verhaftet und nach Belgien ausgeliefert. Nemmouche ist bislang nicht verurteilt.

Belgische Kämpfer in Syrien

Aus keinem EU-Land sind hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung so viele Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg gezogen wie aus Belgien. Das berichtete das britische Magazin „The Economist“ im Vorjahr. Nach einer aktuellen Auflistung des Thinktanks Brookings reisten bislang bis zu 650 Kämpfer aus Belgien in das Konfliktland.

Syrien-Rückkehrer in Verviers

In der Stadt Verviers sollen nach Angaben des belgischen TV-Senders RTL-Info bis zu zehn Syrien-Rückkehrer gelebt haben. Verviers hat etwa 50.000 Einwohner und liegt rund 35 Kilometer südwestlich von Aachen.

Paris-Attentäter mit Kontakt nach Belgien

Einer der Attentäter, die das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo in Paris im Januar 2015 angriffen, hatte Verbindungen nach Belgien. Ein Mann aus dem südbelgischen Charleroi hatte in den vergangenen Monaten mit Amedy Coulibaly über den Kauf eines Autos und von Waffen verhandelt. Die Polizei habe entsprechende Dokumente bei dem Verdächtigen gefunden, berichteten belgische Medien. Coulibaly hatte am Freitag in einem koscheren Supermarkt in Paris Geiseln genommen und vier Menschen erschossen. Er selbst wurde anschließend von der Polizei getötet. Auch einige der Terroristen der Pariser Attentate vom November 2015 kamen ursprünglich aus Belgien.

Nach den Anschlägen geraten europaweit immer mehr Verdächtige ins Visier der Ermittler. Am Sonntag nahm eine niederländische Anti-Terror-Einheit in Rotterdam einen 32-jährigen Franzosen fest. Er wird von der französischen Justiz verdächtigt, an der Vorbereitung eines Anschlags in Frankreich beteiligt zu sein, wie die Staatsanwaltschaft Rotterdam mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann schnell nach Frankreich ausgeliefert wird. Die französische Justiz hatte bereits am Freitag um die Festnahme ersucht. Bei der Razzia am Sonntag wurden zudem drei weitere Personen festgenommen. Die belgische Staatsanwaltschaft ließ am Sonntag 13 Wohnungen durchsuchen, die meisten im Großraum Brüssel. Eine ausdrückliche Verbindung zu den Attentaten vom Dienstag stellte die Behörde aber nicht her. Von neun Festgenommenen wurden bis zum Nachmittag fünf wieder auf freien Fuß gesetzt.

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