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17.07.2015

14:30 Uhr

Anschlagspläne gegen das Militär

Verfahren gegen Terrorverdächtige in Frankreich beginnt

Sie hatten im Auftrag des IS angeblich eine kleine Marine-Einrichtung am Mittelmeer im Visier: Drei junge Männer haben Terrorpläne in Frankreich gestanden. Im Internet sollen sie sich radikalisiert haben.

In Frankreich beginnt der Prozess gegen drei mutmaßliche Islamisten. Sie sollen einen Anschlag auf einen Marinestützpunkt geplant haben. dpa

Pariser Staatsanwaltschaft eröffnet Verfahren

In Frankreich beginnt der Prozess gegen drei mutmaßliche Islamisten. Sie sollen einen Anschlag auf einen Marinestützpunkt geplant haben.

ParisDie Pariser Staatsanwaltschaft hat wegen des geplanten Anschlags auf das französische Militär ein Verfahren gegen drei mutmaßliche Islamisten eröffnet. Die Männer im Alter von 17, 19 und 23 Jahren hätten zugegeben, ein Attentat auf eine Einrichtung der Marine an der französischen Mittelmeerküste geplant zu haben, teilte Staatsanwalt François Molins am Freitag mit. Zwei von ihnen sagten demnach aus, dass sie die anwesenden Militärs umbringen und den Verantwortlichen enthaupten wollten. Das Attentat sei für Ende dieses oder Anfang des kommenden Jahres geplant gewesen.

Ein Beschuldigter soll Kontakt zu einem Angehörigen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien gehabt haben, der ihn aufforderte, „vor Ort in Frankreich zuzuschlagen“. Dies habe die Auswertung von Computern und Handys ergeben. Die drei Männer hatten sich über das Internet kennengelernt und sollen sich über IS-Videos radikalisiert haben. Den Angaben zufolge wollten sie ursprünglich nach Syrien reisen, um sich den Dschihadisten anzuschließen. Dem 17-Jährigen hatten die Behörden aber auf Bitten seiner Mutter hin verboten, das Land zu verlassen.

Stattdessen nahmen die Männer daher einen kleinen Standort der Marine in Port-Vendres südöstlich von Perpignan ins Visier, von wo ein Teil der Mittelmeerküste überwacht wird. Der älteste Verdächtige kannte den Stützpunkt: Er war zeitweise selbst als Soldat dort eingesetzt worden, im Januar musste er die Marine nach mehreren Krankschreibungen aber verlassen.

Islamistische Szene in Deutschland

Salafisten in Deutschland

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43.000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 7000 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. 2011 waren es noch etwa halb so viel. Besonders stark sind die Salafisten in Nordrhein-Westfalen vernetzt.

Millitante Islamisten

Mindestens 600 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Kämpfer kehren zurück

Etwa 200 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland. Aber nur von einem kleinen Teil davon – etwa 35 Personen – ist bekannt, dass sie aktiv am bewaffneten Konflikt beteiligt waren. Rund 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz in Syrien und dem Irak gestorben. Mindestens zehn sprengten sich bei Selbstmordanschlägen in die Luft. Dies sind aber nur die bekannten Fälle.

Diese Islamisten sind gefährlich

Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein. Etwa 1000 Menschen in Deutschland werden dem „islamistisch-terroristischen“ Spektrum zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil sie oft radikalisiert zurückkommen - und zum Teil kampferprobt.

Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft für die Männer. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten vorgeworfen. Innenminister Bernard Cazeneuve hatte die Festnahme der Männer am Mittwoch bekanntgegeben. Ein 16-Jähriger, der am Montag zunächst gleichzeitig mit den drei Verdächtigen festgesetzt worden war, ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Frankreich engagiert sich stark im Kampf gegen radikale Islamisten und steht deshalb im Visier von Terroristen. Im Januar hatten die blutigen Anschläge auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt das Land erschüttert, die Regierung berichtete seitdem mehrfach von vereitelten Anschlagsplänen.

Von

dpa

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