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22.12.2011

08:12 Uhr

Anschlagsserie in Bagdad

Irak droht nach US-Abzug das Chaos

Mehrere Bomben erschütterten die irakische Hauptstadt, 18 Menschen starben. Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten flammt nur wenige Tage nach dem Abzug der letzten US-Soldaten wieder auf.

Der Abzug der amerikanischen Truppen im Irak hinterlässt ein Machtvakuum. dpa

Der Abzug der amerikanischen Truppen im Irak hinterlässt ein Machtvakuum.

Bagdad/LondonKaum haben die letzten amerikanischen Soldaten den Flieger Richtung Heimat bestiegen, droht der Irak wieder im Chaos zu versinken. Bei einer Anschlagsserie in Bagdad starben am Donnerstagmorgen Medienberichten zu Folge 18 Menschen. Nach Angaben von Sicherheitsbeamten wurden Dutzende weitere verletzt, als mindestens sieben Explosionen mehrere Viertel in der Hauptstadt erschütterten.

Sie seien Opfer zweier am Straßenrand im Halawi-Bezirk versteckter Sprengsätze geworden, hieß es. Zudem sei eine Autobombe im östlichen Stadtteil Karrada explodiert. Auch in Bab al-Moadam im Norden der Stadt habe es Explosionen gegeben. Dabei seien drei Menschen verletzt worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der britischen BBC. Wer hinter den Anschlägen steckt, war zunächst noch unklar.

Die Attacken waren die folgenschwersten seit dem Beginn einer politischen Krise zwischen Schiiten und Sunniten am vergangenen Wochenende. Der Streit zwischen dem schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und dem sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al Haschemi hat die Furcht vor einem Wiederaufflammen der religiös motivierten Gewalt im Irak zunehmen lassen. Der lange schwelende Konflikt könnte wieder eskalieren, nachdem die US-Truppen als Vermittler und Schlichter aus dem Land abgezogen sind. Die fragile Machtteilung zwischen Schiiten und Sunniten ist dadurch in Gefahr.

Die Sunniten wiesen am Mittwoch von Vorschlag des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki zurück, in den kommenden Tagen parteiübergreifende Gespräche abzuhalten. Maliki stehe für den eigentlichen Grund der Krise und leiste keinen Beitrag zur Lösung, begründete der wichtigste sunnitische Block im Parlament seine Ablehnung. Maliki drohte den Sunniten im Gegenzug mit einem dauerhaften Ausschluss von der Macht, sollten sie die Koalition platzen lassen. US-Vizepräsident Joe Biden rief die Beteiligten zu Gesprächen auf.

Zugleich verlangte Maliki von den ebenfalls an der Regierung beteiligten Kurden, den mit Haftbefehl gesuchten sunnitischen Vizepräsidenten Tarek al-Haschemi auszuliefern. Haschemi, dem die Zusammenarbeit mit Todesschwadronen vorgeworfen wird, hatte sich in die halb-autonome Region Kurdistan abgesetzt. Die Flucht werde zu Problemen führen, warnte Maliki und sicherte seinem Vize einen fairen Prozess zu. Haschemi weist die Vorwürfe zurück und hat sich bereiterklärt, sich in Kurdistan den Richtern zu stellen.

Unter Führung der USA hatten sich die Religionsgruppen auf eine Machtteilung geeinigt. Demnach hat der schiitische Ministerpräsident einen sunnitischen und einen kurdischen Stellvertreter. Dem kurdischen Präsidenten stehen je ein schiitischer und ein sunnitischer Vize zur Seite. Die Sunniten stellen wiederum den Parlamentspräsidenten - mit einem schiitischen und einem kurdischen Stellvertreter. Am Sonntag hatten die letzten US-Kampftruppen den Irak nach fast neun Jahren verlassen.

Kommentare (5)

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sterbende_demokratie

22.12.2011, 09:00 Uhr

bla,bla,blub....

Verehrtes Handelsblatt, bitte unbedingt diesen Artikel archivieren.

Den könnt ihr dann in 10 Jahren nochmals drucken wenn der Demokratiebringer USA dann den Iran verlässt!

Account gelöscht!

22.12.2011, 09:12 Uhr

Diesen Volltrotteln ist so oder so nicht zu helfen, eigentlich schade.

Account gelöscht!

22.12.2011, 09:30 Uhr

Das ist doch genau das Ziel des militärisch-industriell-politischen Filzes:

Man destabilisiert ein Land per CIA-Untergrundagitation oder einfach per offenem Krieg. Das danach entstehende Chaos und die schwache Regierung bietet dann beste Möglichkeiten für ein ungehindertes Ausrauben der Rohstoffe, ohne, dass es gleicht die ganze Welt mitbekommt. Ein bisschen Bestechung und schon hat man die richtigen Verträge und der Rubel, pardon der Dollar rollt.

Warum sind wir mit diesem imperialistischen Staat, diesem Folter- und Unterdrückungsregime eigentlich verbündet? Damit uns die Russen nicht überennen?

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