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16.01.2012

12:46 Uhr

Ansteckungsgefahr

Wien schaut mit Sorge auf Budapest

VonStefan Menzel

Ein Staatsbankrott Ungarns ist nicht völlig auszuschließen. Besonders schaden würde das den Gläubigerländern Österreich und Deutschland. Vor allem die Banken aus der Alpenrepublik sind stark im Nachbarland vertreten.

Das Logo der Erste Bank: Österreichs Banken sind besonders stark in Ungarn vertreten. dapd

Das Logo der Erste Bank: Österreichs Banken sind besonders stark in Ungarn vertreten.

WienNoch will Ungarn die Zahlungsunfähigkeit vermeiden, noch besteht die Chance, dass es zu einer Einigung zwischen der Budapester Regierung und den Verhandlungspartnern IWF und EU über ein milliardenschweres Hilfspaket kommen wird. Doch ganz auszuschließen ist ein Staatsbankrott trotzdem nicht. Den größten Schaden daraus hätten dabei Österreich und Deutschland, die beiden wichtigsten Gläubigerländer der Ungarn.

Mit etwa 30 Milliarden Euro hat die Alpenrepublik die meisten ausstehenden Forderungen bei den ungarischen Nachbarn. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel folgt Deutschland an zweiter Stelle mit etwa 20 Milliarden Euro. Vergleichsweise wichtige Gläubigerländer sind außerdem Italien und Belgien.

In Österreich geht entsprechend die Angst um, dass ein Staatsbankrott in Ungarn große Probleme auslösen könnte. Deutschland ist zehnmal so groß wie Österreich – die 30 Milliarden Euro an ausstehenden Forderungen in Ungarn wiegen in der kleinen Alpenrepublik also ungleich schwerer. Österreich ist in Ungarn vor allem über seine Banken exponiert. Die großen Geldhäuser aus Wien hatten sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fast überall in Osteuropa engagiert – und natürlich auch in Ungarn.

So bewertet S&P die Euro-Länder

Belgien

Aktuelles Rating: AA

Ausblick: negativ

Deutschland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: stabil

Estland

Aktuelles Rating: AA-

Ausblick: negativ

Finnland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Frankreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Irland

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Italien

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Luxemburg

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Malta

Aktuelles Rating: A-

Ausblick: negativ

Niederlande

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Österreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Portugal

Aktuelles Rating: BB

Ausblick: negativ

Slowakei

Aktuelles Rating: A

Ausblick: stabil

Slowenien

Aktuelles Rating: A+

Ausblick: negativ

Spanien

Aktuelles Rating: A

Ausblick: negativ

Zypern

Aktuelles Rating: BB+

Ausblick: negativ

Von offizieller Seite kommen in Wien durchgehend Beruhigungsversuche, Österreich und seine Banken hätten bei einer ungarischen Pleite nichts zu befürchten. „Unsere Banken sind ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet, es besteht keine Gefahr“, sagt Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny. Er bezeichnet die Lage in Ungarn als „Herausforderung“.

Auch wenn Ungarn Zahlungsunfähigkeit anmelden müsste, heißt das nicht automatisch, dass in Österreich gleich der gesamte Betrag von 30 Milliarden Euro verloren wäre. Vor allem Kredite an den Staat wären wahrscheinlich in Gefahr, Unternehmen und privaten Haushalten droht nicht automatisch zeitgleich die Pleite. „Das potenzielle Länderrisiko für österreichische Banken in Ungarn sollte eher in der Nähe von 30 Prozent aller Forderungen liegen“, meint Gunter Deuber, Osteuropa-Volkswirt bei der Raiffeisen-Bankengruppe in Wien.

Kommentare (1)

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16.01.2012, 15:19 Uhr

Die österreichischen Banken wollten ihr ganz neues Kuk aufbauen, mit dümmlichen Krediten. Die CSU-Bayern LB dachte sich; "Das klingt doch prima. Da machen wir mit!"
Hat irgendwie nicht hingehauen. Ist ja auch logisch, wenn man 20 Millionen Huf Kredite an Leute mit 120.000 Forinth Monatseinkommen vergibt. Und das massenhaft. Die Blase ist geplatzt und jetzt gucken alle blöd aus der Wäsche. "Na sowas? Wie konnte das nur passieren. Da muss wohl der böööse Orban dran schuld sein. Wo wir doch nur Gutes wollten. Naja, zum Glück gibts da noch den Steuerzahler. Das mit dem Verlust des Tripple A tut uns natürlich irgendwie leid, aber wir sind schon fast drüber weg. Jetzt kann man ja ein wenig die Pensionen kürzen. War eh schon längst überfällig!"

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