Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.10.2011

13:17 Uhr

Anti-Banken-Proteste

„Ich bin ein Prozent“

VonOliver Stock

Die Anti-Banken-Bewegung glaubt, sie sei der Heilsbringer in der Krise. Doch in Wirklichkeit lebt auch sie gut vom billigen Geld der Banken, die sie zerschlagen will. Eine Gegenrede.

Nicht alle verteufeln dieser Tage die Banken.

Nicht alle verteufeln dieser Tage die Banken.

Ich glaube, dass jede Bank ihr Gutes hat. Und ich glaube sogar an das Gute im Investmentbanker, dem viel Gescholtenen. Ich will nicht, dass eine Bank, nur weil sie groß ist, zerschlagen wird. Und ich beglückwünsche jedes Unternehmen, Banken ausdrücklich eingeschlossen, dem es gelingt, eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften. Wenn diejenigen, die jetzt gegen die Macht der Banken auf die Straße gehen, von sich sagen, sie seien 99 Prozent, dann bin ich eben das eine Prozent. Ich sage: „Wir brauchen mächtige Banken.“

Natürlich haben es viele Banker arg getrieben. Sie haben dafür gesorgt, dass die alte Normalität in Vergessenheit geraten ist. Sie hatte darin bestanden, dass der Bürger sparte, dass er sein Geld zur Bank brachte und dass die es dann an Investoren verlieh. So wuchs Wohlstand. Inzwischen gibt es Wohlstand vor allem auf Pump, weil Banken dazu beigetragen haben, dass nicht nur echtes Geld verliehen wird, sondern dass sich rund um diesen einfachen Vorgang eine Welt der Finanzinstrumente entwickelt hat, die alles andere als durchsichtig ist. Es gibt Derivate, Zertifikate und Versicherungen darauf, falls etwas schiefgeht mit diesen Produkten.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Aber anstatt diese Produkte zu nutzen, um reale Geschäfte abzusichern, wird der Handel damit selbst zum Geschäftsmodell. Das treibt Blüten bis hin zu der Tatsache, dass beispielsweise die auf dem Papier gehandelte Menge Gold diejenige Menge, die wirklich existiert, bei weitem übertrifft. Und das ist schlecht. Sehr schlecht. Aber deswegen die Banken zu zerschlagen, ist noch schlechter. Es genügt, den Handel mit irrealen Werten zu begrenzen. Durch eine Finanzsteuer auf Derivate zum Beispiel.

Ich bin auch nicht der Meinung wie jene 99 Prozent, die jetzt protestieren und ihre Nach-dem-Mund-Sprecher in der Politik finden, dass sich seit der Finanzkrise in der Branche nichts getan hätte. Dass die Banken nichts gelernt hätten oder zumindest nicht zum Lernen gezwungen worden wären. In gewisser Weise ist die neue akute Unsicherheit darüber, wie die Banken dastehen, sogar eine Folge dieses Lernprozesses: Wir alle haben von unseren Banken und Versicherern verlangt, unser Geld in sichere Werte anzulegen. Was gab es Sichereres als Staatsanleihen aus unseren eigenen Ländern? Unter dem Sicherheitsaspekt konnte da keine Aktie mithalten, ja nicht einmal das eine oder andere Edelmetall.

Kommentare (81)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Stone_24

19.10.2011, 13:39 Uhr

wie wahr wie wahr ... die Deutschen waren mal das Volk der Dichter und Denker ... was ist davon übrig geblieben? leider nicht viel ... es regiert nur noch der Neid ... es ist jedem freigestellt sich weiter zu entwickeln ... das schließt auch Geld verdienen mit ein ... aber jammern ist einfach leichter als seinen faulen A... zu bewegen

willi

19.10.2011, 13:40 Uhr

Dann bin ich auch ein mehr als 1% + x er.
Danke für einen durchdachten Beitrag.
Ich habs mal durchgerechnet:
Am Samstag waren in Deutschland ca. 40.000 99%er unterwegs.
Bei ca. 80 Mio Deutschen komme ich da auf ledichlich 0,05%.
Selbst wenn man unterstellt, dass die Bewegung nur 10% Ihrer Sympathisanten mobilisieren konnte kommt man nur auf 0,5% Gleichgesinnte.
Ergebnis:
Leute, ihr müsst dringend eure Schilder umpinseln!

Hase71

19.10.2011, 13:43 Uhr

JAWOHL, Sie sind mehr als 1 Prozent!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×