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07.01.2016

16:04 Uhr

Anti-IS-Koalition

Iran wirft Saudi-Arabien Bombardierung der Botschaft im Jemen vor

Nach der Hinrichtung des Schiiten-Führers Nimr al-Nimr spitzt sich der Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran im Jemen zu. Angeblich habe Riad die iranische Botschaft in Sanaa bombardiert, sagt Teheran.

Die iranische Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wird von hohen Stahlwänden geschützt. Er habe keine Schäden erkennen können, sagte ein Reporter der Nachrichtenagentur AP. dpa

Botschaft in Sanaa

Die iranische Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wird von hohen Stahlwänden geschützt. Er habe keine Schäden erkennen können, sagte ein Reporter der Nachrichtenagentur AP.

TeheranBei Luftangriffen der von Saudi-Arabien geführten Allianz im Jemen soll die iranische Botschaft in der Hauptstadt Sanaa getroffen worden sein. Dies meldete die amtliche iranische Nachrichtenagentur am Donnerstag. Der Angriff habe sich am Vorabend ereignet.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP in Sanaa sagte dagegen, er könne an dem Gebäude keine Schäden erkennen. Das Viertel, in dem die iranische Vertretung steht, sei in der Vergangenheit mehrfach getroffen worden. Dort befänden sich mehrere strategisch wichtige Einrichtungen.

Die wichtigsten Akteure im Jemen

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Im vergangenen September eroberten rund 30.000 Anhänger die Hauptstadt Sanaa, Anfang des Jahres setzten sie dort Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung in deren Häusern fest. Binnen weniger Wochen brachten sie die Westküste und den Süden des Landes unter Kontrolle. (Quelle: dpa)

Abed Rabbo Mansur Hadi

Dem Präsidenten gelang im Februar die Flucht aus Sanaa in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er weiterzuregieren versuchte. Als die Huthis vorrückten, musste der von den USA und Saudi-Arabien unterstützte Staatschef auch seine dortige Residenz verlassen. Sein neuer Aufenthaltsort war zunächst unklar.

Saudi-Arabien

Saudi-Arabien hat als reichster Golfstaat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten. Seit Donnerstag fliegt die Monarchie Luftangriffe gegen Huthi-Stellungen.

Iran

Der Iran versucht hingegen als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen und forderte einen Stopp der militärischen Angriffe Saudi-Arabiens.

Ali Abdullah Salih

Der Ex-Präsident schlug einst Aufstände der Huthis nieder, heute gilt er als heimlicher Verbündeter der Rebellen. Die UN werfen ihm vor, das Chaos im Jemen geschürt zu haben und einen Weg zurück an die Macht zu suchen. Der Langzeitherrscher war nach Protesten gegen ihn Anfang 2012 zum Rücktritt gezwungen worden.

al-Qaida

Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten gelten als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Mit ihren Anschlägen gegen die schiitischen Huthis punkten sie vor allem bei ärmeren sunnitischen Stämmen.

Der angebliche Angriff liefert neuen Zündstoff im Konflikt der rivalisierenden Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien. Deren Verhältnis ist nach der Hinrichtung des schiitischen Oppositionellen Scheich Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien äußerst gespannt. Im schiitisch geführten Iran verwüsteten nach der Exekution am Wochenende wütende Demonstranten diplomatische Vertretungen des sunnitischen Königreichs Saudi-Arabien. Riad brach deshalb die diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab.

Im Jemen führen beide Länder seit Monaten eine Art Stellvertreterkrieg. Saudi-Arabien unterstützt die jemenitische Regierung im Kampf gegen die schiitischen Huthi-Rebellen, die Hilfe vom Iran bekommen. Sanaa ist in der Hand der Huthis.

Karte zur Lage im Jemen.

Karte zur Lage im Jemen.

Von

ap

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