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21.09.2012

09:08 Uhr

Anti-Islam-Video

Die USA wappnen sich gegen neue Proteste

Die USA fürchten neue Ausschreitungen von aufgebrachten Muslimen nach den Freitagsgebeten - und verbarrikadieren die Botschaft in Jakarta hinter Stacheldraht. Auch in Deutschland sind Kundgebungen geplant.

Proteste vor der US-Botschaft in Jakarta. AFP

Proteste vor der US-Botschaft in Jakarta.

Jakarta/BerinNach der Veröffentlichung weiterer Mohammed-Karikaturen in einem französischen Satire-Magazin werden in der islamischen Welt im Anschluss an die Freitagsgebete wieder heftige Proteste erwartet. In Nordafrika wurden vorsorglich zahlreiche französische Institute und Schulen geschlossen. Die USA machten ihre Vertretungen in Indonesien dicht. Auch die amerikanische Vertretung beim Verband der Südostasiatischen Länder blieb zu. Vor der Botschaft in Jakarta wurden Wasserwerfer aufgestellt, Stacheldraht wurde ausgerollt. Auf ihrer Website warnte die US-Vertretung, dass sich die Proteste gegen die Veröffentlichung des den Propheten Mohammed beleidigenden Videos jetzt stärker auch gegen amerikanische Geschäfte richten könnten. Vor allem Schnellrestaurants könnten ins Visier der Protestierenden geraten.

Der Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic", Leo Fischer, mit dem neuen Cover. dapd

Der Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic", Leo Fischer, mit dem neuen Cover.

Auch in Deutschland sind Protestkundgebungen geplant. So wollen in Freiburg Muslime gegen die Verunglimpfung des Propheten auf die Straße gehen. Die Polizei rechnet mit 800 Teilnehmern und erwartet einen friedlichen Verlauf. In Münster will ein Verein unter dem Motto „Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet“ in der Innenstadt demonstrieren. Auch in Hannover und Cuxhaven sind Kundgebungen geplant.

In vielen islamischen Ländern rund um den Globus kocht seit mehr als einer Woche Wut über ein im Internet verbreitetes Mohammed-Schmähvideo hoch. Etliche Menschen starben bei Krawallen. Davon unbeeindruckt provoziert das französische Magazin „Charlie Hebdo“ in seiner aktuellen Ausgabe mit seitenweise Karikaturen, die den Propheten auch nackt und in unsittlichen Posen zeigen.

Auch das deutsche Satire-Magazin "Titanic" wird kommende Woche mit einem Islam-Cover erscheinen. Chefredakteur Leo Fischer fürchtet jedoch deswegen keine Proteste von Muslimen vor den Redaktionsräumen. Sollte es dazu kommen, "dann werde ich in aller Ruhe erklären, wie dieser Titel gemeint ist", sagte Fischer am Freitagmorgen im Deutschlandfunk. Er kenne viele Muslime als liberale und tolerante Menschen, die auch einmal einen Witz verstünden. "Da habe ich keine Bedenken", sagte Fischer weiter.

Eine Chronik islamistischer Anschläge auf US-Einrichtungen im Ausland

7. August 1998

Bei zeitgleichen Anschlägen auf die Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen, Tausende werden verletzt. Drahtzieher ist Osama bin Laden.

12. Oktober 2000

Bei einem Anschlag auf den US-Zerstörer „USS Cole“ sterben im Hafen von Aden (Jemen) 17 Soldaten und zwei Täter, 39 Menschen werden verletzt. Hinter dem Anschlag steht eine mit Osama bin Laden verbündete Terrorgruppe.

14. Juni 2002

Vor dem US-Konsulat im pakistanischen Karachi explodiert ein Auto. Zwölf Pakistaner sterben. Im Februar hatte ein Attentäter vor dem Konsulat drei pakistanische Polizisten erschossen.

15. Oktober 2003

Bei einem Sprengstoffanschlag auf US-Bürger in den palästinensischen Autonomiegebieten sterben am Grenzübergang Eres drei Sicherheitsbeamte der US-Botschaft in Israel.

26. Mai 2004

Bei einer Explosion zweier Autobomben vor dem Pakistanisch-Amerikanischen Kulturzentrum im pakistanischen Karachi wird ein Polizist getötet.

6. Dezember 2004

Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im saudi-arabischen Dschidda werden fünf Konsulatsmitarbeiter und vier Attentäter getötet. Al-Kaida bekennt sich zur Tat.

18. März 2008

Bei einem Attentat auf die US-Botschaft in Sanaa stirbt ein jemenitischer Wachmann. Daraufhin werden große Teile des Personals abgezogen.

9. Juli 2008

Bei einem Feuergefecht vor dem US-Konsulat in Istanbul sterben drei türkische Polizisten und drei der vier Angreifer. Die Männer werden Al-Kaida zugerechnet.

4. März 2011

Ein Kosovo-Albaner beschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main einen Bus mit US-Soldaten. Zwei Amerikaner werden getötet, zwei weitere schwer verletzt. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Als Motiv nennt er Rache für US-Angriffe auf Muslime.

12. und 13. September 2012

Als Reaktion auf ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed stürmen Muslime US-Botschaften in mehreren Ländern. Beim Angriff auf das Konsulat im libyschen Bengasi werden vier Amerikaner getötet, darunter der Botschafter. Ägyptische Demonstranten greifen die Botschaft in Kairo an. Im Jemen stürmen am folgenden Tag mehrere hundert Demonstranten die US-Vertretung in Sanaa. Drei Angreifer sterben.

Kommentare (6)

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Kopfschuettler

21.09.2012, 10:18 Uhr

+++Beitrag von der Redaktion gelöscht+++

Ameise

21.09.2012, 11:05 Uhr

Bedauerlich, das die hiesigen Mosleme nicht gegen Gewalt und Mord auf deutschem Grund und Boden demonstrieren. Bis jetzt hat sich noch keiner von denn den Gewaltakten distanziert. Vielleicht sollten wir Deutschen das für die machen.Eine deutsche Demonstration deutschlandweit gegen islamische Gewalt.

Demokrat

21.09.2012, 11:52 Uhr

Leider haben unsere ach so kluge Volksvertreter viele Fehler bei der Einwanderungspolitik begangen.Nun geraten sie beim Thema Islam in Panik.Sie suchen fieberhaft nach Gründe um die schon eingeschränkte Meinungsfreiheit weiter einzuschränken.Eine Demokratie wird auf Dauer mit den meisten Mosleme nicht möglich sein.Jahrelang wurde um dieses Problem herumgeredet,obwohl jeder weiß es ist da.Deutschland ja ganz Europa hat ein großes Problem mit dem die Politiker hoffnungslos überfordet sind.
Ich habe viele Jahre in verschiedenen moslemiche Länder gelebt und gearbeitet ich weiß von was ich spreche.

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