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12.01.2015

11:58 Uhr

Anti-Terror-Einsatz in Frankreich

„Die Jagd geht weiter“

Die Lage bleibt angespannt, Frankreich wappnet sich: Premierminister Valls rechnet damit, dass die Terroristen Komplizen hatten. 10.000 Soldaten werden mobilisiert, vor jüdischen Einrichtungen sind Polizisten im Einsatz.

Manuel Valls: „Die Jagd geht weiter“ – Frankreichs Premierminister kündigte neue Schritte im Kampf gegen den Terrorismus an. AFP

Manuel Valls: „Die Jagd geht weiter“ – Frankreichs Premierminister kündigte neue Schritte im Kampf gegen den Terrorismus an.

Paris/GandhinagarZur Stärkung der inneren Sicherheit gegen Terroranschläge mobilisiert Frankreich 10.000 Soldaten. Sie sollen nach den Worten von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian „an sensiblen Punkten des Landes“ eingesetzt werden. Präsident François Hollande, in Frankreich oberster Befehlshaber der Streitkräfte, habe die Militärs mit Blick auf das Ausmaß der Bedrohung zur Beteiligung an der Sicherung aufgefordert, sagte Le Drian am Montag. Im Elysée-Palast fand am Montagmorgen erneut eine Krisensitzung zur islamistischen Bedrohung in Frankreich statt.

Zudem schützen fast 5000 Polizisten ab sofort die jüdischen Einrichtungen in Frankreich. Innenminister Bernard Cazeneuve gab am Montag in Montrouge südlich von Paris die Abordnung von 4700 Polizisten und Gendarmen für die 717 jüdischen Einrichtungen des Landes wie Schulen und Synagogen bekannt. Der Minister sprach in Montrouge vor den Eltern einer jüdischen Schule, die in der Nähe des Anschlagsortes liegt, an dem der Islamist Amedy Coulibaly am Donnerstag eine Polizistin erschossen haben soll.

Der Islamist, der bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde, hatte laut Polizei am Freitag in einem jüdischen Supermarkt vier Geiseln erschossen. Coulibaly gab an, dass er sich mit den beiden Islamisten „abgestimmt“ habe, die am Mittwoch in Paris die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ angegriffen und dort sowie auf ihrer Flucht insgesamt zwölf Menschen erschossen hatten.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Coulibalys im Rahmen der Terroranschläge gesuchte mutmaßliche Lebensgefährtin ist am 8. Januar von der Türkei aus nach Syrien gereist. Dies sagte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Nach der 26-jährigen Hayat B. wurde in Frankreich seit Freitag gefahndet. Sie war aber den türkischen Angaben zufolge zum Zeitpunkt der Pariser Terrorakte nicht mehr im Land.

Bereits am Wochenende war aus Sicherheitskreisen bekannt geworden, dass die Frau am 2. Januar - also rund eine Woche vor den Pariser Attentaten - auf dem Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen angekommen war. Nach zwei Nächten in der Großstadt soll sie nach Sanliurfa nahe der Grenze zu Syrien gereist sein, von dort dann am vergangenen Donnerstag in das Bürgerkriegsland selbst.

Die Sicherheitslage in Frankreich sieht Premierminister Manuel Valls dennoch unverändert. Deswegen bleibe die höchste Terrorwarnstufe in Kraft. Die französische Polizei suche nun nach Unterstützern der islamistischen Terroristen. Es gebe „ohne Zweifel einen Komplizen“, sagte Valls gegenüber dem Sender BFMTV. „Die Jagd geht weiter“; mehr wolle er dazu nicht sagen.

Kommentare (15)

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Sergio Puntila

12.01.2015, 10:43 Uhr

„Die Jagd geht weiter“
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Nach 2001 hatte die westliche Wertegemeinschaft im Gefolge des Rachefeldzugs der Bush-Administration gegen den Rest der Welt alles unternommen, um den von G.W.Bush repräsentierten USA gegenüber nicht nachlässig zu erscheinen.

Nach 14 Jahren chirurgisch-militärischen bisweilen präzisen Reaktionen auch aus Europa kann ein dahingeblafftes sie seien Charlie lediglich zur politischen Bankrotterklärung geraten.

Dass Charlie Hebdo bisweilen bedenklich vor sich hinkarikiert hatte - einige Karikaturen wären hierzulande wg Volksverhetzung durchaus indexfähig einschätzbar - kann indes kaum darüber hinwegtäuschen, was Legida mit ausgewählten Karikaturen Hebdo's tatsächlich beabsichtigt: Nicht nur Antiislamismus zu formulieren sondern zudem einen hierzulande fast vergessen scheinenden Antisemitismus, den Hebdo bisweilen auch zu formulieren wusste.

Mit starkem Strich auch bediente Hebdo eine trübe Sauciere, die als Pegida ea hierzulande Staat machen will.

Herr Thomas Ungläubig

12.01.2015, 10:54 Uhr

„Die Jagd geht weiter“

Jetzt muss ein neuer Jäger her…

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/10/terror-in-frankreich-ermittelnder-kommissar-begeht-selbstmord-2/

Per Zufall gefunden. Ansonsten im Mainstream-Blätterwald gähnende Leere.

Herr Teito Klein

12.01.2015, 11:08 Uhr

Es gibt keinen islamistischen Terror
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Das sind alles nur Verschwörungstheorien vom Westen.
Islam bedeutet doch "Frieden".
Und deshalb brauchen die 5.000 Polizisten auch keine israelischen Einrichtungen überwachen.
Die Polizisten haben sicherlich wichtigeres zu tun! (Strafzettel verteilen, Raser blitzen). Das bringt Geld in die Kommunen.

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