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09.06.2014

15:29 Uhr

Antisemitischer Ausfall

Le Pen will jüdischen Sänger „in den Ofen schieben“

VonThomas Hanke

Der Ehrenvorsitzende des Front National bringt die Partei seiner Tochter in Bedrängnis. Marine Le Pen scheute bisher den Kampf zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Droht dem Front National die Zerreißprobe?

„Ach ja, das nächste Mal schieben wir sie alle zusammen in den Ofen!“ Jean-Marie Le Pen sorgt bei den Franzosen mit seinen Äußerungen für Empörung. AFP

„Ach ja, das nächste Mal schieben wir sie alle zusammen in den Ofen!“ Jean-Marie Le Pen sorgt bei den Franzosen mit seinen Äußerungen für Empörung.

ParisGerade noch hat Frankreichs Front National sich über ihren Erfolg bei der Europawahl gefreut, da spuckt ihr der Ehrenvorsitzende höchstpersönlich in die Suppe. Parteigründer Jean-Marie Le Pen bricht einen Streit im Familienbetrieb vom Zaun und legt sich mit seiner Tochter und Nachfolgerin an. Ihn stört die Strategie der „Entteufelung“ (dédiabolisation), die seine Tochter fährt. In einem per Video über die FN-Webseite verbreiteten Interview hielt er mit einer seiner abstoßenden antisemitischen Tiraden dagegen.

Nachdem er Madonna und andere Stars beschimpft hat, die den Sieg der Rechtsextremen in Frankreich bedauert hatten, fragt ihn seine Interviewerin: „Da ist doch auch noch Herr Bruel?“ Patrick Bruel ist ein französischer Schauspieler und Sänger jüdischer Abstammung. Darauf Le Pen: „Ach ja, das nächste Mal schieben wir sie alle zusammen in den Ofen!“

Während die Front-Spitze bei allen früheren Gelegenheiten ihren Ehrenvorsitzenden verteidigt hat, rückt sie nun von ihm ab. Marine Le Pen sagte zwar, er sei „falsch interpretiert worden“, hielt ihm aber zugleich vor, einen „politischen Fehler begangen“ zu haben. Der bestehe allerdings nicht in der Anspielung auf den Holocaust, sondern darin, „dass er nicht vorausgesehen hat, wie seine Äußerung interpretiert würde.“ Das Video ließ sie von der Webseite entfernen. Auch in der Vergangenheit hat die Tochter stets denen die Schuld gegeben, die antisemitische oder rassistische Witze ihre Vaters aufgriffen, nie ihm selber. Doch ist es neu, dass sie ihm politische Fehler ankreidet. Der FN-Abgeordnete Gilbert Collard legte dem Ehrenvorsitzenden dagegen nahe, „in Pension zu gehen“.

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Das hat der mehrfach wegen Antisemitismus und Leugnen des Holocaust Verurteilte allerdings überhaupt nicht vor. Am Montag legte er in einem Radiointerview nach : „Den politischen Fehler begehen diejenigen, die sich dem politisch korrekten Einheitsdenken beugen.“ Einige Führer der FN wollten „den anderen politischen Parteien gleichen, die irren sich, nicht ich.“

Der Front-Gründer bringt damit Spannungen offen zum Ausdruck, die in der Partei bestehen. Die Strategie von Marine Le Pen, sich nicht mehr rassistisch und antisemitisch zu zeigen, sondern Angriffe auf die EU und den Euro ins Zentrum zu stellen, haben zu Wahlerfolgen geführt. Doch zugleich droht die Front, das rechtsradikale Milieu nicht mehr offen zu bedienen. Dem aber verdankt es nicht nur seine Entstehung, sondern bis heute seine tragende völkische Ideologie – und nicht zuletzt die kurzgeschorenen Ordnertruppen in Stiefeln, die bei FN-Veranstaltungen in Erscheinung treten.

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