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04.01.2010

19:57 Uhr

Antiterror-Kampf

Schärfere Kontrollen und Razzien weltweit

VonRüdiger Scheidges

Weltweit suchen Behörden und Regierungen nach wirksamen Mitteln im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. In Europa wird die Einführung der umstrittenen „Nacktscanner“ diskutiert, die in den USA bereits im Einsatz sind. Unterdessen kam es erneut an einem amerikanischen Flughafen zu einem Zwischenfall.

Flughafen Newark: 2000 bis 3000 Fluggäste mussten die Sicherheitsschleusen mehrfach passieren. ap

Flughafen Newark: 2000 bis 3000 Fluggäste mussten die Sicherheitsschleusen mehrfach passieren.

BERLIN. Weltweit haben Behörden und Regierungen am Montag Sicherheitsmaßnahmen verschärft oder neue Vorkehrungen gegen Anschläge diskutiert. Im Flugverkehr kam es deshalb zu Verspätungen. Mehrere Staaten schlossen außerdem ihre Botschaften im Jemen. Das arabische Land rückt nach dem gescheiterten Flugzeugattentat vom ersten Weihnachtstag im Luftraum von Detroit in den Blick des Antiterror-Kampfs der USA.

Im Gegensatz zu Frankreich, Großbritannien, Japan und den USA hat Deutschland die Botschaft in Jemens Hauptstadt Sanaa nicht geschlossen. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, würden vorerst nur die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Nach Angaben von John Brennan, Antiterrorexperte des US-Heimatschutzministeriums, habe es vor Wochen schon eindeutige Hinweise gegeben, wonach Anschläge gegen die diplomatische Vertretung der USA in Sanaa geplant seien. Der Außenminister des Jemens, Abubakr al Qirbi, hatte kürzlich die Zahl der El-Kaida-Terroristen im Jemen mit 300 beziffert.

In Europa prüft die EU-Kommission einen erneuten Vorstoß zur europaweiten Einführung der umstrittenen „Nacktscanner“ an Flughäfen. Dazu kommt in den nächsten Tagen eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Mitgliedstaaten zusammen. „Es geht um die Frage, ob die EU einen Rahmen vorgibt und die nationalen Regelungen harmonisiert“, sagte eine Kommissionssprecherin am Montag in Brüssel.

In der EU haben Großbritannien und die Niederlande die Einführung dieser Scanner angekündigt, die Passagiere bis auf die Haut durchleuchten. In Deutschland müssen sich Fluggäste wahrscheinlich schon in diesem Jahr auf die umstrittenen Kontrollen einstellen.

In den USA sind solche Scanner bereits im Einsatz, um beispielsweise Plastiksprengstoff zu finden. Experten in Deutschland bezweifeln indes eine hundertprozentige Zuverlässigkeit der Scanner und warnen darüber hinaus vor einer Verengung der Sicherheitsdebatte auf Technik.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, beklagte, Untersuchungen der GdP hätten belegt, dass das Personenkontrollsystem „löchrig“ sei. Freiberg führt die Sicherheitsdefizite auf Einsparungen der Flughäfen und der Fluggesellschaften zurück.

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