Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2013

23:26 Uhr

Appell an UN-Sicherheitsrat

Syrische Opposition fordert mehr Druck auf Assad

Die syrische Opposition hat erstmals seit Beginn des Aufstands gegen Machthaber Baschar al-Assad im UN-Sicherheitsrat für ihre Sache geworben. Der dringlichste Appell richtete sich an Russland.

Der syrische Oppositionsführer Ahmed al-Dscharba (rechts) forderte die Mitglieder der UN-Sicherheitsrates dazu auf, mehr Druck auf Assad auszuüben. ap

Der syrische Oppositionsführer Ahmed al-Dscharba (rechts) forderte die Mitglieder der UN-Sicherheitsrates dazu auf, mehr Druck auf Assad auszuüben.

New YorkDie syrische Opposition hat vor dem UN-Sicherheitsrat ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einer Friedenskonferenz bekräftigt. Bedingung sei allerdings, dass die syrische Regierung sich verpflichte, einen Plan umzusetzen, nach dem Präsident Baschar al-Assad die Macht an eine Übergangsregierung übergibt.

Oppositionsführer Ahmed al-Dscharba erklärte am Freitag in New York, er habe vor den Mitgliedern des Sicherheitsrates nachdrücklich betont, dass die Opposition „weit mehr internationalen Druck benötigt, um das Assad-Regime dazu zu zwingen, einen politischen Übergang zu akzeptieren“. Andernfalls werde das Regime niemals zurücktreten, und seine gewaltsame Repressionen würden weitergehen, sagte der Präsident der Syrischen Nationalen Koalition.

Das informelle Treffen war das erste zwischen Führern der Opposition und dem mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen. Die führenden Vertreter des Widerstands appellierten vor allem an Russland, die politische und militärische Hilfe für Assad zu beenden. Der Stopp der russischen Unterstützung würde "das verbrecherische Regime daran hindern, weiter Verbrechen gegen das syrische Volk zu begehen", sagte Nadschib Ghadbian von der Nationalen Syrischen Koalition nach dem Treffen vor Journalisten.

Die Vertreter der Opposition trafen in New York die UN-Botschafter der 15 Mitglieder des Sicherheitsrates. Dscharba, Präsident des Sammelbeckens Syrische Nationale Koalition, wiederholte nach den Gesprächen zwar nicht seine Forderung nach Waffenlieferungen an die Rebellen. Er sagte aber, so lange die Regierung um Präsident Baschar al-Assad "Krieg gegen das syrische Volk" führe, müsse die Opposition ein Recht auf Selbstverteidigung haben.

Der britische UN-Botschafter Mark Lyall Grant erklärte, die Opposition habe die "positive" Botschaft überbracht, dass sie sich in Syrien gegen Extremismus und für Demokratie einsetze. Ein Durchbruch in Bezug auf die geplante Friedenkonferenz in Genf gab es aber offenbar nicht. Der Sicherheitsrat habe sich von der "Entschlossenheit" der Opposition überzeugen können, sagte Lyell Grant. Es bleibe aber abzuwarten, ob auch die syrische Staatsführung zur Mitwirkung entschlossen sei.

Der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin sagte, es gebe auf dem Weg zu der Friedenskonferenz noch "einige Hindernisse zu überwinden". Die 'Konferenz müsse "ohne Vorbedingungen" abgehalten werden. Die syrische Opposition hat mehrfach erklärt, dass Assad von einer Übergangsregierung ausgeschlossen werden müsse und dass die Rebellen die volle Kontrolle über Armee und Sicherheitskräfte erlangen müssten.

Russland und China haben mit ihrem Veto bereits drei Resolutionen des Rats verhindert. Der russische Botschafter bei den UN, Vitali Tschurkin, sprach nach den Gesprächen von einem nützlichen Treffen. Es sei nun an der Weltgemeinschaft, beide Seiten an einen Tisch zu bringen, um das Blutvergießen zu beenden.

Die USA, Russland und die UN bemühen sich seit Monaten um eine Friedenskonferenz für Syrien. Bislang sind ihre Anstrengungen vergebens gewesen. UN-Diplomaten nannten es höchst unwahrscheinlich, dass die in Genf geplante Konferenz in der nächsten Zeit zustande kommen wird. Nach jüngsten Zahlen der Weltorganisation sind seit Beginn des Aufstandes gegen Assad, der sich mittlerweile zum Bürgerkrieg ausgewachsen hat, mehr als 100.000 Menschen getötet worden.

In Syrien wurden unterdessen mindestens 150 Regierungssoldaten getötet, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Sie seien bei Kämpfen in der Stadt Khan al-Assal in der Provinz Aleppo getötet worden. Zudem seien bei Angriffen von Regierungstruppen in der Provinz Idlib mindestens zehn Menschen getötet worden. Weitere zehn Menschen seien getötet und rund 50 verletzt wurden, als Raketen in einem Vorort von Aleppo einschlugen.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Bernard_Lewis_oder_Yinon_Plan

27.07.2013, 01:28 Uhr

Die sogenannte ‘syrische Opposition' erscheint in Wahrheit weitgehend nicht-syrisch, eingeschleust, fanatisch, islamistisch und ist berüchtigt für Kannibalismus und das Massenermorden von Christen, Juden und gemäßigten Muslimen in dem vormals toleranten Syrien.

Wer den Hintergrund für das Spiel des Westens verstehen will, google besser einmal den Bernard Lewis Plan und Yinon Plan oder schaut einmal bei Tarpley.net nach!

Das Handelsblatt sollte sich und den Leser besser informieren!

Vitalis

27.07.2013, 08:09 Uhr

Unübersichtliche Lage in Syrien
Die sogenannte syrische Opposition ist ein diffuse
Sammlung von Gruppen, die sich zum Teil gegenseitig
bekämpft. So gab es Auseinandersetzungen zwischen der FSA
und Dschihadisten vor einigen Tagen. In Nordsyrien be-
kämpfen die Al-Qaida nahe Al-Nusra-Front kurdische Gruppierungen in Nordsyrien und schreckt auch nicht davor
zurück, 100 kurdische Zivilisten in Geiselhaft zu nehmen.
Die Al-Nusra-Front operiert offenbar von türkischen Gebiet
aus. Völlig ausgeblendet wird, dass die syrischen Kurden
ihre Autonomie vorbereiten (österreichische Zeitschrift
der Standard). Syrien scheint in drei Teile zu zerfallen.
Eine wirkliche einheitliche Oppostion gibt es nicht. Wen
wollen die US-Strategen dann mit Waffen beliefern?

Account gelöscht!

27.07.2013, 08:36 Uhr

Es steckt in diesem Fall noch mehr dahinter als "Teile und Herrsche", denn das Östliche Mittelmeer beinhaltet enorme Gasfelder und durch Syrien speziell sind darüber hinaus noch zwei konkurrierende Gaspipelines geplant, die "schiitische" vom Iran und die "sunnitische" von Katar. Es geht, den Anglo-Amerikanern um die Kontrolle der Gasversorgungs Europas.

Israel (und möglicherweise Finanzinteressen der City of London) mag daher in dieser Frage andere Interesse verfolgen als die Amerikaner - und ist möglicherweise hier sogar eine Art Gegenspieler zur USA. Es fördert nämlich bereits schon Gas im Mittelmeer und hätte von daher generell ein Interesse, die Konkurrenz auszuschalten. Insbesondere ein zersplitterte Syrien, durch das überhaupt keine Pipeline gebaut werden kann, wäre auch unter wirtschaftlichen Aspekten, nicht nur sicherheitspolitischen, im Interesse Israels. Keinesfalls von Interesse Israels dürfte Washingtons irrsinnige Strategie sein, überall Moslem-Extremisten an die Macht zu bringen (wohl im Glauben, sie könnten diese dann dauerhaft kontrollieren).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×