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06.10.2015

15:28 Uhr

Apple, Amazon, Google & Co.

EU stopft Steuerschlupflöcher für Großkonzerne

Nach der „Luxleaks“-Affäre um Steuervorteile in Luxemburg reagiert die EU. Umstrittene Steuer-Vorbescheide werden unter den Mitgliedstaaten ausgetauscht. Für Kritiker geht der Schritt aber noch nicht weit genug.

Das EU-Parlament zieht aus der Luxemburger Steuerdumping-Affäre Konsequenzen. dpa

Luxemburg

Das EU-Parlament zieht aus der Luxemburger Steuerdumping-Affäre Konsequenzen.

LuxemburgGroßkonzerne haben es künftig in Europa schwerer, Gewinne über Grenzen hinweg zu verschieben und damit Steuern zu sparen. Die EU-Finanzminister verständigten sich am Dienstag in Luxemburg einstimmig auf ein neues Gesetz, das erstmals einen Austausch von sogenannten Steuer-Vorbescheiden für Unternehmen ermöglicht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lobte den neuen Informationsaustausch zu den „Tax-Rulings“ als „eine schnelle Lösung in kurzer Zeit“.

Nach den „Luxleaks“-Medienenthüllungen über Praktiken in Luxemburg waren die Vorbescheide zwischen nationalen Steuerbehörden und Unternehmen im vergangenen Jahr in die Kritik geraten. Inzwischen prüft die EU-Kommission Vorbescheide in vielen Mitgliedstaaten, auch in Deutschland.

Diese Steueroasen hat die EU ausgemacht

Europa

Andorra, Guernsey, Liechtenstein, Monaco

Karibik

Anguilla, Bermuda, Panama, Antigua und Barbuda, British Virgin Islands, Saint-Vincent, Bahamas, Caymans, Saint Christopher and Nevis, Barbados, Grenada, Turks and Caicos Islands, Belize, Montserrat, US Virgin Islands

Asien

Brunei, Hong Kong, Malediven

Afrika

Liberia, Mauritius, Seychellen

Bei Australien

Cook Islands, Nauru, Niue, Marshall Islands, Vanuatu

Das Gesetz soll vom 1. Januar 2017 an gelten. Es werden dabei grundsätzlich gültige Steuer-Vorbescheide rückwirkend bis zum 1. Januar 2012 erfasst, sagte der amtierende EU-Ratsvorsitzende, Luxemburgs Ressortchef Pierre Gramegna. Um diesen Punkt hatte es lange Streit gegeben. Jedes Jahr gehen den öffentlichen Kassen laut EU-Kommission Milliardenbeträge durch Steuervermeidung verloren.

Der Grünen-Finanzexperte Sven Giegold kritisierte, die Kommission sei bei dem vereinbarten Austausch von entscheidenden Informationen abgeschnitten. „Um Steuerdumping zu entdecken und zu ahnden, muss die EU-Kommission den Inhalt des Steuervorbescheids und den Namen des Unternehmens kennen“ - das sei aber nicht gewährleistet.

Schäuble wies auch auf den jüngsten 15-Punkte-Plan der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegen Steuergestaltungen und Gewinnverlagerungen hin. Damit sollen legale Schlupflöcher, die globale Konzerne wie Apple, Amazon, Google oder Starbucks zur Senkung ihrer Steuerlast nutzen, gestopft werden.

Die EU-Kommission hatte im Juni einen Aktionsplan zur Steuerpolitik vorlegt. Demnach sollen Konzerne ihre Gewinne dort versteuern, wo sie anfallen. Der US-Versandhändler Amazon reagiert bereits und versteuert in Europa Gewinne in einzelnen Ländern, auch in Deutschland.

Von

dpa

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