Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.09.2013

17:07 Uhr

Arabische Liga

Streit um Luftschläge gegen Assad

Der Syrien-Konflikt spaltet die Arabische Liga: Die Mehrheit der Staaten will Assad stürzen, einige Länder jedoch sind gegen eine Militär-Intervention von außen. Sie haben noch die US-Invasion in den Irak vor Augen.

Treffen der Arabischen Liga: Gespalten in Syrien-Frage ap

Treffen der Arabischen Liga: Gespalten in Syrien-Frage

DamaskusAuch sie wurden von den sich überschlagenden Ereignissen in Washington überrascht. Noch in der Nacht zogen die Außenminister der Arabischen Liga ihre Dringlichkeitssitzung zu Syrien zwei Tage vor und trafen sich bereits am Sonntag in Kairo.

Erst letzte Woche hatte der notorisch zerstrittene Staatenbund in seltener Einmütigkeit das Regime von Bashar al-Assad für die Giftgasangriffe „voll verantwortlich“ gemacht und vom Uno-Sicherheitsrat „abschreckende Maßnahmen“ gefordert „gegen alle, die dieses widerliche Verbrechen mit international geächteten Waffen begangen haben“. Wie diese Abschreckung jedoch konkret aussehen soll, das ließen die Diplomaten auch am Sonntag offen. Darüber sind sich die 22 arabischen Nationen genauso uneins, wie die übrige Welt. Einzig die Mitgliedschaft Syriens in dem arabischen Bündnis ist seit anderthalb Jahren suspendiert, den Platz von Damaskus nimmt vorübergehend der Exil-Dachverband der syrischen Opposition ein.

Chemische Kampfstoffe

Was sind Chemiewaffen?

Chemische Waffen gehören zu der Kategorie der ABC-Waffen (Atomar, Biologisch, Chemisch). In der Regel sind Chemiewaffen künstlich produzierte Giftstoffe, die fest, flüssig oder gasförmig sein können. Nervengifte wie Sarin und Hautkampfstoffe wie Senfgas werden gezielt zur Tötung oder Verletzung von Menschen eingesetzt. Zumeist werden auch Reizstoffe wie Tränengas dazugezählt.

Chemiewaffenkonvention

Die Chemiewaffenkonvention (CWK) ist ein Übereinkommen von Staaten der Vereinten Nationen, um die Herstellung, Verbreitung und Verwendung chemischer Waffen zu verhindern. Die CWK verbietet den Unterzeichnern, Chemiewaffen herzustellen, zu besitzen und einzusetzen. Reizstoffe wie Tränengas werden allerdings nur geächtet. Die CWK steht in der Tradition des Genfer Protokolls, das bereits 1925 den Einsatz von Giftgas in Kriegen verhindern sollte.

Nicht-Mitglieder der CWK

Israel und Myanmar haben 1993 die Chemiewaffenkonvention zwar unterzeichnet, doch bislang nicht durch ihre Parlamente ratifiziert. Angola, Ägypten, Nordkorea, Südsudan und Syrien haben das Abkommen weder unterschrieben noch ratifiziert.

Die OPCW

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überwacht die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention. Die OPCW wird von den Mitgliedern der Uno finanziert. Der Hauptsitz ist in Den Haag.

Im Blick auf mögliche westliche Militärschläge gegen Syrien verläuft im arabischen Lager die Bruchlinie zwischen den Golfstaaten und den nordafrikanischen Staaten an der Mittelmeerküste. Saudi-Arabien, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben nur ein Ziel vor Augen - den Sturz von Bashar al-Assad. Dies würde ihren regionalen Hauptkontrahenten Iran schwächen und dessen Einfluss auf die schiitischen Araber schmälern, so das strategische Kalkül. Und so wären die gekrönten Häupter am Golf mit Cruise Missiles als Vergeltung für den Giftgaseinsatz durchaus einverstanden, auch wenn sie dies niemals dezidiert fordern oder öffentlich gutheißen würden.

Abgesehen davon sind sie sowieso bei jeder amerikanischen Militäraktion mit von der Partie – wenn auch nur indirekt. In ihren Ländern befinden sich die wichtigsten US-Militärbasen des Nahen Ostens, die regionale US-Kommandozentrale Centcom in Doha, die Einsätze in zwanzig Ländern des Nahen und Mittleren Ostens dirigieren kann, sowie der Marinestützpunkt der 5. US-Flotte in Bahrain.

Die Mittelmeer-Anrainerstaaten hingegen, angefangen von Marokko, über Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten bis zum Libanon und Jordanien, sind strikt gegen ein militärisches Eingreifen von außen. Syriens direkte Nachbarn Libanon, Jordanien und Irak fürchten weitere Flüchtlingswellen. Schon jetzt haben sich in diesen drei Staaten mehr als zwei Millionen Syrer vor dem Massenmorden in ihrer Heimat in Sicherheit gebracht.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

tauberich

01.09.2013, 18:59 Uhr

Das würden ja keine "Luftschläge" (Was für ein Wort) "gegen Assad".

Das wären weitere "Luftschläge" gegen das syrische Volk.

Zum Thema Luftschlag weiß Wiki:

Ein Luftschlag ist

- bei einer körperlichen Auseinandersetzung (Schlägerei, Boxen) ein Schlag in die Luft
- ein Synonym für einen Luftangriff.

Zu Luftangriff weiß Wiki weiter:

Luftkrieg ist eine Form der Kriegsführung, bei der militärische Operationen hauptsächlich durch Luftstreitkräfte und Luftkriegsmittel anderer Teilstreitkräfte ausgeführt werden. Er lässt sich dabei grob unterscheiden in:

Krieg in der Luft: Bekämpfung feindlicher Luftfahrzeuge durch eigene Jagdflugzeuge und bodengestützte Flugabwehr.

Krieg aus der Luft: vor allem Aufklärung und Bekämpfung von Bodenzielen, einschließlich gegnerischer Luftstreitkräfte am Boden, durch Aufklärungsflugzeuge und Bomber. Dies bezeichnet man auch als taktischer Luftkrieg. Seine drei Aufgaben bzw. Ziele sind
die Luftnahunterstützung,
der Angriff feindlicher Bodenziele in mittelbarer Nähe zu den eigenen Einheiten und
die Gefechtsfeldabriegelung (taktische Ziele im Rückraum – wie Brücken, Straßen und Nachschub – hinter der gegnerischen Kriegsfront bekämpfen).

Die Integration des Luftkrieges in die allgemeine Kriegsführung gilt Daniel Moran[1] zufolge als „zentrale militärische Herausforderung des 20. Jahrhunderts“. Während sich die ursprüngliche Hoffnung, dass der Luftkrieg abschreckend wirken könne oder militärisch allmächtig sei, sich nicht erfüllt habe, habe sich die Luftkriegsführung als entscheidendes Element des Gefechts der verbundenen Waffen etabliert.[2]

Wichtige Theoretiker des Luftkrieges sind Giulio Douhet, Billy Mitchell, John Boyd und John Warden.

Rainer_J

01.09.2013, 19:01 Uhr

Die kriegsgeile internationale Elite findet immer weniger Politiker, die Syrien angreifen wollen.

Niemand glaub daran, dass der getürkte Giftanschlag wirklich durch die Regierungstruppen gezündet wurde. Es wirkt alles sehr insziniert.

Jetzt hat sich auch der aktuelle Statthalter von Judäa Pontius Obama wie damals Pontius Pilatus vom Acker gemacht und wäscht seine Hände in Unschuld.

Niemand will seine Hände in Blut waschen. Die kriegsgleile Elite und ihre Schwanzlutscher-Presse und gekauften Spitzenpolitiker stehen plötzlich alleine da.

Aber das ist noch nicht alles. Wer in Politik und Presse hat in den letzten Tagen den Kriegsaufhetzer gespielt? Wer hat sich schuldig gemacht? Es gibt Ärsche zu treten!

RumpelstilzchenA

01.09.2013, 19:37 Uhr

So ein mieses Pack in West und Ost. Ein Militärschlag aus reinen wirtschaftlichen Interessen.
Geheuchelte Humanität. Die Öffentlich Rechtlichen mit ihrer Kriegspropaganda sollte man an die Wand nageln!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×