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13.09.2011

10:57 Uhr

Arabische Revolution

Die Machtbalance in Nahost verschiebt sich

Die Diktatorendämmerung in Nahost verändert nicht nur die Herrschaftsverhältnisse in Kairo, Tripolis, Tunis, Sanaa und Damaskus. Auch Israel, Iran und Hisbollah sind besorgt über den arabischen Frühling.

Unterstützer des syrischen Präsidenten Assad. dpa

Unterstützer des syrischen Präsidenten Assad.

Erbil/IstanbulDer Sturz von Muammar al-Gaddafi ist ein historisches Ereignis - für die Libyer und auch für die Nato-Staaten, die mitgeholfen haben, den selbstherrlichen „König der Könige von Afrika“ zu Fall zu bringen. Auswirkungen auf die Machtbalance in Nahost hat die von internationalen Öl-Konzernen genau beobachtete Zeitenwende in Tripolis jedoch nicht.

Anders sieht es dagegen in Syrien aus, wo sich ein Bündnis aus Linken, Menschenrechtlern, Islamisten und frustrierten Jugendlichen mit Todesverachtung dem brutalen Sicherheitsapparat der Familie von Präsident Pascher al-Assad entgegenstellt. Denn wenn Assad stürzt, verliert das Nachbarland Israel einen ungeliebten, aber verlässlichen Nachbarn.

Die Einflusszone des Iran, der bislang Assads engster Verbündeter war, würde schrumpfen, die durch Gewalt und Massenverhaftungen entmutigte iranische Protestbewegung könnte wieder Morgenluft schnuppern. Und auch die von Syrien bislang gehätschelte und vom Iran mit Waffen versorgte Schiiten-Bewegung Hisbollah im Libanon stünde plötzlich ziemlich alleine da.

Auf der Gewinnerseite stünde dagegen nach Einschätzung von Diplomaten die Türkei. Sie hatte Assad nach anfänglichem Zögern schließlich doch das Vertrauen entzogen und zeigt sich inzwischen offen solidarisch mit den Oppositionellen. Einige Beobachter halten es sogar für möglich, dass die Türkei den Aufständischen dabei helfen könnte, eine „befreite Zone“ einzurichten, in den ländlichen Provinzen, die an die Türkei grenzen.

Dort könnte sich dann eine „freie syrische Armee“ formieren, ähnlich wie die libysche Rebellentruppe, die im Februar Bengasi zu ihrer „provisorischen Hauptstadt“ gemacht hatte. Auch die Kurden, die ihre Siedlungsgebiete im Irak, in der Türkei, in Syrien und im Iran haben, erhoffen sich viel vom Zusammenbruch des Assad-Regimes, das in der kurdischen Minderheit stets eine fünfte Kolonne gesehen hatte. „Kurden und Araber - nationale Einheit“, stand auch am vergangenen Wochenende wieder auf den Transparenten der Menschen, die in Syrien gegen das Regime demonstrierten.

Kommentare (1)

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fariborsm

14.09.2011, 08:34 Uhr

Die Machtbalance in Nahost verschiebt sich
Iran und Hisbollah sind besorgt
und zwar jeder auf seine Art.

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