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10.04.2011

23:13 Uhr

Arabische Welt

Behörden in VAE gehen gegen Aktivisten vor

Die arabische Welt kommt nicht zur Ruhe. In den VAE wurden Demokratie-Aktivisten festgenommen, in Syrien schossen Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Teilnehmer eines Trauerzuges.

Proteste in Syrien Quelle: dpa

Proteste in Syrien

Kairo, Sanaa, AmmanIn den Vereinigten Arabischen Emiraten ist am Sonntag ein weiterer Demokratie-Aktivist festgenommen worden. Nasser bin Ghaith, ein Finanzanalyst und Wirtschaftsprofessor an der Filiale der französischen Universität Sorbonne in Abu Dhabi, sei am Sonntag in Dubai verhaftet worden, sagte ein Anwalt und politischer Aktivist.

Am Vortag war dessen Angaben zufolge Fahad Salem al Schehhi in Adschman, einem Emirat nördlich von Dubai, in Gewahrsam genommen worden. Er habe sich an einem Forum im Internet beteiligt, in dem freie Wahlen und andere demokratische Reformen in den Emiraten gefordert worden seien.

Das Online-Forum wurde von dem Blogger und Menschenrechtsaktivisten Ahmed Mansur geleitet. Mansur war am Freitag in Dubai festgenommen worden, nachdem er eine Petition für ein gewähltes Parlament unterzeichnet hatte. Dubais Polizeichef bestätigte am Sonntag die Verhaftung Mansurs in einer staatlichen Zeitung.

In einer kurzen Mitteilung an die Online-Ausgabe von „The National“ hieß es, Mansur sei auf Betreiben der Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit einer Strafsache festgenommen worden. In der Föderation von sieben Emiraten gibt es keine offiziellen Oppositionsgruppen und politische Parteien sind verboten.

Die Gewalt gegen Demonstranten in der arabischen Welt insgesamt ebbt nicht ab - vor allem in Syrien geht die Regierung weiter aggressiv vor. Am Samstag schossen Sicherheitskräfte in der südsyrischen Stadt Deraa Augenzeugenberichten zufolge mit scharfer Munition auf die Teilnehmer eines Trauerzuges nach einer Massenbeerdigung. Nach Angaben der syrischen Vertreter von Human Rights kamen allein am Freitag 37 Menschen bei den Protesten ums Leben. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte die Gewalt und mahnte bedeutsame politische Reformen in Syrien an. Auch in Ägypten brachen wieder Proteste los. Dort wird zunehmend gegen den Militärrat demonstriert, der nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak vorübergehend die Macht übernommen hat. Zwei Menschen kamen laut Krankenhausangaben ums Leben.   

„In Syrien kommt es zu ungeheuerlichen Verstößen gegen die Menschenrechte“, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights mit. Nach den Freitagsgebeten waren in Syrien Tausende auf die Straße gegangen. Das Innenministerium erklärte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, Gesetzesverstöße nicht zu billigen. Regierungsgegner befürchten ein noch schärferes Vorgehen der Sicherheitskräfte. Nicht nur in Deraa kam es zu Schießereien, sondern auch in der wichtigen Hafenstadt Latakia. Einwohnern zufolge schossen Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf eine Gruppe von Demonstranten, um die Proteste aufzulösen. Einige seien verletzt worden und vielleicht gebe es auch Tote, hieß es. Wasserwerfer hätten versucht, die Straßen vom Blut zu säubern.  

In Kairo hat der ägyptische Militärrat Demonstranten mit einem harten Vorgehen gedroht. Der Rat kündigte am Samstag an, den zentralen Tahrir-Platz entschlossen und notfalls mit Gewalt zu räumen. Für die jüngsten Unruhen auf dem Platz machte ein ranghoher Offizier Anhänger des früheren Machthabers Hosni Mubarak verantwortlich. In einem Zugeständnis an die Forderungen der Demonstranten kündigte der Rat dem staatlichen Fernsehen zufolge jedoch gleichzeitig an, einige von Mubarak ernannte Provinzgouverneure auszutauschen.

Auf dem Tahrir-Platz hatten am Samstag Tausende gegen den Militärrat demonstriert und damit eine Anweisung des Militärs ignoriert, den Platz zu räumen. Der Rat solle die Regierungsgewalt an ein ziviles Gremium übergeben und Mubarak vor Gericht stellen, forderten die Demonstranten. Am Freitag waren Hunderttausende nach den Freitagsgebeten durch die Stadt gezogen und hatten der Militärführung vorgeworfen, sie sei „Teil des korrupten Regimes“ gewesen und habe von Mubarak profitiert.  

Nach Informationen aus einem Kairoer Krankenhaus starben nach den Demonstrationen vom Freitag zwei Männer an Schusswunden. Insgesamt seien 15 Leute mit Schussverletzungen eingeliefert worden. Die Armee beteuerte, sie habe keine scharfe Munition eingesetzt, als sie versuchte, die Demonstration auf dem Tahrir-Platz aufzulösen. Die Soldaten hätten nur mit Platzpatronen in die Luft geschossen.

Im Jemen wurden Ärzten zufolge am Freitag mindestens fünf Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten erschossen - in der vergangenen Woche summierte sich die Zahl der Toten damit auf mindestens 26. Die Demonstranten fordern dort seit Wochen den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Saleh, der sich aber auch nach Vorlage eines Vermittlungsplans von Golfstaaten unnachgiebig zeigt.   

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

10.04.2011, 09:02 Uhr

Was ist eigentlich die "arabische Welt" ? Gibt es auch eine "europäische Welt" ? Wie wär's einfach mit "Arabien" ?

Account gelöscht!

10.04.2011, 23:24 Uhr

Lieber Westen,
was euch mit Mubarak und Gaddafi widerfährt, wird euch mittelfristig auch mit König Abdullah (od. Nachfolger) und den anderen Kaspern blühen.

Wie früher schon geschrieben, für eine langfristige Besetzung werdet ihr etwa 3 bis 5 Millionen Soldaten benötigen. Stellt euch schon mal langsam darauf ein.

Was ich schon vernehmen konnte, habt ihr euch euren letztmaligen Äußerungen schon nach entschlossen im Irak etwas länger zu verweilen. So langsam etwickeltz sich die Sache.

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