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10.01.2012

21:51 Uhr

Arabischer Frühling

Welle von Selbstverbrennungen erschüttert Tunesien

Tunesien erfasst eine neue Welle von Selbstverbrennungen. Vor einem Jahr hatte ein Straßenhändler damit Massenproteste ausgelöst, die zum Sturz des Diktators führten. Die soziale Situation ist nach wie vor angespannt.

Selbstverbrennungen gehören immer wieder zum Bild des Protestes - wie hier in Thessaloniki, Griechenland. AFP

Selbstverbrennungen gehören immer wieder zum Bild des Protestes - wie hier in Thessaloniki, Griechenland.

TunisKurz vor dem ersten Jahrestag der Revolution wird Tunesien von einer neuen Welle von Selbstverbrennung erschüttert. In der Stadt Gafsa starb nach Krankenhausangaben vom Dienstag ein 43 Jahre alter Familienvater an seinen schweren Brandverletzungen. Er hatte sich Ende vergangener Woche vor dem Sitz der Bezirksregierung angezündet, um gegen die Arbeitslosigkeit zu protestieren.

Fünf weitere Selbstverbrennungsfälle wurden aus anderen Orten des Landes, gemeldet. Sie endeten allerdings ebenso wie die Verzweiflungstat eines 27-jährigen Arbeitslosen aus der südalgerischen Stadt Saida nicht tödlich. Er hatte sich nach Angaben des Online-Journals „Tout sur l'Algérie“ selbst in Brand gesteckt, weil er keinen Job fand.

Fälle wie des 43-Jährigen aus Gafsa erregen in Tunesien besondere Aufmerksamkeit, seitdem ein junger Straßenhändler im vergangenen Dezember mit seiner Selbstverbrennung landesweite Massenproteste und Unruhen auslöste. Die Verzweiflungstat in Sidi Bouzid rund 250 Kilometer südlich von Tunis rüttelte Hunderttausende Tunesier auf und führte am 14. Januar zum Sturz von Diktator Zine el Abidine Ben Ali.

Am ersten Jahrestag der Revolution soll an diesem Samstag der Opfer des Aufstands gedacht werden. Die geplanten Feierlichkeiten werden allerdings von einer äußerst angespannten sozialen Situation überschattet. Etlichen Menschen geht es seit der Revolution wirtschaftlich eher schlechter als besser. Nach den Unruhen sind im vergangenen Jahr die ausländischen Investitionen eingebrochen. Auch viele Touristen mieden das nordafrikanische Mittelmeerland aus Angst vor neuen Ausschreitungen.

Von

dpa

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