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04.04.2013

05:17 Uhr

Arbeiter ausgesperrt

Nordkoreas Grenzen bleiben zu

Kim Jong Un bleibt in seinem riskanten Macht-Poker stur und legt noch einen drauf: Arbeiter aus dem Süden mussten auch heute vor der Grenze umkehren. Die Armee gab außerdem grünes Licht für Atomangriffe gegen die USA.

Tokio/DüsseldorfNordkorea blockiert den zweiten Tag in Folge die Einreise südkoreanischer Arbeiter. An der Grenze warteten am Donnerstagmorgen rund 40 Fahrzeuge auf Zugang zu dem gemeinsam von Nord- und Südkorea betriebenen Industriekomplex Kaesong, berichtete ein AFP-Reporter. Angeblich müssen alle im Industriepark verbliebenen Südkoreaner die Sonderzone bis zum 10 April verlassen.

Denen, die an der Grenze warteten, wurde über Lautsprecher mitgeteilt, dass südkoreanischen Arbeitern weiter keine Einreiseerlaubnis erteilt werde, worauf die Fahrzeuge umgekehrt seien. Nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums in Seoul wollten am Donnerstag 526 Arbeiter und 421 Fahrzeuge nach Nordkorea einreisen.

Auch den USA drohte Nordkorea über Nacht erneut: Ein Sprecher des Generalstabs der nordkoreanischen Volksarmee erklärte über den englischsprachigen Dienst der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA, Nordkoreas Militär habe offiziell grünes Licht für einen Angriff gegen die USA gegeben, der auch den Einsatz von Atomwaffen einschließt.

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Die Einreisesperre für die südkoreanischen Arbeiter startete am Mittwoch. Noch ist unklar wie lange die Grenzen für Südkoreas Arbeiter andauern soll. Ein Sprecher der Vereinigung der ansässigen Firmen sagte am Donnerstagmorgen, Nordkorea habe den Unternehmen eine Frist gesetzt, um den gemeinsam betriebenen Industriekomplex zu verlassen.

Die Firmen seien aufgefordert, sich bis Mittwoch (10. April) komplett zurückziehen, sagte der Sprecher. Die südkoreanische Regierung wies den Bericht allerdings umgehend als falsch zurück.

Ein Ende der Wirtschaftszone könnte vor allem Nordkorea hart treffen. Zwar ist das Larm arm und weitgehend autark, auf Devisen sind jedoch gerade die Regimemitglieder dringend angewiesen. Ausgerechnet die größte Devisenquelle des Landes bringt Staatschef Kim Jong Un jetzt im Streit über das Atomprogramm des Landes in Gefahr: Pjöngjang riegelte am Mittwoch die gemeinsam mit dem Süden betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong ab. Die aus Südkorea kommenden Pendler standen vor verschlossenen Türen, die Welt sorgt sich um eine weitere Eskalation.

In der südkoreanischen Grenzstadt Paju warteten Hunderte Arbeiter und Manager ungeduldig, nach Kaesong einreisen zu dürfen. "Das Vertrauen zwischen dem Norden und dem Süden bröckelt - auch bei den Kunden sinkt das Vertrauen", warnt Lee Eung Haeng, der eine Kleiderfabrik in Kaesong betreibt. In Lees Firma arbeiten 600 Nordkoreaner, wo jeder im Monat durchschnittlich 130 Dollar verdient. Insgesamt sind in der Sonderzone 54.000 Nordkoreaner beschäftigt – und relativ wenige Vorarbeiter und Manager aus dem Süden.

Die nordkoreanischen Arbeiter hätten vermutlich schon geahnt, dass etwas im Argen liege, sagte der Südkoreaner Jang Sun Woo. "Sonst haben sie immer über meine Witze gelacht - diese Woche waren sie aber irgendwie anders."

Für beide Koreas ist die Wirtschaftszone in Kaesong wichtig – für den Süden allerdings eher symbolisch, für den Norden dagegen wirtschaftlich. Dem verarmten Nordkorea mit seiner bisweilen hungernden Bevölkerung, seiner riesigen Armee und seinen Atomambitionen bringt der Industriekomplex dringend benötigte Devisen ein.

Die wichtigsten Fragen zu den Provokationen von Nordkorea

Wann ist rote Linie für Südkorea überschritten?

Militärisch dürfte das der Fall sein, wenn Nordkorea das Nachbarland mit Waffengewalt provozieren sollte. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hat die Streitkräfte angewiesen, „ohne Rücksicht auf politische Erwägungen“ auf Provokationen des Nordens prompt und strikt zu reagieren. Sie wolle sich dabei ganz auf das Urteilsvermögen des Militärs verlassen.

Wo könnte es zur militärischen Konfrontation kommen?

Als Spannungsgebiet gilt etwa die umstrittene Seegrenze im Gelben Meer, wo es schon in den vergangenen Jahren zu Gefechten zwischen Kriegsbooten beider Länder gekommen ist. Auch an der schwer bewachten Landesgrenze kam es seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) immer wieder zu Zwischenfällen. Als denkbare Auslöser einer militärischen Konfrontation gelten das Eindringen nordkoreanischer Marineschiffe in die von Südkorea beanspruchten Gewässer oder etwa der Aufmarsch nordkoreanischer Soldaten in der sogenannten gemeinsamen Sicherheitszone im Waffenstillstandsort Panmunjom an der Grenze.

Wann ist die rote Linie für Nordkorea überschritten?

Das ist schwer zu sagen. Das Land hat bereits den „Kriegszustand“ im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. Ein Angriffsbefehl blieb bisher aus. Das Regime erklärte angesichts laufender südkoreanisch-amerikanischer Militärübungen, man werde im Falle einer Provokation sofort zurückschlagen. Die Raketeneinheiten seien in ständiger Bereitschaftsstellung. Als Ziele wurden das US-Festland, amerikanische Militärstützpunkte in Hawaii und Guam sowie in Südkorea genannt. Auch drohte Nordkorea mit einem atomaren Präventivschlag.

Was kann passieren, wenn die Spannungen sich verschärfen?

Die größte Sorge ist, dass ein lokal begrenzter militärischer Zwischenfall sehr schnell zu einem Krieg in der Region eskalieren könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist heute höher als noch vor einigen Jahren. So warnt etwa die Konfliktforschungsorganisation International Crisis Group: „Nordkorea hat zuletzt eine Reihe von Schritten unternommen, die das Risiko von Fehleinschätzungen, unbeabsichtigter Eskalation und eines tödlichen Konflikts erhöhen.“

Wie wird die militärische Stärke Nordkoreas eingeschätzt?

Nordkorea verfügt nach Ansicht von Experten nicht über die technischen Mittel, das US-Festland mit Langstreckenraketen anzugreifen. Doch ein Angriff mit Mittelstreckenraketen etwa auf die US-Truppen in Südkorea oder Militärstützpunkte in Japan läge durchaus im Bereich des Möglichen. Ferner kann das Land mit seinen Raketen Ziele in ganz Südkorea erreichen. Als besonders gefährdet gilt dabei die Millionenmetropole Seoul, die nur etwa 50 Kilometer von der Grenze entfernt und damit in Reichweite Tausender von nordkoreanischen Artilleriegeschützen liegt.

Wie groß ist der Einfluss Chinas?

Er wird zunehmend kleiner. Trotz der historischen Freundschaft sehen Experten eine spürbare Entfremdung. China ist frustriert, dass Nordkorea seine politische und wirtschaftliche Schützenhilfe nicht zu schätzen weiß. Es herrscht Verärgerung über den neuerlichen Atomtest, den Nordkorea trotz massiver chinesischer Intervention vorgenommen hat. Anders als Kim Jong Un hatte der frühere Militärmachthaber Kim Jong Il zumindest noch Respekt gegenüber China gezeigt. Peking empfindet den jungen Führer als schwierig, hat ihn bisher auch nicht zu einem Besuch eingeladen.

Hat sich Chinas Politik gegenüber Nordkorea geändert?

Indem China die UN-Resolutionen mit Sanktionen gegen Nordkorea unterstützt hat, verstärkt Peking den Druck auf Pjöngjang. Trotzdem ist eine grundsätzliche Kehrtwende in Chinas Nordkoreapolitik noch nicht erkennbar. Der große Nachbar leistet weiter wirtschaftliche Unterstützung für das verarmte Land und will es von notwendigen Reformen überzeugen.

Welche Beweggründe hat Peking?

China fürchtet, dass ein Zusammenbruch Nordkoreas zu einer Destabilisierung der Lage auf der koreanischen Halbinsel führen könnte – oder gar zu einem Krieg. Die Konsequenz wären große Flüchtlingsströme. Außerdem gibt es Sorgen um die Atomanlagen. Für China dient Nordkorea auch als eine Art strategischer Puffer, weil bei einer Wiedervereinigung oder Übernahme Nordkoreas durch den Süden amerikanische Truppen an Chinas Nordgrenze stehen könnten.

Wie reagiert Russland auf die Vorgänge im Nachbarland Nordkorea?

Seine Truppenpräsenz an der Grenze mit Nordkorea hat Russland bereits demonstrativ verstärkt. Eine militärische Lösung des Konflikts lehnt Moskau aber ab. Vielmehr will das Riesenreich die Verhandlungen der Sechser-Gruppe (Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und die USA) wieder anschieben und das Problem diplomatisch lösen. Moskau fordert von Pjöngjang die Beendigung des Atomprogramms und die Rückkehr in den Atomwaffensperrvertrag. „Der Atomstatus Nordkoreas ist für uns unannehmbar“, betont Kremlchef Wladimir Putin.

Vor allem südkoreanische Firmen in arbeitsintensiven Bereichen wie der Textilindustrie haben Betriebe in Kaesong angesiedelt. Insgesamt haben sie rund 800 Millionen Dollar investiert. Denn von den kommunistischen Arbeitsvermittlern können sie Arbeitskraft zu Preisen kaufen, die selbst im Ostteil Chinas kaum mehr möglich wären: Umgerechnet zahlen sie 130 bis 150 US-Dollar im Monat pro Arbeiter. Ein Großteil landet direkt in der Kasse des nordkoreanischen Staats.

Etwas mehr als 80 Millionen US-Dollar streicht Kim Jong Uns Regime damit jährlich ein. Hinzu kommen Steuerzahlungen südkoreanischer Firmen an den nordkoreanischen Staat. Dafür produzierten die südkoreanischen Firmen 2012 Waren im Wert von ungefähr 470 Millionen US-Dollar. Das waren immerhin 17,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Wirtschaftlich ist die Behinderung – oder gar eine spätere Schließung – der Sonderzone für Nordkorea also ein sehr zweischneidiges Schwert: Mehr als 50.000 Arbeiter würden bei einem Kollaps der kapitalistischen Insel ihre Einkommen verlieren – und das Regime seine wichtigste Devisenquelle.

Die rund 800 Südkoreaner, die sich noch in dem Industriekomplex auf nordkoreanischem Gebiet befinden, sollen zwar offiziellen Angaben zufolge ausreisen dürfen und sind keine Geiseln – aber dennoch handelt es sich um eine weitere mutwillige Eskalation des Konfliktes durch Pjöngjang. Nordkorea erlaubte ihnen die Ausreise, lediglich 36 von ihnen kehrten aber zunächst in den Süden zurück. Südkorea hatte sich zunächst besorgt gezeigt, seine Staatsbürger könnten als Geiseln genommen werden.

Kommentare (37)

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pro-d

03.04.2013, 17:47 Uhr

hmm, von was wollen die Amis nur ablenken???

Dass es sich hier um eine gezielte Aktion der amis handelt, ist schon klar. Aber was kommt nun wirklich auf uns zu??

Oder krepieren gerade die (wirkungslosen ) Schüsse aus der $-Kanone ins Leere und man merkt immer mehr, dass man Geld nicht fressen kann? Am Ende zeigt es sich doch nocht, dass mit Zypern (Staat vergreift sich am fremden Eigentuzm) man den schwarzen Schwan aus seinem Versteck gelockt hat?

Vicario

03.04.2013, 17:58 Uhr

Es wird Zeit, dass man dem Baby-Diktator die Pampers auszieht...,

der ist schon zu lange in den Schlagzeilen !

schizophren

03.04.2013, 18:13 Uhr

Der hat doch einen an der Waffel

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