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10.07.2012

02:18 Uhr

Arbeitskampf

Norwegen verhindert Öl-Produktionsstopp in letzter Minute

Ein Streit um das Rentenalter hätte beinahe die Öl- und Gasförderung Norwegens lahmgelegt. Doch in allerletzter Minute hat die Regierung den Streik verboten. Damit ist der Konflikt aber noch nicht aus der Welt.

Die Bohrinsel des norwegischen Oelkonzerns Statoil im sogenannten Aldous Major South prospect. Norwegen liefert fast einen Drittel des Öls in Deutschland. dapd

Die Bohrinsel des norwegischen Oelkonzerns Statoil im sogenannten Aldous Major South prospect. Norwegen liefert fast einen Drittel des Öls in Deutschland.

OsloEin drohender Stopp der Erdölförderung in Norwegen wegen eines Arbeitskampfs ist abgewendet. Der Streik der Förderarbeiter sei beendet, sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums in Oslo in der Nacht zum Dienstag.

Arbeitsministerin Hanne Bjurstrøm setzte unmittelbar vor Inkrafttreten einer Flächenaussperrung eine Zwangsschlichtung in Gang. Damit wurden sowohl die geplante Aussperrung wie auch ein vor 16 Tagen begonnener Streik ausgesetzt.

Norwegen ist nach Russland der zweitwichtigste Lieferant von Erdgas nach Europa und deckt 27 Prozent des deutschen Bedarfs. Die Ölpreise stiegen am Montag wegen des als wahrscheinlich geltenden Förderstopps auf allen 70 Plattformen in der norwegischen Nordsee leicht.

Bjurstrøm begründete den staatlichen Eingriff in den Tarifstreit mit dessen „großen gesellschaftlichen Konsequenzen“. Sie sagte nach einem Gespräch mit Gewerkschaften und Arbeitgebern kurz vor Mitternacht: „Alles in allem wäre es unverantwortlich gewesen, den Konflikt weiterlaufen zu lassen.“

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Die Tarifgespräche für rund 7.000 Mitarbeiter zum dritten Mal gescheitert.

Die Gewerkschaften wollten durch ihren Streik mit 700 Beteiligten vor allem bessere Vorruhestandsregelungen durchsetzen. Der Arbeitgeberverband OLF wollte ab Dienstag alle 6500 Beschäftigten auf den norwegischen Bohrinseln aussperren.

Ein Streik von rund 700 gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern der Ölindustrie hatte seit dem 24. Juni die norwegische Ölproduktion beeinträchtigt. In dem Tarifstreit fordern die Gewerkschaften Sonderregelungen für Mitarbeiter der Ölindustrie, die bereits mit 62 Jahren und nicht, wie in der Branche üblich, mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen wollen.

Die Arbeitgeber lehnen dies ab mit dem Hinweis, die Beschäftigten der Branche seien bereits im Vorteil, da sie zwei Jahre früher in Rente gehen könnten als die übrige Bevölkerung. Verhandlungen zwischen beiden Seiten waren am Wochenende ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Analysten zufolge hätte der Produktionsstopp in Norwegen zu einem Kursanstieg der Nordsee-Sorte Brent führen können. Bereits am Montag war der Kurs an der Londoner Börse leicht um 81 Cent auf 99,00 Dollar gestiegen. Norwegen ist einer der größten Produzenten von Öl und Gas aus Förderanlagen auf hoher See. Insgesamt ist das skandinavische Land der achtgrößte Ölproduzent der Welt.

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