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22.01.2009

07:21 Uhr

Arbeitslosigkeit wächst rasant

Ökonomen warnen vor britischem Staatsbankrott

VonDirk Heilmann und Michael Maisch

Die weltweite Wirtschaftskrise hat das Vereinigte Königreich voll erfasst: Die Arbeitslosigkeit wächst rasant, die Bankenrettung treibt das Defizit gefährlich hoch – einflussreiche Ökonomen warnen bereits vor einem Staatsbankrott.

"Verkaufen Sie alles, was Sie in Pfund halten". Der einflussreiche Hedge-Fonds-Manager Jim Rogers warnt mit drastischen Worten vor Investments in Großbritannien. Foto: Reuters Reuters

"Verkaufen Sie alles, was Sie in Pfund halten". Der einflussreiche Hedge-Fonds-Manager Jim Rogers warnt mit drastischen Worten vor Investments in Großbritannien. Foto: Reuters

LONDON. Das immer größere Engagement des britischen Staates im Bankensektor hat Ängste vor einem Staatsbankrott ausgelöst. Prominente Ökonomen und Investoren warnen davor, dass Großbritannien bald pleite sein könnte. Das Pfund Sterling reagierte mit Kursverlusten. Immer trübere Konjunkturprognosen schwächen die britische Währung zusätzlich. Die Wachstumszahlen für das vierte Quartal, die am Freitag veröffentlicht werden, dürften die schwächsten seit fast drei Jahrzehnten sein. Die Arbeitslosigkeit steigt deutlich.

Die Gefahr für Großbritannien ist, dass die Finanzmärkte das Vertrauen in die Fähigkeit der Regierung verlieren könnten, die Krise aus eigener Kraft zu überwinden. Das Land ist der drittgrößte Nettokapitalimporteur nach den USA und Spanien und steuert nach Einschätzung der EU-Kommission schon jetzt auf ein Haushaltsdefizit von fast zehn Prozent im kommenden Jahr zu. Unsicher ist vor allem, wie hoch die Belastungen für die Rettung der Banken werden. Die Bilanzsumme der vier größten Institute ist mehr als viermal so groß wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Das Misstrauen der Anleger zeigt sich auf verschiedenen Märkten. Das Pfund Sterling setzte am Mittwoch seinen Kursverfall fort und bewegte sich wieder auf die Parität mit dem Euro zu. Auch am Anleihemarkt zeigt sich ein besorgniserregendes Bild. Seit Freitag sind die Renditen für zehnjährige britische Staatsanleihen von 3,3 Prozent in Richtung 3,5 Prozent gestiegen, ein Signal dafür, dass die Investoren deutlich höhere Risikoprämien für ihr Kapital erwarten.

Nach Einschätzung von Michael Klawitter, Devisenstratege bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort, lässt sich eine Leistungsbilanzkrise nicht mehr ausschließen. „Das ist nicht das wahrscheinlichste Szenario, aber Großbritannien kämpft mit einer ganzen Reihe von Risiken.“ Klawitter sorgt sich vor allem um das Doppeldefizit in der Leistungsbilanz und im Staatshaushalt, das das Land von Kapitalimporten abhängig macht. „Wer wie Großbritannien im kommenden Haushaltsjahr 118 Mrd. Pfund leihen will, ist auf das Vertrauen der Investoren angewiesen“, warnt er. Weitere Verluste des Pfunds seien zu erwarten. „Ich glaube, dass der Markt jetzt die Parität zum Euro sehen möchte.“

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