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28.02.2013

17:59 Uhr

Arbeitsmarkt

EU beschließt Job-Garantie für junge Menschen

In den Krisenländern Südeuropas ist die Arbeitslosigkeit erschreckend hoch – gerade bei jungen Menschen. Ihnen will die EU nun gezielter helfen. Sie hat eine Beschäftigungsgarantie beschlossen.

Ein Arbeitsamt in Madrid: Junge Menschen sollen nach dem Willen der EU künftig höchstens vier Monate ohne Beschäftigung sein. dpa

Ein Arbeitsamt in Madrid: Junge Menschen sollen nach dem Willen der EU künftig höchstens vier Monate ohne Beschäftigung sein.

BrüsselJunge Menschen in Europa sollen möglichst schnell in Job oder Ausbildung kommen. Das haben die Arbeits- und Sozialminister der EU-Staaten am Donnerstag bei ihrem Treffen in Brüssel beschlossen. Männer oder Frauen unter 25 Jahren sollen demnach höchstens vier Monate unbeschäftigt bleiben. Dazu sollen die Staaten mit der Wirtschaft zusammenarbeiten. Sechs Milliarden Euro aus EU-Töpfen stehen für die Programme in den nächsten sieben Jahren bereit.

Der Beschluss ist zwar lediglich eine Empfehlung an die nationalen Regierungen. Die EU-Kommission wird die Umsetzung aber regelmäßig überprüfen. In Spanien und Griechenland ist jeder zweite junge Mensch ohne Arbeit - in der Statistik tauchen allerdings Studenten oder Auszubildende nicht auf, das treibt den Wert weiter hoch.

Unabhängigkeitsbestrebungen in Europa

Katalonien

In der Region im Nordosten Spaniens soll auf Bestreben des regionalen Regierungschefs Artur Mas am 9. November eine Unabhängigkeitsabstimmung abgehalten werden. Einer von der Regionalregierung in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge befürworten derzeit 74 Prozent der Katalanen die Gründung eines eigenen Staates. Katalonien ist die wirtschaftsstärkste Region in Spanien. Die Katalanen kämpfen seit Jahrzehnten für mehr Autonomie. Mas ist aber der erste katalanische Regierungschef seit Ende der Franco-Diktatur in Spanien (1939-1975), der sich offen für die Unabhängigkeit der Region ausgesprochen hat.

Baskenland

Fast 50 Jahre lang hat die Untergrundorganisation ETA für einen von Spanien unabhängigen baskischen Staat gekämpft. Bei etwa 4000 Terroranschlägen kamen mehr als 830 Menschen um Leben. Die ETA-nahe Separatistenpartei Batasuna wurde im März 2003 vom Obersten Gerichtshof verboten. Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy kritisierte die nach Unabhängigkeit strebenden baskischen Nationalisten scharf. Diese wollten „Spanien kaputtmachen“, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in der baskischen Hauptstadt Vitoria. Im Baskenland sind am 21. Oktober vorgezogene Parlamentswahlen geplant.

Korsika

Seit gut 20 Jahren kämpfen Separatisten mit Gewalt für eine Unabhängigkeit der Mittelmeerinsel von Frankreich. Ziel ihrer Anschläge sind oft Villen von Festlandfranzosen und Ausländern, aber auch Verwaltungsgebäude, Politiker und Beamte. Erst im vergangenen Juli bekannte sich ein Kommando der Untergrundorganisation Nationale Befreiungsfront Korsikas (FLNC) zu einem Anschlag auf das Anwesen eines Pariser Bankiers. Die FLNC hatte zuvor die Verantwortung für eine Serie von rund 20 Attentaten auf der Insel übernommen.

Padanien

Die aus verschiedenen italienischen Autonomiebewegungen entstandene Lega Nord mit ihrem Vorsitzenden Umberto Bossi forderte jahrelang von Rom die Unabhängigkeit Padaniens. Der Name ist abgeleitet vom italienischen „pianura padana“ für die Po-Ebene. Bossi zählt zu Padanien die Regionen Lombardei, Aosta, Piemont, Ligurien, Trient-Südtirol, Venetien, Friaul-Julisch Venezien und Emilia-Romagna mit insgesamt 25 Millionen Einwohnern. Von 1994 an gehörte die Lega Nord mehreren Regierungen von Ministerpräsident Silvio Berlusconi an. 1996 wurde sogar eine „Bundesrepublik Padanien“ ausgerufen, allerdings ohne Folgen.

Flandern

Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts schwelt der Streit zwischen den Bevölkerungsgruppen Belgiens. Heute steht der niederländisch-sprachige Teil des Bundesstaates wirtschaftlich besser da als die französischsprachige Walonie. Im Juni 2010 wurden die flämischen Nationalisten mit der Partei N-VA, die einen unabhängigen Staat Flandern anstrebt, zur stärksten politischen Kraft in Belgien. Monatelang verhinderte nach der Wahl ein Sprachenstreit die Bildung einer Zentralregierung in Brüssel. Erst im September 2011 einigten sich die Parteien und verhinderten eine Aufspaltung Belgiens.

Slowakei

In einer „samtenen Revolution“ ohne Gewalt erkämpften 1989 Tschechen und Slowaken noch gemeinsam die Freiheit. Nach den ersten freien Wahlen 1990 formierten sich in der Slowakei separatistische Gruppen. Im Juli 1992 proklamierte dann der östliche Teil der Konföderation seine Trennung von Tschechien. Zum 1. Januar 1993 trat die Unabhängigkeit der Slowakei in Kraft. Prag akzeptierte die „samtene Scheidung“: Nach 74 Jahren hörte die Tschechoslowakei auf zu existieren. Der damalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP) bedauerte die Teilung des Staates, lobte aber die friedfertige Art und Weise der Trennung als vorbildlich.

„In der EU sind 7,5 Millionen junge Menschen nicht in Beschäftigung, Erziehung oder Ausbildung“, sagte die irische Sozialministerin Joan Burton. „Die EU schätzt, dass die Kosten dafür ungefähr 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprechen oder 150 Milliarden Euro pro Jahr.“ Irland führt derzeit den Vorsitz der EU-Staaten.

EU-Sozialkommissar Laszlo Andor, der die Pläne entwickelt hatte, mahnte eine rasche Umsetzung des Beschlusses an. „Investitionen in Jugendgarantie-Programme sind dringende Ausgaben, um schlimmere soziale und wirtschaftliche Probleme in der Zukunft zu vermeiden.“

Jugendarbeitslosigkeit in Europa: Generation Lost

Jugendarbeitslosigkeit in Europa

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In Europas Krisenländern haben junge Erwachsene kaum Chancen auf einen Job.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lobte die Jugendgarantie als „ganz wichtiges Signal für die Jugend“. In Deutschland sei Jugendarbeitslosigkeit aber kein besonderes Problem. „Wir suchen händeringend junge Menschen, die die offen stehenden Ausbildungsplätze und zum Teil auch Arbeitsplätze füllen“, sagte von der Leyen.

Zugleich gebe es „junge Menschen in Teilen Europas, die suchen händeringend Ausbildung und Arbeit.“ Die Freizügigkeit innerhalb Europas können helfen, Bewerber und Arbeitgeber auch über Grenzen hinweg zusammenzubringen.

Von

dpa

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

28.02.2013, 18:16 Uhr

Der Saftladen der diese ganze Misere erst möglich gemacht hat, beschliesst jetzt zu helfen LOL, ich lach mich krank. Befreit die Völker endlich von diesen Politikern die nichts als Schaden anrichten und schafft diese EU ab.

Vanderstorm

28.02.2013, 18:23 Uhr

Arbeiten die dann länger als drei Stunden pro Tag?
Eine Jobgarantie hatten wir doch schon mal ..... in der alten DDR, Gott hab sie selig. Sind wir wieder reif für dieses System?

Account gelöscht!

28.02.2013, 18:26 Uhr

Im Prinzip ist es richtig, Jugendliche in besonderer Weise zu unterstuetzen.

Nur: Von dieser Behoerde in Bruessel ist wohl wieder etwas Unausgegorenes zu erwarten. Will heissen: Die Thematik wird den Verein weit ueberfordern.

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