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26.04.2016

19:21 Uhr

Arbeitsmarkt Frankreich

Stärkster Rückgang der Arbeitslosigkeit seit 2000

Im März waren 1,7 Prozent weniger Menschen in Frankreich arbeitslos als noch im Februar. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten ist derzeit so hoch wie nie, die durchschnittliche Dauer der Arbeitlosigkeit ebenfalls.

Er hatte erklärt, sich nicht um eine Wiederwahl im kommenden Jahr zu bemühen, wenn es ihm nicht gelingt, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. AFP; Files; Francois Guillot

Erleichterung bei Frankreichs Präsident Hollande

Er hatte erklärt, sich nicht um eine Wiederwahl im kommenden Jahr zu bemühen, wenn es ihm nicht gelingt, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

ParisDie Arbeitslosigkeit in Frankreich ist im März so stark zurückgegangen wie seit September 2000 nicht mehr. Wie das Arbeitsministerium am Dienstag mitteilte, waren in dem Monat 3,53 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Dies sind 1,7 Prozent weniger als der Rekordwert im Februar, aber rund 0,5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Ein Großteil des Rückgangs ist den Angaben zufolge darauf zurückzuführen, dass sich viele Arbeitslose nicht bei den Arbeitsagenturen zurückmeldeten. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten stieg auf ein neues Hoch, die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit kletterte auf ein Rekordhoch von 580 Tagen. Eine Arbeitslosenrate gab das Ministerium wie üblich nicht an.

Frankreich und Deutschland: Enge Partner in unterschiedlicher Lage

Wirtschaft

Bei der Wirtschaftslage liegen zwischen den beiden Seiten des Rheins Welten. In Frankreich ist der Konjunkturmotor nach der Finanzkrise nicht wieder so recht in Fahrt gekommen, in den vergangenen beiden Jahren lag das Wachstum mit 0,2 und 1,2 Prozent spürbar niedriger als in Deutschland (1,6 und 1,7 Prozent). Richtig dramatisch tief ist der Graben am Arbeitsmarkt: In Frankreich sind 10,2 Prozent der Erwerbsfähigen ohne Job; die Quote ist nach Eurostat-Zahlen mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (4,3 Prozent).

Flüchtlinge

Während Deutschland zum Zielland für Hunderttausende geworden ist, spürt Frankreich die Flüchtlingskrise deutlich weniger. Die Flüchtlingsbehörde registrierte 2015 knapp 73.500 Asyl-Erstanträge, 23,9 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland waren es fast 442.000, gut 150 Prozent mehr als 2014 – und viele Anträge waren da wegen des Andrangs noch gar nicht aufgenommen worden.

Demografie

In Deutschland bringt jede Frau im Schnitt 1,47 Kinder zur Welt. In Frankreich liegt die Geburtenquote dagegen bei zwei Kindern pro Frau, der höchste Wert in der EU. Das hat langfristig Auswirkungen beispielsweise auf Arbeitsmarkt und Rentensysteme, Wohnungsbedarf und Bevölkerungsentwicklung.

Staatshaushalt

Frankreich reißt seit Jahren die Brüsseler Drei-Prozent-Grenze für das Haushaltsdefizit – auch wenn das Minus dank der Niedrigzinsen zuletzt mit 3,5 Prozent etwas kleiner ausfiel als erwartet. Die Frist für das Erreichen der Zielmarke wurde mehrfach verschoben. Der deutsche Staat dagegen nimmt derzeit mehr Geld ein, als er ausgibt.

Terror

Frankreich steht unter dem Eindruck einer blutigen Terrorserie, die mit den Pariser Anschlägen vom November einen Höhepunkt fand. Die Debatte um Sicherheit ist deshalb zentral, das Land verunsichert. Auch in Deutschland ist Terrorismus nach den Anschlägen von Paris und Brüssel Thema; das Land blieb aber bislang von Anschlägen verschont.

Die Zahlen dürften Präsident Francois Hollande etwas Erleichterung verschaffen. Er hatte erklärt, sich nicht um eine Wiederwahl im kommenden Jahr zu bemühen, wenn es ihm nicht gelingt, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

Von

rtr

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